From 4f31125277264920cbdf583717a442c861809696 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: phillipangelina Date: Fri, 23 Jan 2026 10:29:02 +0000 Subject: [PATCH] Verbesserung des Textes und inhaltliche Gewichtsverschiebung --- .../posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md | 45 ++++++++++--------- 1 file changed, 23 insertions(+), 22 deletions(-) diff --git a/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md b/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md index ebb21d5..157dc32 100644 --- a/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md +++ b/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md @@ -58,7 +58,7 @@ tags: - Bibel --- -# Wenn der Löwe Schwierigkeiten bereitet +# Wenn der Löwe ruft und die Communities antworten ![Ein Biber, ein Löwe und ein Nilpferd im Stile der Charaktere aus der Kinderbibel der Löwe von Juda KI generiert](Gemini_Generated_Image_k0cbmok0cbmok0cb.png)
*Bildquelle: Gemini*
@@ -68,13 +68,15 @@ Der beschriebene Fall betrifft das Werk *„Der Löwe von Juda“*, das im Dezem > »Bestimmte Passagen zeigten sich als problematisch im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog. Dazu kam Kritik an der stereotypen Darstellung von Geschlechterrollen und der Visualisierung von Gewalt.« -Dieser Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten problematischen Passagen und zieht im Anschluss ein Resümee. Die Ausführungen werden zudem in den Kontext von Chancen in Hinblick für OER gestellt. Die folgende, in den theologischen Diskurs gestellte Erörterung bezieht sich im Wesentlichen auf diese Kernkritikpunkte: +Dieser Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten problematischen Passagen und zieht im Anschluss ein Resümee. Die Ausführungen werden zudem in den Kontext von Chancen in Hinblick für OER gestellt. Grundsätzlich zeigt der Vorfall, dass Kritik von Individuen, aus der Wissenschaft und aus den Communities produktiv angenommen werden kann. Denn durch Kommentare, Anregungen und Widerspruch ist man überhaupt zu diesem Schritt gekommen. Diesen möchte ich auch nicht als ein Einknicken aufgrund von Kritik interpretieren, sondern als das Ernstnehmen von berechtigter Kritik sowie die Bereitschaft aus fehlern zu lernen. -- Im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog ist vor allem die Bewertung des Gesetzes sowie die christozentrischen Deutung der hebräischen Bibel problematisch. Das Gesetz wird an verschiedenen, unten genauer thematisierten, Stellen als eine Last und nicht als eine Gnade dargestellt. Zudem wird die hebräische Bibel konsequent von Jesus Christus her gedeutet. Dies führt zu einer falschen Gegenüberstellung der hebräischen Bibel mit dem christlichen Neuen Testament. +Die folgende, in den theologischen Diskurs gestellte Erörterung bezieht sich im Wesentlichen auf diese Kernkritikpunkte: + +- Im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog ist vor allem die Bewertung des Gesetzes sowie die christozentrischen Deutung der hebräischen Bibel problematisch. Das Gesetz wird an einer Markanten, unten genauer thematisierten, Stelle als eine Last und nicht als eine Gnade dargestellt. Zudem wird die hebräische Bibel konsequent von Jesus Christus her gedeutet. Dies führt zu einer falschen Gegenüberstellung der hebräischen Bibel mit dem christlichen Neuen Testament. - Die stereotype Darstellung der Geschlechter zeigt sich darin, dass Frauen, bzw. weiblich zu lesende Tiere, entweder als Verführerin oder als sorgende Mütter abgebildet werden. Während die Männer meist muskulös, groß und kämpferisch illustriert sind. Relevante weibliche Figuren der hebräischen Bibel (z. B. Miriam) werden gar nicht erwähnt. -- Gewalt wird in „Der Löwe von Juda” durchgehend in einen heroischen Kontext gestellt. Die ‚guten‘ Männer Gottes kämpfen kriegerisch gegen die Feinde der Hebräer bzw. Gottes. Dabei wird die kritische Auseinandersetzung mit Gewalt innerhalb der hebräischen Bibel nicht erwähnt. +- Gewalt wird in „der Löwe von Juda” durchgehend in einen heroischen Kontext gestellt. Die ‚guten‘ Männer Gottes kämpfen kriegerisch gegen die Feinde der Hebräer bzw. Gottes. Dabei wird die kritische Auseinandersetzung mit Gewalt innerhalb der hebräischen Bibel nicht erwähnt. ## Ein kurzes Vorwort @@ -86,18 +88,18 @@ Zur Veröffentlichung von „Der Löwe von Juda” wurde auf der Instagramseite > »Mit der Löwe von Juda schaffen wir einen neuen Zugang: liebevoll illustriert, verständlich erzählt, einzigartig gestaltet und zugleich bibeltheologisch verantwortet. Die Tierfiguren sind dabei mehr als ein gestalterisches Mittel: Sie sind Brücken zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Bibel. Diese Darstellungen sind nicht willkürlich, sondern symbolisch aufgeladen und medienpädagogisch fundiert. Sie ermöglichen Kindern, sich mit den Figuren zu identifizieren, ohne durch kulturelle und soziale Merkmale ausgeschlossen zu werden.