diff --git a/Website/content/de/posts/2026-07-21-OER-Plattformen/index.md b/Website/content/de/posts/2026-07-21-OER-Plattformen/index.md index 3f72e70..e4b9b9d 100644 --- a/Website/content/de/posts/2026-07-21-OER-Plattformen/index.md +++ b/Website/content/de/posts/2026-07-21-OER-Plattformen/index.md @@ -3,11 +3,11 @@ '@context': https://schema.org/ creativeWorkStatus: Published type: LearningResource -name: 'Offen und doch schwer auffindbar? OER-Plattformen für religionspädagogische Bildungsmaterialien' +name: 'Offen und leicht zu finden? OER-Plattformen für religionspädagogische Bildungsmaterialien' description: >- Wie lassen sich Open Educational Resources finden? Dieser Beitrag erläutert die verschiedenen Plattformtypen der OER-Landschaft – von Suchmaschinen über Repositorien und Referatorien bis hin zu fachspezifischen, religionspädagogischen Angeboten. Dabei wird aufgezeigt, wie Plattformlogiken, Metadaten und Formen der Qualitätssicherung die Auffindbarkeit, Nutzung und Weiterentwicklung offener Bildungsmaterialien beeinflussen und warum interoperable Infrastrukturen für die Zukunft von OER immer wichtiger werden. license: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de -id: https://oer.community/offen-und-doch-schwer-auffindbar-oer-plattformen +id: https://oer.community/offen-und-leicht-zu-finden-oer-plattformen creator: - givenName: Laura familyName: Mößle @@ -51,7 +51,7 @@ keywords: author: - Laura Mößle - Paula Xue Paschke -title: 'Offen und doch schwer auffindbar? OER-Plattformen für religionspädagogische Bildungsmaterialien' +title: 'Offen und leicht zu finden? OER-Plattformen für religionspädagogische Bildungsmaterialien' cover: relative: true image: humaaans-characters.png @@ -70,110 +70,121 @@ tags: - Qualitätskriterien --- -Wo lassen sich OER überhaupt finden? Gerade für Religionslehrkräfte, Dozierende, Multiplikator:innen und weitere Praktiker:innen ist die Orientierung in der digitalen Materiallandschaft nicht immer einfach. -Eine zentrale Rolle spielen dabei die Plattformen, über die OER bereitgestellt, gesucht und verbreitet werden. Im Internet existiert eine Vielzahl solcher Plattformen mit unterschiedlichen Nutzungsoberflächen und Formen der Qualitätssicherung. Nicht alle Materialien sind eindeutig als OER gekennzeichnet und nicht auf allen Plattformen finden Qualitätssicherungsprozesse statt. - -Der vorliegende Beitrag gibt einen exemplarischen Überblick über zentrale Plattformen mit einem näheren Fokus auf religionspädagogische Bildungsmaterialien. Desweiteren wird diskutiert, wie Metadatenstandards und interoperable Infrastrukturen für die Zukunft offener Bildungsmaterialien immer wichtiger werden. - ## 1. OER finden: Plattformtypen und ihre Logiken -Wer nach OER im Internet sucht, bewegt sich durch ein vielschichtiges digitales Ökosystem. Plattformen eröffnen hierbei nicht nur Zugänge zu Bildungsmedien, sondern strukturieren diese Zugänge zugleich mit. Sie vermitteln zwischen Anbietenden und Suchenden und legen bestimmte Nutzungswege über Kategorien, Metadaten, Suchmasken und Benutzeroberflächen nahe [(vgl. Leineweber/ Hofhues/ Lucke & Schütz 2015, S.23–26)](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-003#read-container). -Standardisierte Metadaten sind eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass offene Bildungsressourcen plattformübergreifend recherchierbar und in unterschiedlichen Suchmaschinen ausgespielt werden können. Die gewählten Metadaten legen fest, welche Eigenschaften eines Materials maschinell erfassbar und auffindbar werden. Metadaten stellen damit Sichtbarkeit her, reduzieren aber dadurch auch Bildungsangebote auf vorab definierte Merkmale [(vgl. Richter & Allert 2025, S. 334–336)](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-022). +Wer nach Open Educational Resources sucht, findet schnell eine große Vielfalt unterschiedlicher Plattformen. Die Materialien verteilen sich auf Suchmaschinen, Repositorien und referenzierende Plattformen, die jeweils eigenen Funktionslogiken folgen. Sie unterscheiden sich nicht nur darin, wie Materialien veröffentlicht oder gefunden werden können, sondern auch darin, wie Inhalte erschlossen und qualitätsgesichert werden. -OER verteilen sich auf verschiedene Suchmaschinen, Repositorien und referenzierende Plattformen – jede mit eigener Logik, eigenen Zugangswegen und unterschiedlichen Formen der [Qualitätssicherung](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/). -Manche Angebote prüfen Materialien redaktionell, andere setzen auf algorithmische Vorschlagsysteme oder Kuratierung durch weitere Nutzer:innen. -Personen, die Materialien bereitstellen oder selbst suchen, sollten die unterschiedlichen Plattformtypen kennen, die dahinterliegende Logiken verstehen und die Potenziale wie auch Grenzen für die Bereitstellung und Suche von OER einschätzen können. +Plattformen sind dabei weit mehr als reine Ablageorte. Sie vermitteln zwischen den Materialanbietenden, und denen, die nach ihnen suchen. Über Kategorien, Metadaten, Suchmasken