From 4699bde376f2094f85d5e9af887c7341befaba30 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: mayflo Date: Wed, 10 Dec 2025 13:31:32 +0000 Subject: [PATCH] Website/content/posts/2025-12-10-Wie-gehen-Lehrpersonen-mit-OER-um/index.md aktualisiert MIME-Version: 1.0 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8 Content-Transfer-Encoding: 8bit Einige kleine Änderungen sprachlicher Natur noch vorgenommen. --- .../2025-12-10-Wie-gehen-Lehrpersonen-mit-OER-um/index.md | 8 +++----- 1 file changed, 3 insertions(+), 5 deletions(-) diff --git a/Website/content/posts/2025-12-10-Wie-gehen-Lehrpersonen-mit-OER-um/index.md b/Website/content/posts/2025-12-10-Wie-gehen-Lehrpersonen-mit-OER-um/index.md index b09a139..665488e 100644 --- a/Website/content/posts/2025-12-10-Wie-gehen-Lehrpersonen-mit-OER-um/index.md +++ b/Website/content/posts/2025-12-10-Wie-gehen-Lehrpersonen-mit-OER-um/index.md @@ -89,15 +89,14 @@ Darüber hinaus mangelt es weitestgehend noch immer an einer systematischen inst ## Von der Ressource zur offenen Praxis -OER entfalten ihr transformatives Potenzial erst, wenn sie nicht lediglich als konsumierbare Materialien verstanden, sondern in *offene Bildungspraktiken*, sog. *Open Educational Practices* (OEP) eingebettet werden. Damit sind z.B. Prozesse der Adaption, Weiterentwicklung, Veröffentlichung und kooperativen Gestaltung gemeint. Die Studien von [Buntins et al. (2024)](https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2024.01.10.X) und [Admiraal (2022)](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub) zeigen jedoch, dass Lehrkräfte OER bislang, wenn sie diese überhaupt nutzen, überwiegend adaptieren oder rezipieren, während eigenständige Produktion und kollaborative Entwicklung marginal bleiben. Insbesondere das Teilen erfolgt meist innerhalb vertrauter schulischer Netzwerke, während öffentliche Plattformen (aufgrund fehlender rechtlicher Kenntnisse) nur selten genutzt werden. +OER entfalten ihr transformatives Potenzial erst, wenn sie nicht lediglich als konsumierbare Materialien verstanden, sondern in *offene Bildungspraktiken*, sog. *Open Educational Practices* (OEP), eingebettet werden. Damit sind z.B. Prozesse der Adaption, Weiterentwicklung, Veröffentlichung und kooperativen Gestaltung gemeint. Die Studien von [Buntins et al. (2024)](https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2024.01.10.X) und [Admiraal (2022)](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub) zeigen jedoch, dass Lehrkräfte OER bislang, wenn sie diese überhaupt nutzen, überwiegend adaptieren oder rezipieren, während eigenständige Produktion und kollaborative Entwicklung marginal bleiben. Insbesondere das Teilen erfolgt meist innerhalb vertrauter schulischer Netzwerke, während öffentliche Plattformen (aufgrund fehlender rechtlicher Kenntnisse) nur selten genutzt werden. Gerade hierin liegt jedoch eine Chance. Werden Lehrkräfte in offenen Praktiken unterstützt, z.B. durch rechtliche Orientierung, niedrigschwellige technische Lösungen und kollaborative Formate, können OER zu *Motoren einer innovationsorientierten Bildungskultur* werden. [Baas et al. (2022)](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub) betonen, dass kollaborative Prozesse nicht nur Materialien verbessern, sondern auch Perspektivenvielfalt integrieren und die gemeinsame Aushandlung von Qualitätsmaßstäben fördern. Dies verändert zugleich die professionelle Selbstwahrnehmung von Lehrkräften, von Materialnutzenden hin zu *Ko-Produzent:innen und Qualitätsgestalter:innen*. ## Offenheit als Kulturwandel: Religionspädagogische Perspektiven -Warum kann sich eine Auseinandersetzung mit OER - trotz der aufgezeigten Hindernisse - besonders für Lehrende lohnen? -Gerade in der *Religionspädagogik* bieten OER Chancen, die den zusätzlichen Aufwand ihrer Erstellung für die Lehrpraxis