« -Dieses Zitat ist für die weiterführende Auseinandersetzung mit der Kinderbibel „Der Löwe von Juda” von besonderer Bedeutung, da deutlich wird, inwiefern bewusste Entscheidungen darüber getroffen wurden, welche Texte die Kinderbibel behandelt und welche nicht. Ebenso wurden Darstellungen des Aussehens der Tiere, deren Sprache sowie der Art der Illustration der Geschichten bewusst gewählt +Dieses Zitat ist für die weiterführende Auseinandersetzung mit der Kinderbibel „der Löwe von Juda” von besonderer Bedeutung, da in ihm erwähnt wird, dass die Illustrationen sowie die Texte aus einem bewussten Deliberations Prozess entstanden sind. Entscheidungen wurden darüber getroffen, welche Texte die Kinderbibel behandelt und welche nicht. Ebenso wurden Darstellungen des Aussehens der Tiere, deren Sprache sowie der Art der Illustration der Geschichten bewusst gewählt. An diesem Maßstab orientiert sich auch die folgende inhaltliche Auseinandersetzung. ## Kritikpunkt 1: Das ‘schwere’ Gesetz Die erste *Problematik* im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog zeigt sich beispielhaft an den Zehn Geboten. -Zu sehen ist ein Bild auf dem ein [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), der Klippdachs, durch die Kinderbibel führt.Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Dies alleine, könnte zu der Interpretation führen, dass mit dem ‚schwer‘ die steinernen Tafeln gemeint sind. Jedoch sieht man innerhalb der Gesamten Kinderbibel Hinweise auf Christus (siehe den zweiten Teil dieses Kritikpunkts) und im Text wird das Wort Gesetz und nicht Tafeln gesagt. Durch verschiedene Bilder die das Kreuz beinhalten sowie die Aussage, dass Gesetz sei schwer, wird in eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert übernommen. Diese Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber und zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei. +Zu sehen ist ein Bild auf dem ein [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), der Klippdachs, der durch die Kinderbibel führt. Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Dies alleine, könnte zu der Interpretation führen, dass mit dem ‚schwer‘ die steinernen Tafeln gemeint sind. Obwohl die Illustration die Tafeln im Vergleich zu Schafan sehr groß darstellen, wird in der Sprechblase das Wort **Gesetz** und nicht **Tafeln** verwendet. In der biblischen Erzählung von dem Goldenen Kalb hielt Mose die zwei steindernden Tafeln in einer Hand als er zum Volk kam ([Exodus 32](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.32)). Die Bildsprache sowie die Sprechblase liefern somit eine Interpretation, welche über die schwere der Tafeln hinaus geht. Zudem lassen sich innerhalb der Gesamten Kinderbibel Hinweise auf Christus (siehe den zweiten Teil dieses Kritikpunkts), in Schrift und Bild, finden. Durch verschiedene Bilder die das Kreuz beinhalten sowie die Aussage, dass Gesetz sei schwer, wird in eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert übernommen. Diese Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber und zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei. > »Das Gesetz Gottes halten zu dürfen, das ist die Gnade der Erwählung, die das Judentum in seinen Festen feiert und die in das Leben der jüdischen Gemeinde ausstrahlt.« ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 63](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). -Jedoch wird das Gesetz in diesem Beispiel nicht als Gnade, sondern im Bild als Last beschrieben. Somit wird durch die Akzentuierung der Zehn Gebote die Bedeutung der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). +Jedoch wird das Gesetz in diesem Beispiel nicht als Gnade, sondern im Bild als Last beschrieben. Zugleich wird durch die Akzentuierung der Zehn Gebote die Bedeutung der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Die zweite *Problematik* liegt in der Christianisierung der hebräischen Texte. Theologische Grundlagenwerke wie beispielsweise Härles *Dogmatik*, Leonhardts *Grundinformationen Dogmatik* sowie Joest und Lüpkes *Dogmatik I* weisen alle auf einen wichtigen Aspekt hin: **Die hebräische Bibel, das Alte Testament, hat ihre Autorität in sich.**. -