und Benutzeroberflächen prägen sie maßgeblich, welche Materialien sichtbar werden und wie Nutzer:innen auf diese zugreifen [(vgl. Leineweber/ Hofhues/ Lucke & Schütz 2015, S. 23–26)](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-003#read-container). -Mit Blick auf OER-Plattformen können zwei grundlegende Strukturformen voneinander unterschieden werden: +Standardisierte Metadaten bilden hierfür eine zentrale Voraussetzung: Sie ermöglichen, dass OER plattformübergreifend recherchiert und von Suchmaschinen gefunden werden können. Gleichzeitig legen sie fest, welche Eigenschaften eines Materials maschinell erfasst werden und damit überhaupt sichtbar werden. Metadaten schaffen somit Auffindbarkeit, reduzieren Bildungsressourcen jedoch zugleich auf vorab definierte Merkmale [(vgl. Richter & Allert 2025, S. 334–336)](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-022). -• **Repositorien (Speicher- und Veröffentlichungsplattformen)** +Auch die [Qualitätssicherung](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) unterscheidet sich zwischen den Plattformen. +Während einige Materialien vor der Veröffentlichung redaktionell prüfen, setzen andere auf Bewertungen und Kuratierung durch ihre Nutzer:innen. +Wer OER veröffentlichen oder gezielt recherchieren möchte, sollte diese unterschiedlichen Plattformtypen und ihre jeweiligen Funktionsweisen kennen, um ihre Potenziale und Grenzen angemessen einschätzen zu können. -Repositorien ermöglichen das Hochladen eigener Materialien, bei denen OER dauerhaft gespeichert, archiviert und zitierfähig gemacht werden. +Grundsätzlich lassen sich OER-Plattformen in zwei zentrale Strukturformen unterscheiden: -• **Referatorien (Referenz- und Verzeichnisplattformen)** - -Referatorien fungieren in erster Linie als Aggregatoren, d.h. sie verlinken auf bereits extern veröffentlichte Materialien, ohne selbst Hosting-Strukturen bereitzustellen. -In solchen Fällen muss das Material zuvor auf einer anderen Plattform bzw. einem Repositorium veröffentlicht worden sein. +**Repositorien (Speicher- und Veröffentlichungsplattformen)**: Repositorien ermöglichen das Hochladen eigener Materialien. Sie stellen diese dauerhaft bereit, sorgen für ihre Archivierung und machen sie in der Regel dauerhaft referenzier- und zitierfähig. + +**Referatorien (Referenz- und Verzeichnisplattformen)**: Referatorien speichern Materialien nicht selbst, sondern verweisen auf bereits extern veröffentlichte OER. Als Aggregatoren bündeln sie Verlinkungen zu verschiedenen Quellen. Voraussetzung ist, dass die Materialien zuvor auf einem Repositorium oder einer anderen Plattform veröffentlicht wurden. -## 2. Allgemeine Suchforen: Hohe Reichweite, geringe Strukturierung +## 2. Allgemeine Suchplattformen: Hohe Reichweite, geringe Strukturierung Plattformen wie [YouTube](https://www.youtube.com/) und [Google](https://www.google.com/) sind für viele Lehrende der erste Anlaufpunkt bei der Materialsuche. Sie bieten eine große Vielfalt an Bildungsinhalten und ermöglichen über Creative-Commons-Filter auch die gezielte Suche nach offen lizenzierten Materialien. -Gleichzeitig sind diese Plattformen keine spezifischen OER-Infrastrukturen. Ihre Logik orientiert sich an Reichweite und Sichtbarkeit, nicht an pädagogischen und fachdidaktischen Standards oder konsistenter Lizenztransparenz. Entsprechend eignen sie sich vor allem zur Inspiration und ersten Orientierung, erfordern jedoch eine sorgfältige rechtliche, fachliche und didaktische Prüfung der gefundenen Materialien. -Für den religionspädagogischen Bereich kann man hier schnell fündig werden. Allerdings fehlen häufig didaktische Hinweise sowie eine klare Einordnung der Lerninhalte in Kompetenzen oder Lehrcurricula. + +Allerdings handelt es sich bei diesen Plattformen nicht um spezifische OER-Infrastrukturen. Ihre Logik ist nicht auf pädagogische und fachdidaktische Standards oder eine konsistente Lizenzausweisung ausgerichtet, sondern auf Reichweite und Sichtbarkeit. + +Hier finden Nutzer:innen in der Regel nicht vollständig ausgearbeitete Unterrichtseinheiten, sondern einzelne Bausteine, zum Beispiel Videos, Bilder oder Arbeitsblätter. Diese können wertvolle Impulse liefern, müssen jedoch häufig didaktisch eingeordnet, ergänzt und in einen größeren Lehr-Lern-Zusammenhang eingebettet werden. + +Auch für den religionspädagogischen Bereich lassen sich hier schnell einzelne geeignete Materialien finden, die jedoch selbstständig in größere Lehr-Lernzusammenhänge eingeordnet werden müssen. -## 3. OER-Suchmaschinen: Materialien vernetzen und auffindbar machen +## 3. Referatorien & OER-Suchmaschinen: Materialien vernetzen und auffindbar machen -Spezialisierte OER-Suchmaschinen bündeln frei zugängliche Materialien aus unterschiedlichen Quellen. Dabei reicht das Spektrum von reinen Suchinstrumenten bis hin zu kuratierten Plattformen mit Community-Elementen. -Z.B. liefert [Openverse](https://openverse.org/de) etwa die Möglichkeit zur gezielte Suche nach frei lizenzierten Bildern und Audiodateien, differenziert