Ein paar Verbesserungen um die Argumentation genauer zu machen.

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# Wenn der Löwe Schwierigkeiten bereitet
![Ein Biber, ein Löwe und ein Nilpferd](Gemini_Generated_Image_k0cbmok0cbmok0cb.png) <br>*Bildquelle: Gemini*</br>
![Ein Biber, ein Löwe und ein Nilpferd im Stile der Charaktere aus der Kinderbibel der Löwe von Juda KI generiert](Gemini_Generated_Image_k0cbmok0cbmok0cb.png) <br>*Bildquelle: Gemini*</br>
Es ist kurz vor Weihnachten, als ein Verlag ein Werk entdeckt, das eine vielversprechende Idee bietet und auf ein profitables Unterfangen hoffen lässt. Die Idee ist eine Kinderbibel, die im Stil von Disneyfilmen illustriert ist. Tiere nehmen darin die Rollen von Menschen ein. Die Promotion für dieses Buch ist in vollen Zügen, doch aufgrund von Kritik aus verschiedenen Richtungen sieht sich der Verlag gezwungen, das Werk zu depublizieren.
Es ist kurz vor Weihnachten, als ein Verlag ein Werk entdeckt, das eine vielversprechende Idee bietet und auf ein profitables Unterfangen hoffen lässt. Es handelt sich um eine Kinderbibel, die im Stil von Disneyfilmen illustriert ist. Tiere nehmen darin die Rollen von biblischen Personen ein. Der Verlag entscheidet sich dazu,, das innovative Projekt auch in Deutschland auf den Markt zu bringen. Die Promotion auf verschiedenen Websites, Social Media sowie auf Messen ist im vollem Gange, doch von verschiedenen Seiten kommen kritische Stimmen auf. Die Folge: Der Verlag sieht sich gezwungen, das Werk zu depublizieren.
Der beschriebene Fall betrifft das Werk *„Der Löwe von Juda“*, das im Dezember 2025 von der Deutschen Bibelgesellschaft wieder vom Markt genommen wurde. In ihrer [Mitteilung](https://www.die-bibel.de/bibel-in-der-praxis/bibel-fuer-kinder/kinderbibelwelten/loewe-von-juda) zur Depublikation steht:
Das geschah im Dezember 2025 der Deutschen Bibelgesellschaft mit dem Werk "*Der Löwe von Juda*". In ihrer [Mitteilung](https://www.die-bibel.de/bibel-in-der-praxis/bibel-fuer-kinder/kinderbibelwelten/loewe-von-juda) zur Depublikation steht:
> »Bestimmte Passagen zeigten sich als problematisch im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog. Dazu kam Kritik an der stereotypen Darstellung von Geschlechterrollen und der Visualisierung von Gewalt.«
Dieser etwas längere Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten *problematischen Passagen* und zieht im Anschluss eine Zusammenfassung. Zudem werden Chancen in Hinblick für OER benannt. Wenn man nicht die längeren Ausführungen dieses Artikels lesen möchte, da diese auch in einem theologischen Diskurs stattfinden, findet im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse:
- Im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog ist vor allem die Bewertung des Gesetzes sowie die christliche Deutung der hebräischen Bibel problematisch. Denn das Gesetz wird als eine Last und nicht als eine Gnade dargestellt. Zudem wird die hebräische Bibel konsequent von Jesus Christus her gedeutet. Dies führt zu einer falschen Gegenüberstellung der hebräischen Bibel mit dem christlichen Neuen Testament.
- Die stereotype Darstellung der Geschlechter zeigt sich darin, dass Frauen, bzw. weiblich zu lesende Tiere, entweder als Verführerin oder als sorgende Mütter abgebildet wurden. Während die Männer meist muskulös, groß und kämpferisch illustriert wurden. Zudem wurden auch wichtige weibliche Figuren aus der hebräischen Bibel gar nicht erwähnt.
- Gewalt wird in "Der Löwe von Juda" durchgehend als etwas Heroisches dargestellt. Die guten Männer Gottes kämpfen kriegerisch gegen die Feinde der Hebräer bzw. Gott. Dabei wird die kritische Auseinandersetzung von Gewalt in der hebräischen Bibel nicht erwähnt.