Jede Form der Gegenüberstellung der beiden biblischen Bücher oder auch christologische Deutungen der hebräischen Bibel sind konstruiert (Härle 2012, 124-127; Leonhardt 2009, 192; Joest & Lüpke, 71). Die Autoren des Neuen Testaments bauen zwar auf der hebräischen Bibel auf und deuten dies zum Teil auf Christus hin (Joest & Lüpke 2010, 67), in „Der Löwe von Juda” sieht man jedoch beim ersten [Pessach](https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach) ein Kreuz auf einer Tür gemalt. Auch in der Geschichte, in der Abraham sein Sohn Isaak opfern soll, wird Isaaks Schatten am Boden als Kreuz gezeichnet. Innerhalb der hebräischen Bibel hat dieses Kreuz noch keine Bedeutung, außer es wird implizit mitgelesen, somit werden die Geschichten aus ihrem Ursprünglichen Kontext beispielsweise das erste Pessach auf Christus hin gedeutet. Dabei wird die jüdische Tradition in ihrer Einzigartigkeit weder gesehen noch gewürdigt, sondern immer in einem bestimmten Heilsgeschehen als eine Vorstufe zum Christentum dargestellt. Im Neuen Testament selbst findet sich bereits die Spannung, dass die Texte der hebräischen Bibel unterschiedlich von den christlichen und jüdischen Gemeinden gedeutet wurden ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 68](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). In der Geschichte führte dieser Gedanke zur Substitutionsthese, also, dass der Bund Gottes mit Israels aufgehoben wurde und die Kirche den Platz des jüdischen Volkes eingenommen hat. Dieses theologische Bild hat seine Mitverantwortung an [Pogromen](https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559894/pogrom/) bis hin zur [Shoa](https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/shoah-holocaust-churban-was-ist-damit-gemeint) und wird explizit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vertreten ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 67f.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)): -
Das Herabwürdigen der Gesetze als „schwer" und das gemalte Kreuz beim ersten Pessach – als implizite Vorbereitung auf einen Erlöser, der in Jesus Christus erscheinen wird (Löwe von Juda) – ist eine falsche Gegenüberstellung, welche aus einer antijüdischen Auslegungstradition stammt ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 70ff.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)). +
Jede Form der Gegenüberstellung der beiden biblischen Bücher oder auch christologische Deutungen der hebräischen Bibel sind konstruiert (Härle 2012, 124-127; Leonhardt 2009, 192; Joest & Lüpke, 71). Die Autoren des Neuen Testaments bauen zwar auf der hebräischen Bibel auf und deuten dies zum Teil auf Christus hin (Joest & Lüpke 2010, 67). In „der Löwe von Juda” sieht man jedoch beim ersten [Pessach](https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach) ein Kreuz auf einer Tür gemalt. Auch in der Geschichte, in der Abraham sein Sohn Isaak opfern soll, wird Isaaks Schatten am Boden als Kreuz gezeichnet. Innerhalb der hebräischen Bibel hat dieses Kreuz noch keine Bedeutung, außer es wird implizit mitgelesen, somit werden die Geschichten aus ihrem Ursprünglichen Kontext beispielsweise das erste Pessach auf Christus hin gedeutet. Dabei wird die jüdische Tradition in ihrer Einzigartigkeit weder gesehen noch gewürdigt, sondern immer in einem bestimmten Heilsgeschehen als eine Vorstufe zum Christentum dargestellt. Im Neuen Testament selbst findet sich bereits die Spannung, dass die Texte der hebräischen Bibel unterschiedlich von den christlichen und jüdischen Gemeinden gedeutet wurden ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 68](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). In der Religionsgeschichte führte dieser Gedanke zur Substitutionsthese, also, dass der Bund Gottes mit Israels aufgehoben wurde und die Kirche den Platz des jüdischen Volkes eingenommen hat. Dieses theologische Bild hat seine Mitverantwortung an [Pogromen](https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559894/pogrom/) bis hin zur [Shoa](https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/shoah-holocaust-churban-was-ist-damit-gemeint) und wird explizit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vertreten ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 67f.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)): +