nach Lizenztyp, Nutzungsmöglichkeiten und Quelle. +Referatorien und OER-Suchmaschinen bündeln frei zugängliche Materialien aus unterschiedlichen Quellen. Dabei reicht das Spektrum von reinen Suchinstrumenten bis hin zu kuratierten Plattformen mit Community-Elementen. -[WirLernenOnline](https://www.wirlernenonline.de/) verbindet Funktionen einer OER-Suchmaschine mit Elementen einer Community-Plattform. Materialien lassen sich differenziert nach Fächern und Bildungsstufen recherchieren und werden durch Fachredaktionen kuratiert, die eine erste fachliche und didaktische Qualitätsorientierung bieten. +[Openverse](https://openverse.org/de)ist eine Suchmaschine für frei lizenzierte Bilder und Audiodateien. Sie indexiert Werke mit Creative-Commons-Lizenzen und aus dem öffentlichen Domain und referenziert mit Verlinkungen zum Ursprungsort der Quelle. +Nutzer:innen können die Suche nach Materialtyp, Lizenz und Gebrauch filtern. Hier finden sich vielfältige OER-lizenzierte Materialien, die auch für den religionspädagogischen Kontext eingesetzt werden können. -Qualitätsorientierung bieten. Getragen wird das Projekt von [Wikimedia Deutschland](https://www.wikimedia.de) und [edu-sharing.net e.V.](https://edu-sharing-network.org) Die Plattform richtet sich an eine breite Bildungslandschaft – vom Elementarbereich über Schule und berufliche Bildung bis hin zur Hochschule und Erwachsenenbildung. Strukturell kombiniert sie repositoryartige und referatorische Funktionen: Materialien können sowohl vorgeschlagen als auch eigene OER über Beteiligungsfunktionen veröffentlicht werden. Neben offen lizenzierten Materialien finden sich jedoch auch frei zugängliche Ressourcen ohne offene Lizenz. Für das Fach Religion weist die Plattform mit über 16.000 Materialien eine hohe fachliche Passung auf; eingereichte Inhalte werden vor der Veröffentlichung durch eine Fachredaktion geprüft. +[WirLernenOnline](https://www.wirlernenonline.de/) ist ein OER-Referatorium, das die Funktionen einer Suchmaschine für freie Bildungsmaterialien mit einer Community-Plattform verbindet. Über strukturierte Themenseiten werden Materialien entlang von Bildungsbereichen, Fächern und Bildungsstufen übersichtlich erschlossen und recherchierbar gemacht. +Die Plattform verlinkt Inhalte aus unterschiedlichen Quellen zu offenen Lehr- und Lernressourcen und ergänzt diese um Mitmach-, Upload- und Austauschfunktionen für die Community. +Die Qualitätssicherung folgt einem mehrstufigen redaktionellen Prüfprozess. Zunächst unterziehen geschulte Redakteur:innen Materialien und Quellen einer KI-gestützten Basissichtung, bei der geklärt wird, ob sich die Materialien für Bildungszwecke eignen, rechtliche Anforderungen erfüllt und die Materialien datenschutzkonform bereitgestellt werden. +In einem zweiten Schritt bewerten Fachredaktionen die fachliche und didaktische Qualität und zeichnen besonders geeignete Materialien mit Siegeln aus. +Auch für den Religionsunterricht und die außerschulische Bildungsarbeit bietet [WirLernenOnline](https://www.wirlernenonline.de/) eine enorme Vielzahl fachlich kuratierter Materialien, die gezielt nach offen lizenzierten Bildungsressourcen gefiltert werden können. Dadurch eignet sich die Plattform besonders für Lehrende, die bereits qualitätsgesicherte OER recherchieren möchten. -[ELIXIER](https://www.bildungsserver.de/elixier/) fungiert als metadatengestützte Infrastruktur für Bildungsmedien und bündelt die Angebote der Landesbildungsserver, des Deutschen Bildungsservers sowie weiterer Partner in einer zentralen Suchoberfläche. -Die Materialien werden auf der Plattform nicht gespeichert, sondern entsprechend den jeweiligen Originalquellen im Sinne eines Referatoriums verlinkt. Mithilfe standardisierter Metadaten – etwa zu Fach, Bildungsstufe, Medientyp oder Lizenz – können die Materialien gezielt recherchiert und nach OER gefiltert werden. Die Aufnahme in ELIXIER erfolgt auf Grundlage einer redaktionellen Auswahl der beteiligten Bildungsserver und Partner. Dies ersetzt jedoch nicht die fachdidaktische und curriculare Prüfung der Materialien im jeweiligen Unterrichtskontext. -Auch religionspädagogische Bildungsmedien sind über ELIXIER zugänglich, bedürfen jedoch einer religionsdidaktischen Bewertung hinsichtlich ihrer Eignung für den jeweiligen Unterricht. +Die Suchmaschine [ELIXIER](https://www.bildungsserver.de/elixier/)ist eine metadatengestützte Infrastruktur für Bildungsmedien und bündelt die Angebote der Landesbildungsserver, des Deutschen Bildungsservers sowie weiterer Partner in einer zentralen Suchoberfläche. Die Materialien werden dabei nicht auf der Plattform selbst gespeichert, sondern im Sinne eines Referatoriums über ihre jeweiligen Originalquellen nachgewiesen und verlinkt. +Die Recherche kann nach Fach, Bildungsstufe, Medientyp oder Lizenz gefiltert werden. +Die im Ressourcenpool nachgewiesenen Materialien vom Elementarbereich bis zur beruflichen Bildung beruhen auf redaktionellen Prüfprozessen der beteiligten Bildungsserver und Partner. Diese