Dieser Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten problematischen Passagen und zieht im Anschluss ein Resümee. Die Ausführungen werden zudem in den Kontext von Chancen in Hinblick für OER gestellt. Die folgende, in den theologischen Diskurs gestellte Erörterung bezieht sich im Wesentlichen auf diese Kernkritikpunkte:
- Im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog ist vor allem die Bewertung des Gesetzes sowie die christozentrischen Deutung der hebräischen Bibel problematisch. Das Gesetz wird an verschiedenen, unten genauer thematisierten, Stellen als eine Last und nicht als eine Gnade dargestellt. Zudem wird die hebräische Bibel konsequent von Jesus Christus her gedeutet. Dies führt zu einer falschen Gegenüberstellung der hebräischen Bibel mit dem christlichen Neuen Testament.
- Die stereotype Darstellung der Geschlechter zeigt sich darin, dass Frauen, bzw. weiblich zu lesende Tiere, entweder als Verführerin oder als sorgende Mütter abgebildet werden. Während die Männer meist muskulös, groß und kämpferisch illustriert sind. Relevante weibliche Figuren der hebräischen Bibel (z. B. Miriam) werden gar nicht erwähnt.
- Gewalt wird in „Der Löwe von Juda” durchgehend in einen heroischen Kontext gestellt. Die guten Männer Gottes kämpfen kriegerisch gegen die Feinde der Hebräer bzw. Gottes. Dabei wird die kritische Auseinandersetzung mit Gewalt innerhalb der hebräischen Bibel nicht erwähnt.
## Ein kurzes Vorwort
Zur Veröffentlichung von "Der Löwe von Juda" wurde auf der Instagramseite der Deutschen Bibelgesellschaft vom Programmleiter folgendes Statement abgegeben:
> »Mit der Löwe von Juda schaffen wir einen neuen Zugang: liebevoll illustriert, verständlich erzählt, einzigartig gestaltet und zugleich bibeltheologisch verantwortet. Die Tierfiguren sind dabei mehr als ein gestalterisches Mittel: Sie sind Brücken zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Bibel. Diese Darstellungen sind nicht willkürlich, sondern symbolisch aufgeladen und medienpädagogisch fundiert. Sie ermöglichen Kindern, sich mit den Figuren zu identifizieren, ohne durch kulturelle und soziale Merkmale ausgeschlossen zu werden.«
Dieses Zitat ist für die weiterführende Auseinandersetzung mit der Kinderbibel "Der Löwe von Juda" von besonderer Bedeutung, da bewusst Entscheidungen darüber getroffen wurden, welche Texte die Kinderbibel behandelt und welche nicht. Ebenso wurden Entscheidungen über das Aussehen der Tiere, ihre sprachliche Darstellung sowie über die Art der Illustration der Geschichten getroffen.
![Zitat auf Instagram](Loewe-von-Juda-04.png) <br>Screenshot von Instagram</br>
[Zum Instagram-Beitrag der Deutschen Bibelgesellschaft](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/)
## Das 'schwere' Gesetz
Zur Veröffentlichung von „Der Löwe von Juda” wurde auf der Instagramseite der Deutschen Bibelgesellschaft vom Programmleiter folgendes [Statement](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/)abgegeben:
> »Mit der Löwe von Juda schaffen wir einen neuen Zugang: liebevoll illustriert, verständlich erzählt, einzigartig gestaltet und zugleich bibeltheologisch verantwortet. Die Tierfiguren sind dabei mehr als ein gestalterisches Mittel: Sie sind Brücken zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Bibel. Diese Darstellungen sind nicht willkürlich, sondern symbolisch aufgeladen und medienpädagogisch fundiert. Sie ermöglichen Kindern, sich mit den Figuren zu identifizieren, ohne durch kulturelle und soziale Merkmale ausgeschlossen zu werden.«
Dieses Zitat ist für die weiterführende Auseinandersetzung mit der Kinderbibel „Der Löwe von Juda” von besonderer Bedeutung, da deutlich wird, inwiefern bewusste Entscheidungen darüber getroffen wurden, welche Texte die Kinderbibel behandelt und welche nicht. Ebenso wurden Darstellungen des Aussehens der Tiere, deren Sprache sowie der Art der Illustration der Geschichten bewusst gewählt
## Kritikpunkt 1: Das schwere Gesetz
Die erste *Problematik* im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog zeigt sich beispielhaft an den Zehn Geboten.
Zu sehen ist ein Bild auf dem ein [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), der Klippdachs, durch die Kinderbibel führt. Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf den die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Hierbei wird eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert übernommen. Diese Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber und zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei.