rechtfertigen. Denn sie eröffnen didaktische und strukturelle Handlungsräume, die über traditionelle Materialien hinausgehen und für die religionspädagogische Arbeit gewinnbringend sein können. Zum Beispiel: +Warum kann sich eine Auseinandersetzung mit OER - trotz der aufgezeigten Hindernisse - besonders für Lehrende lohnen? Was rechtfertigt den zusätzlichen Aufwand ihrer Erstellung für die Lehrpraxis? Aus *religionspädagogischer Sicht* bieten OER Chancen auf unterschiedlichen Ebenen. Sie eröffnen sowohl didaktische als auch strukturelle Handlungsräume, die über traditionelle Materialien hinausgehen und für die religionspädagogische Arbeit gewinnbringend sein können. Zum Beispiel: 1. **Kontextualisierte Materialien**: OER können passgenau auf die jeweilige Zielgruppe, den religiös pluralen Kontext und spezifische Lernbedarfe für schulische, außerschulische oder hochschulische Bildung zugeschnitten werden. 2. **Kollaborative Entwicklung**: Offene Plattformen wie das [relilab](https://relilab.org) ermöglichen die gemeinschaftliche Erstellung und Weiterentwicklung religionspädagogischer Materialien über Institutions- und Konfessionsgrenzen hinweg. Hier stehen niedrigschwellige Räume bereit, in denen Bildungsmaterialien ökumenisch und interreligiös entwickelt und im Austausch stetig verbessert werden können. @@ -105,8 +104,7 @@ Gerade in der *Religionspädagogik* bieten OER Chancen, die den zusätzlichen Au 4. **Machtsensible Gestaltung**: Das kollaborative Erstellen von OER eröffnet vielfältigen Stimmen Raum und trägt dazu bei, unterschiedliche Perspektiven auf einen religiösen Lerngegenstand sichtbar zu machen. Dies lässt sich fruchtbar mit ideologiekritischer Religionspädagogik verbinden, die Vielfalt ernst nimmt, Machtstrukturen kritisch reflektiert und religiöse Bildung als bewusst gestalteten Reflexionsprozess versteht. Offene Bildungspraktiken unterstützen Lernende dabei, Materialien kritisch zu hinterfragen und eigene, machtsensible Bildungsmaterialien einzubringen. 5. **Aktualität**: Durch ihre Offenheit lassen sich OER fortlaufend an neue Kontexte anpassen. Dies umfasst sowohl veränderte bildungstheoretische Ansätze und länderspezifische Lehrpläne als auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und kirchenpolitische Fragestellungen. So bleiben die Materialien relevant und anschlussfähig an gegenwärtige Diskurse. -Eine nachhaltige Integration von offenen Bildungspraktiken in die religionspädagogische Landschaft erfordert einen Paradigmenwechsel. Offenheit ist eine *Haltung*, die z.B. in Workshops und Fortbildungen erlernt und eingeübt werden kann. -In diesem Sinn ist *open* keine rein technische oder rechtliche Kategorie, sondern eine *pädagogische Haltung* und damit ein Bekenntnis zu einer Bildungskultur, die Teilhabe nicht nur ermöglicht, sondern als grundlegendes Prinzip begreift. +Eine nachhaltige Integration von offenen Bildungspraktiken in die religionspädagogische Landschaft erfordert einen Paradigmenwechsel. Offenheit ist eine *Haltung*, die z.B. in Workshops und Fortbildungen erlernt und eingeübt werden kann. In diesem Sinn ist *open* keine rein technische oder rechtliche Kategorie, sondern eine *pädagogische Haltung* und damit ein Bekenntnis zu einer Bildungskultur, die Teilhabe nicht nur ermöglicht, sondern als grundlegendes Prinzip begreift. Besonders in der Religionspädagogik knüpft diese Offenheit an das christliche Bildungsverständnis an. Wissen ist kein zu hütender Schatz, den man verbergen sollte, sondern etwas, das „überfließend“ geteilt werden darf, um andere zu unterstützen und in ihrer Entwicklung zu fördern. Ein langfristiges Ziel in Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten muss es also sein, Lehrende darin zu unterstützen, offene Praktiken als Bestandteil ihrer Lehrpraxis und ihres Bildungsauftrags zu gestalten.