institutionelle Qualitätssicherung ersetzt jedoch nicht die notwendige fachliche, fachdidaktische und curriculare Beurteilung der Materialien. +Auch eine recht umfängliche Anzahl religionspädagogische Bildungsmedien sind über ELIXIER zugänglich. Der Open Educational Resources Search Index [OERSI](https://oersi.org/resources/) ist eine Suchmaschine für offene Bildungsmaterialien im Hochschulbereich und wird seit 2020 gemeinsam vom Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen und der Technischen Informationsbibliothek betrieben. -Als Referatorium bündelt die Plattform nationale und internationale OER aus unterschiedlichen Repositorien und macht sie über standardisierte Metadaten zentral recherchierbar. [OERSI](https://oersi.org/resources/) übernimmt damit eine zentrale Vernetzungsfunktion innerhalb der deutschsprachigen OER-Infrastruktur. -Für Lehrinhalte im Fach Theologie bzw. Religionspädagogik ist die Auswahl noch immer überschaubar. Hier steht aktuell eine überschaubare, aber wachsende Auswahl zur Verfügung, wohingegen die Philosophie deutlich stärker vertreten ist. Eine redaktionelle Prüfung der Inhalte erfolgt nicht. OERSI übernimmt und vereinheitlicht Metadaten aus angeschlossenen Repositorien; für die inhaltliche und didaktische Qualität sind die Herkunftsportale bzw. die jeweiligen Autor:innen verantwortlich. +Als Referatorium bündelt die Plattform nationale und internationale OER aus unterschiedlichen Repositorien und macht sie über standardisierte Metadaten zentral recherchierbar. [OERSI](https://oersi.org/resources/) übernimmt damit eine elementare Vernetzungsfunktion innerhalb der deutschsprachigen OER-Infrastruktur. +Für Lehrinhalte im Fach Theologie bzw. Religionspädagogik ist die Auswahl jedoch noch überschaubar. Hier steht aktuell eine kleine, aber wachsende Auswahl zur Verfügung, wohingegen verwandte Fächer wie Philosophie deutlich stärker vertreten sind. Eine redaktionelle Prüfung der Inhalte erfolgt nicht, für die inhaltliche und didaktische Qualität sind die Herkunftsportale bzw. die jeweiligen Autor:innen verantwortlich. -## 4. Repositorien und OER-Plattformen: Strukturierung und Qualitätssicherung +## 4. Repositorien & OER-Plattformen: Bereitstellung und Referenzierbarkeit -Repositorien und spezialisierte OER-Plattformen bieten übersichtliche Sammlungen offen lizenzierter Materialien. Im Unterschied zu allgemeinen Plattformen arbeiten sie mit standardisierten Metadaten, Filteroptionen sowie oftmals, allerdings nicht immer, mit redaktionellen und/oder communitybasierten Qualitätsmerkmalen. +Repositorien sind digitale Materialsammlungen, in denen Bildungsressourcen dauerhaft gespeichert, mit standardisierten Metadaten erschlossen und unter offenen Lizenzen bereitgestellt werden. +Durch technische und inhaltliche Erschließung werden Lehr- und Lernmaterialien langfristig auffindbar und rechtssicher nutzbar. +Repositorien dienen nicht nur als Ablageort für Ressourcen, sondern bilden auch eine zentrale Infrastruktur für die nachhaltige Verfügbarkeit, Bearbeitung und Weiterentwicklung von OER. -Das [ZOERR](https://www.oerbw.de/) – das zentrale Repositorium für OER in Baden-Württemberg – ermöglicht Publikation, Austausch und Bearbeitung von Materialien für die Hochschullehre; redaktionelle Prüfprozesse bieten eine erste Qualitätsorientierung. +Das nierdersächsische OER-Portal [twillo](https://www.twillo.de/) richtet sich insbesondere an Personen an Hochschulen, die offene Bildungsmaterialien erstellen, veröffentlichen oder recherchieren möchten. +Die Plattform stellt nicht nur OER bereit, sondern unterstützt auch bei deren Entwicklung, beispielsweise durch Informationen zu offenen Lizenzen oder urheberrechtlichen Fragen. Darüber hinaus bietet das Portal praktische Hilfestellungen zur Erstellung und Veröffentlichung offener Bildungsmaterialien. +[twillo](https://www.twillo.de/) verbindet dabei die Funktionen eines Repositoriums und eines Referatoriums: Materialien können sowohl direkt auf der Plattform veröffentlicht als auch als externe Verlinkungen eingebunden werden. Auch für die theologische Hochschullehre stehen Materialien zur Verfügung, wenn auch bislang nur in begrenztem Umfang. -[twillo](https://www.twillo.de/) verbindet Materialbereitstellung mit rechtlicher Beratung und Unterstützungsangeboten zur Erstellung offener Bildungsressourcen. Die Plattform ist das niedersächsische Portal für OER in der Hochschullehre und richtet sich vor allem an Lehrende. Neben der Bereitstellung und Recherche von OER bietet sie Informationen zu rechtlichen Grundlagen, Vernetzungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote zur Erstellung offener Bildungsmaterialien. -twillo verbindet letztlich Repositoriums- und Referatoriumsfunktionen: Materialien können sowohl hochgeladen als auch als Verlinkungen vorgeschlagen werden. Materialien für die theologische Hochschullehre sind ebenfalls im begrenzten Umfang vorhanden. +[ORCA.nrw](https://www.orca.nrw/) ist das Landesportal für Studium und Lehre in NRW und bietet ein