Zu sehen ist ein Bild auf dem ein [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), der Klippdachs, durch die Kinderbibel führt.Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Dies alleine, könnte zu der Interpretation führen, dass mit dem schwer die steinernen Tafeln gemeint sind. Jedoch sieht man innerhalb der Gesamten Kinderbibel Hinweise auf Christus (siehe den zweiten Teil dieses Kritikpunkts) und im Text wird das Wort Gesetz und nicht Tafeln gesagt. Durch verschiedene Bilder die das Kreuz beinhalten sowie die Aussage, dass Gesetz sei schwer, wird in eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert übernommen. Diese Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber und zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei.
> »Das Gesetz Gottes halten zu dürfen, das ist die Gnade der Erwählung, die das Judentum in seinen Festen feiert und die in das Leben der jüdischen Gemeinde ausstrahlt.« ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 63](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)).
Jedoch wird das Gesetz in diesem Beispiel nicht als Gnade, sondern im Bild als Last beschrieben. Somit wird der Sinn der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)).
Die zweite *Problematik* liegt in der Christianisierung der hebräischen Texte. Theologische Grundlagenwerke wie beispielsweise Härles *Dogmatik*, Leonhardts *Grundinformationen Dogmatik* sowie Joest und Lüpkes *Dogmatik I* weisen alle auf einen wichtigen Aspekt hin: **Die hebräische Bibel, Altes Testament, hat ihre Autorität in sich**.
<br>Jede Form der Gegenüberstellung der beiden biblischen Bücher oder auch christologische Deutungen der hebräischen Bibel sind konstruiert (Härle 2012, 124-127; Leonhardt 2009, 192; Joest & Lüpke, 71). Die Autoren des Neuen Testaments bauen zwar auf der hebräischen Bibel auf und deuten dies zum Teil auf Christus hin (Joest & Lüpke 2010, 67), in "Der Löwe von Juda" sieht man jedoch beim ersten [Pessach](https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach) ein Kreuz auf einer Tür gemalt, und somit wird das erste Pessach auf Christus hin gedeutet. Dabei wird die jüdische Tradition in ihrer Einzigartigkeit weder gesehen noch gewürdigt, sondern immer in einem bestimmten Heilsgeschehen als eine Vorstufe zum Christentum dargestellt. Im Neuen Testament selbst findet sich bereits die Spannung, dass die Texte der hebräischen Bibel unterschiedlich von den christlichen und jüdischen Gemeinden gedeutet wurden ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 68](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). In der Geschichte führte dieser Gedanke zur Substitutionsthese, also, dass der Bund Gottes mit Israels aufgehoben wurde und die Kirche den Platz des jüdischen Volkes eingenommen hat. Dieses theologische Bild hat seine Mitverantwortung an [Pogromen](https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559894/pogrom/) bis hin zur [Shoa](https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/shoah-holocaust-churban-was-ist-damit-gemeint) und wird explizit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vertreten ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 67f.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)):
Jedoch wird das Gesetz in diesem Beispiel nicht als Gnade, sondern im Bild als Last beschrieben. Somit wird durch die Akzentuierung der Zehn Gebote die Bedeutung der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)).
Die zweite *Problematik* liegt in der Christianisierung der hebräischen Texte. Theologische Grundlagenwerke wie beispielsweise Härles *Dogmatik*, Leonhardts *Grundinformationen Dogmatik* sowie Joest und Lüpkes *Dogmatik I* weisen alle auf einen wichtigen Aspekt hin: **Die hebräische Bibel, das Alte Testament, hat ihre Autorität in sich.**.