Das Herabwürdigen der Gesetze als „schwer" und das gemalte Kreuz beim ersten Pessach – als implizite Vorbereitung auf einen Erlöser, der in Jesus Christus erscheinen wird (in „der Löwe von Juda”) – ist eine falsche Gegenüberstellung, welche aus einer antijüdischen Auslegungstradition stammt ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 70ff.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)). ## Kritikpunkt 2: Die weiblichen Frauen und die männlichen Männer @@ -107,10 +109,10 @@ Die dargestellten Frauen sind in zwei Stereotype abgebildet: **Mutter oder Verf Abrahams Frau Sara sowie die Tochter des Pharaos, die Mose aus dem Korb rettet, werden als fürsorgliche, mütterliche Figuren dargestellt. Demgegenüber erscheint die Frau des Potifar in einer lasziven Körperhaltung und wird mit den Worten „Komm her zu mir, Josef“ wiedergegeben. Diese Gegenüberstellung verstärkt eine dichotome Darstellung weiblicher Figuren. -Auf einer Seite, die die Folgen der Sünde thematisiert und dabei offenbar die Erbsündenlehre voraussetzt, werden verschiedene Tiere gezeigt, die sündiges Verhalten verkörpern. Auffällig ist, dass lediglich ein weiblich konnotiertes Tier dargestellt wird, das in einer lasziven Pose erscheint. Diese Darstellung ruft kulturell geprägte Assoziationen hervor, in denen Sexualität mit Sünde gleichgesetzt wird. Auf diese Weise vermittelt die Kinderbibel eine sexualmoralische Vorstellung, in der Sexualität überwiegend negativ konnotiert ist ([Schreiber 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-105145)). -
Es gibt anscheinend in der Welt von *Der Löwe von Juda* nur zwei Arten von Weiblichkeit. Diese verkürzte Sicht von Frauen reproduziert patriarchale Strukturen, welche unterdrücken, und nimmt wichtige Impulse aus der feministischen Theologie nicht wahr ([Jäger 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-114126)). Zugleich widerspricht diese verkürzte Darstellung einigen Geschichten von Frauen aus dem [Pentateuch](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/pentateuch) vehement. +Auf einer Seite, die die Folgen der Sünde thematisiert und dabei offenbar die Erbsündenlehre voraussetzt, werden verschiedene Tiere gezeigt, die sündiges Verhalten verkörpern. Auffällig ist, dass lediglich ein weiblich konnotiertes Tier dargestellt ist, das in einer lasziven Pose erscheint. Diese Darstellung ruft kulturell geprägte Assoziationen hervor, in denen Sexualität mit Sünde gleichgesetzt wird. Auf diese Weise vermittelt die Kinderbibel eine sexualmoralische Vorstellung, in der Sexualität überwiegend negativ konnotiert ist ([Schreiber 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-105145)). +
Es gibt anscheinend in der Welt von „der Löwe von Juda” nur zwei Arten von Weiblichkeit. Diese verkürzte Sicht von Frauen reproduziert patriarchale Strukturen, welche unterdrücken, und nimmt wichtige Impulse aus der feministischen Theologie nicht wahr ([Jäger 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-114126)). Zugleich widerspricht diese verkürzte Darstellung einigen Geschichten von Frauen aus den ersten Büchern der hebräischen Bibel, dem [Pentateuch](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/pentateuch), vehement. -Männer werden als muskulös und körperlich stark sowie recht groß dargestellt. Hierbei bildet der junge Josef eine Ausnahme, der jedoch im Laufe der Geschichte an Kraft zunimmt. Noah, der als Biber dargestellt wird, erscheint derart muskulös, dass er gegen Schauspieler Jason Momoa beim Armdrücken bestehen könnte. Mose, als Nilpferd visualisiert, tritt dem Pharao aggressiv entgegen und fordert lautstark die Freilassung seines Volkes, wodurch das biblische Motiv der „schweren Zunge“ weitgehend entfällt. Josua, als bunter Wolf, und der kanaanäische Hund Kaleb kämpfen sich wie die Marvel-Avengers durch Horden von Feinden und Monstern, die ihnen keinerlei ernsthafte Bedrohung darstellen. +Männer wiederrum werden groß, muskulös und körperlich stark dargestellt. Hierbei bildet der junge Josef eine Ausnahme, der jedoch im Laufe der Geschichte an Kraft zunimmt. Noah, der als Biber dargestellt wird, erscheint derart muskulös, dass er gegen Schauspieler Jason Momoa beim Armdrücken bestehen könnte. Mose, als Nilpferd visualisiert, tritt dem Pharao aggressiv entgegen und fordert lautstark die Freilassung seines Volkes, wodurch das biblische Motiv der „schweren Zunge“ ([Exodus 4, 10](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.4)) weitgehend entfällt. Josua, als bunter Wolf, und der kanaanäische Hund Kaleb kämpfen sich wie die Marvel-Avengers durch Horden von Feinden und Monstern, die ihnen keinerlei ernsthafte Bedrohung darstellen. Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden oder an John Wayne als an die Urväter in der Bibel. ## Kritikpunkt 3: Gewalt @@ -121,15 +123,15 @@ Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden oder an John Wayne a Diese Superheldenlogik führt zum dritten kritischen Punkt: **die unkritische Darstellung von Gewalt**. -Gewalt ist ein ambivalentes menschliches Verhalten, jeder Mensch steht in der Gefahr Gewalt auszuüben und ihr ausgeliefert zu sein ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Die hebräische Bibel enthält viele Geschichten, in denen Gewalt vorkommt; dabei wäre es jedoch falsch, daraus abzuleiten, dass jegliche Form von Gewalt gutgeheißen wird. Beispielsweise der Brudermord von Kain an Abel zeigt auf, welche zerstörerische Kraft in menschlicher Gewalt liegt ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Diese zu Beginn des Pentateuchs so wichtige Geschichte ist eine, die in "Der Löwe von Juda" nicht vorkommt. Dadurch werden jedwede Darstellungen von Gewalt in einen heroischen Kontext gesetzt, indem das Böse nur mit Gewalt zerstört werden kann. +Gewalt ist ein ambivalentes menschliches Verhalten, jeder Mensch steht in der Gefahr Gewalt auszuüben und ihr ausgeliefert zu sein ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Die hebräische Bibel enthält viele Geschichten, in denen Gewalt vorkommt; dabei wäre es jedoch falsch, daraus abzuleiten, dass jegliche Form von Gewalt gutgeheißen wird. Beispielsweise der Brudermord von Kain an Abel zeigt auf, welche zerstörerische Kraft in menschlicher Gewalt liegt ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Diese zu Beginn des Pentateuchs so wichtige Geschichte ist eine, die in „der Löwe von Juda” nicht vorkommt. Dadurch werden jedwede Darstellungen von Gewalt in einen heroischen Kontext gesetzt, indem das Böse nur mit Gewalt zerstört werden kann. -Die Darstellung von Josua und Kaleb und die Landeinnahme sprechen eine interessante Bildsprache: Meist werden, der bunte Wolf Josua und der kanaanäische Hund Kaleb im Kampf recht groß und heldenhaft gezeigt, in Posen, die Stärke und Souveränität vermitteln. Zudem scheinen sie nie die Fassung zu verlieren und können jede Anzahl an Gegner selbstständig besiegen. Somit wird in "Der Löwe von Juda" die Spannung von Gewalt und auch die Ambiguität, welche beispielsweise im Gesetzesbuch Deuteronomium ausgehandelt wird ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)), nicht reflektiert. Es muss dabei erwähnt werden, dass die Landeinnahme-Geschichte in der hebräischen Bibel sich von Gewaltgeschichten der altorientalischen Umwelt kaum unterscheidet ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Es werden jedoch die illegitimen Formen von Gewalt sowie ihre Auswirkungen für die Gemeinschaft nicht thematisiert. Dass Gewalt Opfer hervorbringt ([Gronover 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.200591)), wird vor allem in der Josua Erzählung nicht deutlich, denn die Feinde, werden unter anderem als Monster oder Dinosaurier, also als die Inkarnation des Bösen dargestellt. Die Feinde werden *enttierlicht*. +Die Darstellung von Josua und Kaleb und die Landeinnahme sprechen eine interessante Bildsprache: Meist werden, der bunte Wolf Josua und der kanaanäische Hund Kaleb im Kampf recht groß und heldenhaft gezeigt, in Posen, die Stärke und Souveränität vermitteln. Zudem scheinen sie nie die Fassung zu verlieren und können jede Anzahl an Gegner selbstständig besiegen. Somit wird in „der Löwe von Juda” die Spannung von Gewalt und ihre Ambiguität, welche beispielsweise im Gesetzesbuch Deuteronomium ausgehandelt wird ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)), nicht reflektiert. Es muss dabei erwähnt werden, dass die Landeinnahme-Geschichte in der hebräischen Bibel sich von Gewaltgeschichten der altorientalischen Umwelt kaum unterscheiden ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Es werden jedoch die illegitimen Formen von Gewalt sowie ihre Auswirkungen für die Gemeinschaft in der Kinderbibel nicht thematisiert. Dass Gewalt Opfer hervorbringt ([Gronover 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.200591)), wird vor allem in der Darstellung der Josua Erzählung nicht deutlich, denn die Feinde, werden unter anderem als Monster oder Dinosaurier, also als die Inkarnation des Bösen abgebildet. Die Feinde werden *enttierlicht*.