Repositorium mit Uploadformular, über das Nutzende eigene OER einstellen können. [ORCA.nrw](https://www.orca.nrw/)ist ein Repositorium und Portal, das über den integrierten OERSI‑Suchindex referatorisch auf weitere Repositorien verweist. +Alle eingestellten Materialien durchlaufen vor der Veröffentlichung einen Qualitätssicherungsprozess, in dem insbesondere die Lizenzierung, die technischen Standards und die Barrierefreiheit geprüft werden. Darüber hinaus sind Zuständigkeiten für das Qualitätsmanagement und die Pflege der Inhalte eingerichtet, sodass eine Überprüfung gewährleistet ist. +Weiteres Beratungs- und Serviceangebote zu rechtlichen Fragen oder zur Qualitätssicherung und OER-Produktion werden auf dem Portal ebenfalls angeboten. +Aktuell sind noch wenige Materialien für den religionsbezogenen Bereich bei [ORCA.nrw]https://www.orca.nrw/) zu finden. -[ORCA.nrw]https://www.orca.nrw/) ist das Landesportal für Studium und Lehre in NRW und bietet ein Repositorium mit Uploadformular, über das Lehrende eigene OER einstellen können. ORCA.nrw fungiert als Repositorium und als Portal, das über den integrierten OERSI‑Suchindex referatorisch auf weitere Repositorien verweist. Beratungs- und Serviceangebote zu rechtlichen Fragen zur Qualitätssicherung und OER-Produktion komplettieren das Angebot. Aktuell sind noch wenige Materialien für den religionsbezogenen Bereich bei [ORCA.nrw]https://www.orca.nrw/) zu finden. +Das [ZOERR](https://www.oerbw.de/) ist ein an der Universitätsbibliothek Tübingen sowie weiteren Partnerhochschulen angesiedeltes Repositorium für OER in Baden-Württemberg. Es ermöglicht Nutzenden, Materialien für die Hochschullehre zur Nachnutzung und Weiterentwicklung bereitzustellen. +Über die Plattform können die eingestellten Materialien versioniert und in Kooperation bearbeitet werden. Vor Veröffentlichung der Materialien, werden sie redaktionell auf technische und rechtliche Eignung geprüft. +Aktuell sind Materialien für die theologische Hochschullehre an dieser Stelle noch sehr rar gesät. -Das internationale OER-Repositorium [OER Commons](https://oercommons.org/) kann als „public digital library of open educational resources“ [siehe Homepage](https://oercommons.org/) bezeichnet werden. Hier können OER publiziert, recherchiert und kollaborativ weiterentwickelt werden. Differenzierte Filter, Metadaten und integrierte Werkzeuge zur gemeinsamen Bearbeitung laden Nutzende dazu ein, die Materialien zu adaptieren und weiterzu entwickeln. Thematische [Hubs](https://oercommons.org/hubs/) bündeln Materialien zu bestimmten Themen oder Fachbereichen und bieten kuratierte Einstiege, über die Lehrende OER finden und weiterentwickeln können. -Religion wird bei [OER Commons](https://oercommons.org/) „Arts and Humanities“ zugewiesen und wird dort zusammen mit weiteren geisteswissenschaftlichen Disziplinen, häufig auch in Verbindung mit Philosophie, geführt. Die Auswahl dezidiert religiöser Bildungsmedien ist damit überschaubar. Eine fachliche Qualitätsprüfung findet nicht statt. +Das internationale OER-Repositorium [OER Commons](https://oercommons.org/) ist eine „public digital library of open educational resources“ [siehe Homepage](https://oercommons.org/). Hier können OER publiziert, recherchiert und kollaborativ weiterentwickelt werden. Thematische [Hubs](https://oercommons.org/hubs/) bündeln Materialien zu bestimmten Themen oder Fachbereichen und bieten kuratierte Einstiege, über die Lehrende OER finden und weiterentwickeln können. +Eine redaktionelle Qualitätsprüfung findet nicht statt. Vielmehr ist die Qualitätssicherung der Inhalte dezentral über die Verantwortung der einstellenden Institutionen und Autor:innen sowie über Community‑Funktionen wie Bewertungen und Kommentare organisiert. +Das Fach Religion wird bei [OER Commons](https://oercommons.org/) „Arts and Humanities“ zugewiesen und wird dort zusammen mit weiteren geisteswissenschaftlichen Disziplinen, häufig auch in Verbindung mit Philosophie, geführt. Die Auswahl dezidiert religiöser Bildungsmedien ist damit überschaubar. Die Plattform [MUNDO](https://mundo.schule) wird als offene Bildungsmediathek der Bundesländer betrieben und durch das [FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht](https://fwu.de) realisiert. Sie richtet sich an unterschiedliche Bildungsstufen vom Elementarbereich bis zur beruflichen Bildung und kombiniert repositoryartige und referatorische Funktionen: Materialien können sowohl hochgeladen als auch als externe Ressourcen vorgeschlagen werden. Eingereichte Materialien werden von der MUNDO-Redaktion geprüft und freigegeben, eine spezifische fachwissenschaftliche Begutachtung ist jedoch nicht ausgewiesen. -Für das Fach Religion ist die Auswahl derzeit noch überschaubar. Neben religionsbezogenen Materialien finden sich auch Inhalte aus Ethik und Philosophie. +Für das Fach Religion ist die Auswahl derzeit überschaubar. Neben religionsbezogenen Materialien finden sich jedoch viele verwandte Inhalte aus Ethik und Philosophie. -Die Plattform [ZUM-Unterrichten](https://unterrichten.zum.de/wiki/Hauptseite) wird von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet betrieben und richtet sich vor allem an den schulischen Bereich der Sekundarstufen I und II. Ein Hochladen eigener Materialien ist nicht möglich, Nutzende können ausschließlich in der Wiki-Struktur bearbeiten und mitwirken. Damit nimmt [ZUM-Unterrichten](https://unterrichten.zum.de/wiki/Hauptseite) eine Sonderstellung ein und kann als kollaborative OER-Plattform mit repositoryartigem Charakter verstanden werden. Die Qualitätssicherung erfolgt communitybasiert, d.h. Nutzer:innen können Inhalte bearbeiten und weiterentwickeln. +Die Plattform [ZUM-Unterrichten](https://unterrichten.zum.de/wiki/Hauptseite) wird von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet betrieben und richtet sich vor allem an den schulischen Bereich der Sekundarstufen I und II. Ein Hochladen eigener Materialien ist nicht möglich, Nutzende können ausschließlich in der Wiki-Struktur bearbeiten und mitwirken. [ZUM-Unterrichten](https://unterrichten.zum.de/wiki/Hauptseite) kann als kollaborative OER-Plattform mit repositoryartigem Charakter verstanden werden. Die Qualitätssicherung erfolgt communitybasiert, d.h. Nutzer:innen können Inhalte bearbeiten und weiterentwickeln. Für das Fach Religion ist die Auswahl derzeit begrenzt, da sich das Angebot auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Themenseiten konzentriert. -## 5. Fachspezifische Plattformen: Religionspädagogische Materialien +## 5. Fachspezifische Plattformen für religionspädagogische Materialien -Neben fachübergreifenden Infrastrukturen existieren Plattformen, die sich gezielt auf die Bereitstellung von OER innerhalb eines bestimmten [Fachbereichs spezialisieren](https://open-educational-resources.de/oer-finden-in-der-schule/), so natürlich auch für das Fach Religion bzw. für außerschulische religiöse Bildung. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Anschlussfähigkeit von OER an spezifische Anforderungen religiöser Bildungsprozesse. +Neben fachübergreifenden Infrastrukturen gibt Plattformen, die sich gezielt auf die Bereitstellung von OER innerhalb eines bestimmten Faches spezialisieren, so natürlich auch für das Fach Religion bzw. für außerschulische religiöse Bildung. -Eine zentrale Plattform im deutschsprachigen Raum ist [rpi-virtuell](https://rpi-virtuell.de/). Der dortige Materialpool fungiert als referatorische Suchmaschine für Unterrichtsmaterialien, Praxisimpulse, Fachinformationen und Materialien für Kita, Schule, Gemeinde und Hochschule Die Materialien können nach Schulformen, Themen, Autor:innen und Kontext gefiltert werden. -Die Plattform richtet sich insbesondere an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Multiplikator:innen, kirchliche Bildungsakteur:innen und Hochschuldozierende. Ein Teil der Materialien ist offen lizenziert und damit als OER nachnutzbar. Materialhinweise können zur Veröffentlichung bei [rpi-virtuell](https://rpi-virtuell.de/) eingereicht werden. Die Beiträge werden durch eine religionspädagogische Fachredaktion gesichtet, verschlagwortet und kontextualisiert, sodass eine erste Qualitätskontrolle gewährleistet ist. Eine vertiefte fachliche und curriculare Prüfung ist weiterhin in der Verantwortung der Nutzenden. +Im deutschsprachigen Raum nimmt das am Comenius-Institut Münster angesiedelte [rpi-virtuell](https://rpi-virtuell.de/) eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung religionspädagogischer Bildungsmaterialien ein. Der dortige Materialpool ist eine referatorische Suchmaschine für Unterrichtsmaterialien, Praxisimpulse, Fachinformationen und Materialien für Kita, Schule, Gemeinde und Hochschule. Die Materialien können nach Schulformen, Themen, Autor:innen und Kontext gefiltert werden. +[rpi-virtuell](https://rpi-virtuell.de/) richtet sich insbesondere an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Multiplikator:innen, kirchliche Bildungsakteur:innen und Hochschuldozierende. Ein Teil der Materialien ist offen lizenziert und damit als OER nachnutzbar. Materialhinweise können zur Veröffentlichung bei [rpi-virtuell](https://rpi-virtuell.de/) eingereicht werden. Die Beiträge werden redaktionell gesichtet und verschlagwortet. Eine fachliche und curriculare Prüfung ist weiterhin in der Verantwortung der Nutzenden. -Auch [rpi-loccum](https://www.rpi-loccum.de/material) stellt über einen eigenen Materialpool eine Auswahl an religionspädagogischen Materialien für den Elementarbereich, Religionsunterricht von Grundschule bis Sek I und II, Förderschule, Berufsschule sowie Schulseelsorge und Gemeindepädagogik bereit. Diese sind nach Themenfeldern, Altersstufen und didaktischen Zugängen strukturiert. Die Materialien greifen auf Artikel des Loccumer Pelikan zurück und sind daher urheberrechtsgeschützt, allerdings finden sich wenige Ausnahmen, die mit CC-Lizenzen ausgestattet sind. Die thematische Bündelung und redaktionelle Aufbereitung tragen zu einer ausgewiesenen Qualität bei. +Auch [rpi-loccum](https://www.rpi-loccum.de/material) stellt über einen eigenen Materialpool eine Auswahl an religionspädagogischen Materialien für den Elementarbereich, Religionsunterricht von Grundschule bis Sek I und II, Förderschule, Berufsschule sowie Schulseelsorge und Gemeindepädagogik bereit. Der Materialpool ist nach Themenfeldern und Altersstufen strukturiert. Die Materialien greifen auf Artikel des Loccumer Pelikan zurück und sind daher urheberrechtsgeschützt, allerdings finden sich wenige Ausnahmen, die mit CC-Lizenzen ausgestattet sind. Die redaktionelle Aufbereitung der Zeitschrift tragen zu einer ausgewiesenen Qualität der Materialien bei. Aktuell befindet sich die ehemalige Materialseite von [rpp-katholisch](https://www.rpp-katholisch.de/) im Aufbau zur neuen Projektseite [EDUKATH.DE](https://www.rpp-katholisch.de/), die zeitnah online gehen soll. Die Plattform stellt Materialien für die Gestaltung des Religionsunterrichts und die religiöse Bildungsarbeit zur Verfügung. Ein Teil der Materialien soll auch als OER bereitstehen. [EDUKATH.DE](https://www.rpp-katholisch.de/) zielt darüber hinaus auch darauf, Religionspädagog:innen untereinander und mit den religionspädagogischen und katechetischen Einrichtungen in den Diözesen zu vernetzen. -## 6. Fazit: Plattformlogiken und Herausforderungen +## 6. Fazit: Es braucht stärkere Vernetzung bestehender Infrastrukturen Die Übersicht über unterschiedliche OER-Plattformen macht deutlich, dass sich ein vielfältiges Spektrum an Plattformtypen unterscheiden lässt, über die offene Bildungsmaterialien recherchiert und verbreitet werden können. Diese Plattformen verfolgen jeweils unterschiedliche Zielsetzungen und Formen der Qualitätssicherung. -Für eine reflektierte Nutzung im religionspädagogischen Kontext ist es daher notwendig, ihre jeweilige Plattformlogik zu kennen und ihre Potenziale ebenso wie ihre Grenzen mitzudenken. +Für eine reflektierte Nutzung im religionspädagogischen Kontext ist es daher unerlässlich, die verschiedenen Plattformen und ihre Logiken zu kennen, um ihre Potenziale ebenso wie ihre Grenzen mitzudenken. -Dabei zeigt sich ein zentrales Strukturproblem der OER-Landschaft: Weniger der Mangel an Materialien stellt derzeit die größte Herausforderung dar, als vielmehr – insbesondere im religionspädagogischen Bereich – ihre fehlende Auffindbarkeit. Zwar ist das Angebot an offenen Bildungsmaterialien in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, zugleich ist die Landschaft jedoch stark fragmentiert und vielen Lehrenden sowie Praktiker:innen noch immer nur begrenzt bekannt. -Repositorien entstehen häufig dezentral an Hochschulen, in Bundesländern oder in projektförmigen Kontexten. Sie nutzen unterschiedliche Metadatenstandards und sind technisch nur eingeschränkt interoperabel. Dadurch verbleiben viele offen lizenzierte Materialien in isolierten Silos und sind außerhalb ihres jeweiligen Ursprungsökosystems nur schwer auffindbar [(vgl. Otto/Kerres 2022)](https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2022.866917/full). +Die nähere Betrachtuung legt ein Strukturproblem der OER-Landschaft offen: Weniger der Mangel an Materialien stellt derzeit die größte Herausforderung dar, als vielmehr – insbesondere im religionspädagogischen Bereich – ihre fehlende Auffindbarkeit. Das Angebot an offenen Bildungsmaterialien ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, dennoch ist die Landschaft noch stark fragmentiert und vielen Lehrenden sowie Praktiker:innen sind die Vielzahl an OER-Plattformen noch immer unbekannt. -Offenheit im lizenzrechtlichen Sinne garantiert daher noch keine strukturelle Offenheit im digitalen Raum. Plattformen sind keine neutralen Behälter für Bildungsmedien. Ihre technischen Strukturen, Ordnungsmodelle und Benutzeroberflächen prägen mit, welche Materialien sichtbar werden, wie sie kategorisiert sind und welche Formen der Nutzung nahegelegt werden [(vgl. Hofhues/Schütz 2025, 11–14)](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-002). +Repositorien entstehen häufig dezentral an Hochschulen, in Bundesländern oder in projektförmigen Kontexten. Sie nutzen unterschiedliche Metadatenstandards und sind technisch nur bedingt interoperabel. Dadurch verbleiben viele offen lizenzierte Materialien in isolierten Silos und sind außerhalb ihres jeweiligen Ursprungsökosystems nur schwer auffindbar [(vgl. Otto/Kerres 2022)](https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2022.866917/full). + +Offenheit im lizenzrechtlichen Sinne garantiert daher noch keine strukturelle Offenheit im digitalen Raum. Plattformen sind keine neutralen Behälter für Bildungsmedien. Ihre technischen Strukturen und Benutzeroberflächen prägen mit, welche Materialien ausgespielt und sichtbar werden, wie sie kategorisiert sind und welche Formen der Nutzung nahegelegt werden [(vgl. Hofhues/Schütz 2025, 11–14)](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-002). Fehlende Schnittstellen oder uneinheitliche Metadaten können als Schließmechanismen wirken und die Reichweite der Materialien