<br>Jede Form der Gegenüberstellung der beiden biblischen Bücher oder auch christologische Deutungen der hebräischen Bibel sind konstruiert (Härle 2012, 124-127; Leonhardt 2009, 192; Joest & Lüpke, 71). Die Autoren des Neuen Testaments bauen zwar auf der hebräischen Bibel auf und deuten dies zum Teil auf Christus hin (Joest & Lüpke 2010, 67), in „Der Löwe von Juda” sieht man jedoch beim ersten [Pessach](https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach) ein Kreuz auf einer Tür gemalt. Auch in der Geschichte, in der Abraham sein Sohn Isaak opfern soll, wird Isaaks Schatten am Boden als Kreuz gezeichnet. Innerhalb der hebräischen Bibel hat dieses Kreuz noch keine Bedeutung, außer es wird implizit mitgelesen, somit werden die Geschichten aus ihrem Ursprünglichen Kontext beispielsweise das erste Pessach auf Christus hin gedeutet. Dabei wird die jüdische Tradition in ihrer Einzigartigkeit weder gesehen noch gewürdigt, sondern immer in einem bestimmten Heilsgeschehen als eine Vorstufe zum Christentum dargestellt. Im Neuen Testament selbst findet sich bereits die Spannung, dass die Texte der hebräischen Bibel unterschiedlich von den christlichen und jüdischen Gemeinden gedeutet wurden ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 68](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). In der Geschichte führte dieser Gedanke zur Substitutionsthese, also, dass der Bund Gottes mit Israels aufgehoben wurde und die Kirche den Platz des jüdischen Volkes eingenommen hat. Dieses theologische Bild hat seine Mitverantwortung an [Pogromen](https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559894/pogrom/) bis hin zur [Shoa](https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/shoah-holocaust-churban-was-ist-damit-gemeint) und wird explizit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vertreten ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 67f.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)):
<br>Das Herabwürdigen der Gesetze als „schwer" und das gemalte Kreuz beim ersten Pessach als implizite Vorbereitung auf einen Erlöser, der in Jesus Christus erscheinen wird (Löwe von Juda) ist eine falsche Gegenüberstellung, welche aus einer antijüdischen Auslegungstradition stammt ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 70ff.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)).
## Die weiblichen Frauen und die männlichen Männer
## Kritikpunkt 2: Die weiblichen Frauen und die männlichen Männer
Neben der Problematik des Bezugs von jüdischer Tradition und christlicher Interpretation ist die Darstellung von *stereotypen Geschlechterrollen* vor allem in den Hauptcharakteren zu sehen. Diese repräsentieren ein Idealbild. Im Kontext von Repräsentation stellt sich dabei die Frage, „wer spricht wie, wo und wann für wen?“ ([Winkler 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164615)).
Zunächst ist festzuhalten, dass innerhalb dieser Kinderbibel vier weibliche biblische Figuren bildlich dargestellt werden: [Eva](https://www.bibelkommentare.de/lexikon/1393/eva), [Sara](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/sarai-sara), [Potifars Frau](https://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_und_Zulaicha) und die [Tochter des Pharaos](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/tochter-pharaos). Zwar nehmen Männer in den biblischen Texten insgesamt eine zentrale Rolle ein, dennoch ist von Bedeutung, wie weibliche biblische Figuren dargestellt werden oder an welchen Stellen sie fehlen. Auffällig ist insbesondere das Fehlen der Figuren Lea und Mirjam. Lea, die erste Frau Jakobs, wird damit angedeutet, dass Jakob Rahel nur durch eine List später heiraten konnte. Somit wird der tiefere Zusammenhang, warum Jakob seinen Sohn Josef mehr liebte als seine anderen Kinder, ausgeblendet ([Lux 2013](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/josef-josefsgeschichte)). Auch die Schwester von Mose Mirjam, deren Lobgesang für die Exodusgeschichte von Bedeutung ist, kommt nicht vor.
@ -108,7 +113,7 @@ Auf einer Seite, die die Folgen der Sünde thematisiert und dabei offenbar die E
Männer werden als muskulös und körperlich stark sowie recht groß dargestellt. Hierbei bildet der junge Josef eine Ausnahme, der jedoch im Laufe der Geschichte an Kraft zunimmt. Noah, der als Biber dargestellt wird, erscheint derart muskulös, dass er gegen Schauspieler Jason Momoa beim Armdrücken bestehen könnte. Mose, als Nilpferd visualisiert, tritt dem Pharao aggressiv entgegen und fordert lautstark die Freilassung seines Volkes, wodurch das biblische Motiv der „schweren Zunge“ weitgehend entfällt. Josua, als bunter Wolf, und der kanaanäische Hund Kaleb kämpfen sich wie die Marvel-Avengers durch Horden von Feinden und Monstern, die ihnen keinerlei ernsthafte Bedrohung darstellen.
Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden oder an John Wayne als an die Urväter in der Bibel.
## Gewalt
## Kritikpunkt 3: Gewalt
![Männliche Charaktere](Loewe-von-Juda-03.png) <br>Screenshot von Instagram</br>