Der Gewaltverzicht Gottes in der Urgeschichte ([Theuer 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.400013)) kommt in der Geschichte der Vertreibung Adam und Evas aus dem Garten zwar vor, jedoch wird dies beiläufig erwähnt. In der Löwe von Juda findet keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt statt, gerade der innerbiblische Konflikt lädt religionspädagogisch dazu ein ([Theuer 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.400013)). ## Weitere theologische Schwierigkeiten -Ein weiteres Problem, welches in der Stellungnahme nur implizit in der Mitteilung erwähnt wird, ist, dass in "Der Löwe von Juda" **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden. +Ein weiteres Problem, welches in der Stellungnahme nur implizit in der Mitteilung erwähnt wird, ist, dass in „der Löwe von Juda” **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden. ### Dualistisches Weltbild @@ -148,20 +150,19 @@ Dies ist nicht nur ein weiterer Beleg von der Christianiserung der hebräischen Leider verfehlt "Der Löwe von Juda" aus den oben genannten Gründen das selbst gewählte Ziel der Deutschen Bibelgesellschaft: > »Als Deutsche Bibelgesellschaft ist es unser Ziel, Menschen eine Begegnung mit der Bibel zu ermöglichen, die theologisch verantwortet und dialogfähig ist.« -Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoch anzurechnen, dass kurz vor Weihnachten der Vertrieb dieser Kinderbibel eingestellt wurde. Am Beispiel von der Veröffentlichung und Depublizierung von *Der Löwe von Juda* kann man über Haltung reflektieren sowie über die Bewertung von Eingeständnissen. +Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoch anzurechnen, dass kurz vor Weihnachten der Vertrieb dieser Kinderbibel eingestellt wurde. Am Beispiel von der Veröffentlichung und Depublizierung von „der Löwe von Juda” kann man über Haltung reflektieren sowie über die Bewertung von Eingeständnissen. ### Haltung -Es ist nicht selbstverständlich, dass die Deutsche Bibelgesellschaft in dieser Weise mit der Kritik umgeht und an einem Prozess des Austausches mit ihren Kritiker:innen teilnimmt. Sie hätte auch einen anderen Weg einschlagen und auf den weiteren Verkauf der Kinderbibel beharren können. An der Kritik von verschiedenen Seiten zeigt sich aber, dass selbst Expert:innen in ihrer Einschätzung Fehler machen. Der Openness-Gedanke geht grundsätzlich davon aus, dass Material und Ressourcen nicht perfekt sind und ständiger Kommentierung und Weiterverarbeitung bedarf. Dabei wird die Hoffnung auf Schwarmintelligenz als redaktionelle Schleife gelegt. Openness ist eine Haltung ([Mößle & Gregorio, 2025](https://oer.community/open-ist-eine-haltung/)), welche in OER und OEP normativ gesetzt wird ([Interview mit Daniel Otto, 2025](https://oer.community/interview-daniel-otto/)). -
Gerade auf Seiten von Verlagen wird die Qualität von OER in Zweifel gezogen, da es dem Material an einer institutionalisierten Redaktion fehle. Mit diesen Gedanken wurden wir von FOERBICO bei der Erstellung der Qualitätskriterien konfrontiert. Es ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen verhandelt werden ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)). -
An diesem prominenten Beispiel wird ein Aspekt deutlich, der auch im schulischen Alltag von Lehrkräften regelmäßig diskutiert wird: *Nur weil es im Schulbuch steht, heißt es nicht, dass es gut ist*. Redaktionelle Prüfung ist wichtig, doch an den aufgelisteten Kritikpunkten in diesem Beispiel zeigt sich, dass jede lehrende Person selber Material prüfen sollte und dass die Redaktion durch Communities auch ein redaktioneller Weg sein kann. +Es ist nicht selbstverständlich, dass die Deutsche Bibelgesellschaft in dieser Weise mit der Kritik umgeht und an einem Prozess des Austausches mit ihren Kritiker:innen