stark begrenzen, selbst dann, wenn diese formal frei zugänglich sind. -Für religionspädagogische Bildungsmaterialien zeigt sich darüber hinaus eine besonders heterogene Plattformlandschaft. Zwischen Repositorien und Referatorien, schulischen Mediatheken, inhaltlich spezialisierten Materialpool und hochschulbezogenen Suchmaschinen existieren unterschiedliche Metadatenformulare und Formen der Qualitätssicherung. Nicht alle Plattformen arbeiten ausschließlich mit offen lizenzierten Materialien und nicht alle verfügen über fachliche Redaktionen. - -Für Nutzer:innen bedeutet dies, dass die Auswahl geeigneter OER weiterhin eine deutlich reflektierte Urteilskraft erfordert. Neben der fachlichen Passung für den eigenen Kontext spielen die ausgewiesenen Lizenzen, redaktionelle Prüfverfahren seitens der Plattform sowie die nachhaltige Bereitstellung und Auffindbarkeit der Materialien eine wichtige Rolle. Orientierung können hierbei auch die im FOERBICO-Projekt entwickelten [Qualitätskriterien](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) bieten. +Für religionspädagogische Bildungsmaterialien zeigt sich darüber hinaus eine besonders heterogene Plattformlandschaft. Zwischen Repositorien und Referatorien, schulischen Mediatheken, inhaltlich spezialisierten Materialpool und hochschulbezogenen Suchmaschinen existieren unterschiedliche Metadatenformulare und Formen der Qualitätssicherung. +Für Nutzer:innen bedeutet dies, dass die Auswahl geeigneter OER weiterhin eine deutlich reflektierte Urteilskraft erfordert. Orientierung können hierbei die im FOERBICO-Projekt entwickelten [Qualitätskriterien](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) bieten. Aktuelle Entwicklungen machen deutlich, dass es nicht noch weitere Plattformen bedarf, sondern dass die Weiterentwicklung der OER-Landschaft künftig in der stärkeren Vernetzung bestehender Infrastrukturen liegt. Gemeinsame Metadatenstandards und interoperable Schnittstellen könnten dazu beitragen, die Sichtbarkeit, Nachnutzbarkeit und langfristige Verfügbarkeit offener Bildungsmaterialien deutlich zu verbessern. -Einen solchen Ansatz verfolgt beispielsweise **[Edufeed](https://news.rpi-virtuell.de/2025/10/01/edufeed-dezentral-offen-interoperabel/)**, eine derzeit im Kontext religionspädagogischer OER-Communitys entwickelte Infrastruktur auf Basis des offenen Nostr-Protokolls. -Anders als klassische Repositorien oder Referatorien stellt Edufeed keine weitere Materialplattform bereit, sondern zielt darauf, bestehende OER-Angebote plattformübergreifend miteinander zu vernetzen. Qualität soll hier durch die kollaborative Weiterentwicklung und die Vernetzung bestehender Qualitätsstrukturen unterstützt werden. Obwohl Edufeed fachübergreifend konzipiert ist, verdeutlicht das Projekt exemplarisch, wie interoperable Infrastrukturen dazu beitragen können, das Potenzial offener Bildungsressourcen – auch für die religionspädagogische Praxis – nachhaltiger auszuschöpfen. +Einen solchen Ansatz verfolgt beispielsweise **[Edufeed](https://news.rpi-virtuell.de/2025/10/01/edufeed-dezentral-offen-interoperabel/)**, eine am Comenius-Institut Münter entwickelte Infrastruktur auf Basis des offenen Nostr-Protokolls, die sich aktuell noch in der Pilotphase befindet. +Anders als klassische Repositorien oder Referatorien stellt Edufeed keine weitere Materialplattform bereit, sondern zielt darauf, bestehende OER-Angebote plattformübergreifend miteinander zu vernetzen. Qualität soll hier durch die kollaborative Weiterentwicklung und die Vernetzung bestehender Qualitätsstrukturen unterstützt werden. Edufeed verdeutlicht wie interoperable Infrastrukturen dazu beitragen können, das Potenzial offener Bildungsressourcen – auch für die religionspädagogische Praxis – nachhaltiger auszuschöpfen. ## Literatur @@ -182,8 +193,6 @@ Anders als klassische Repositorien oder Referatorien stellt Edufeed keine weiter [Leineweber, C., Hofhues, S., Lucke, U., Schütz, J. (2025): Plattform für Bildung? chancen und Grenzen digitaler Technologien in pädagogischen Handlungsfeldern. In: Hofhues, S. & Schütz, J. (Hg.): Plattformen für Bildung, Bielefeld, 23–36, doi:10.14361/9783839475164.](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-003#read-container) -[UNESCO & Commonwealth of Learning (Hrsg.). (2019). Guidelines on the development of open educational resources policies.](https://www.unesco.de/sites/default/files/2020-01/Guidelines_on_the_Development_of_OER_Policies_2019.pdf) - [Otto, D./ Kerres, M. (2022).Increasing Sustainability in Open Learning: Prospects of a Distributed Learning Ecosystem for Open Educational Resources. Front. Educ. 7:866917, S. 1-11. doi: 10.3389/feduc.2022.866917](https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2022.866917/full). [Richter, C., Allert, H. (2025): Plattformisierung und die Modellierung von Bildungsprozessen. In: Hofhues, S., Schütz, J.: Plattformen für Bildun, Bielefeld, S. 323–340. doi: 10.14361/9783839475164-022](https://www.transcript-open.de/doi/10.14361/9783839475164-022)