teilnimmt. Sie hätte auch einen anderen Weg einschlagen und auf den weiteren Verkauf der Kinderbibel beharren können. An der Kritik von verschiedenen Seiten zeigt sich aber, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit religiösen Texten ein komplexes Unterfangen ist. Hierzu kann OER aus zwei Perspektiven unterstützend sein. +Erstens der Openness-Gedanke. Dieser geht grundsätzlich davon aus, dass Material und Ressourcen nicht perfekt sind und ständiger Kommentierung und Weiterverarbeitung bedarf. Dabei wird die Hoffnung auf Schwarmintelligenz als redaktionelle Schleife gelegt. Openness ist eine Haltung ([Mößle & Gregorio, 2025](https://oer.community/open-ist-eine-haltung/)), welche in OER und OEP normativ gesetzt wird ([Interview mit Daniel Otto, 2025](https://oer.community/interview-daniel-otto/)). +
Die Qualitätssicherung findet bei OER nicht in klassisch einer institutionalisierten Redaktion statt, welche ihre Berechtigung hat. Sondern wird durch die Einladung zur Mitarbeit sowie eine Haltung der Openness ermöglicht. Zudem gibt es Ansätze um Qualität redaktionell zu sichern. Einen Baustein können beispielsweise die Qualitätskriterien, welche das FOERBICO Team erstellt hat, bilden. Die Komplexität der religiösen Bildung ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen explizit verhandelt wird ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)). +
Die zweite Perspektive bilden die Communties of Practice. Innerhalb von OER können diese Communities fest organisierte Gruppen sein, oder auch Individuen die sich mit ihrer Fachexpertise für eine gewisse Zeit zusammen tun und einbringen. In diesem Fall kam die kritik von interessierten Individuen auf Instagram ([siehe die Kommentare unter den Post](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/)), sie kam aber auch von Communities of Practice sowie der Wissenschaft. Aus unserer Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit Communities, kann man resümieren, dass in diesen der Gedanke vorherrscht: **Zusammen können wir es besser machen**. Diese Grundhaltung fordert einerseits die Bereitschaft Kritik nicht als etwas zerstörerisches wahrzunehmen, sondern als Hilfestellung. Es wäre wünschenswert, dass der Aufarbeitungsprozess der Deutschen Bibelgesellschaft, nicht nur intern, sondern mit Communities gemeinsam geschieht. Zusätzlich wäre eine Transparenz in der Aufarbeitung spannend. Es gibt im Fall „der Löwe von Juda” viele Aspekte die einzelnen Personen nicht nachvollziehbar erscheinen, diese könnten für Menschen einsichtig werden, damit ein Dialog und gemeinsames Lernen ermöglicht wird. ### Bewertung von Eingeständnissen -Es wäre naheliegend, die Depublizierung von Der Löwe von Juda zum Anlass zu nehmen, aus einer OER-Perspektive grundsätzlich Kritik am Verlagswesen zu üben. Eine solche pauschale Haltung widerspräche jedoch dem Openness-Gedanken. Die im vorliegenden Fall gemachten Fehler sind kritisch zu benennen; zugleich eröffnet sich die Möglichkeit, den Schritt der Deutschen Bibelgesellschaft als verantwortungsbewusstes Handeln anzuerkennen. Es war und ist bestimmt kein einfacher Prozess eine solche Entscheidung zu treffen. Es scheint, dass eine Haltung des Hörens und das Eingestehen von Fehlern dem winkenden ökonomischen Vorteil überwogen hat. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern erfordert Mut und Stärke. Zudem können wir dies auch als eine Lernmöglichkeit sehen. -
*Fehler* als eine Lernmöglichkeit zu sehen, ist ein Grundgedanke von OER und OEP. Vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert, dass fachliche Communities in den Aufarbeitungsprozess einbezogen werden und dieser transparent gestaltet wird. Auf diese Weise könnte ein gemeinsamer Lernprozess entstehen, von dem alle Beteiligten profitieren. +Es wäre naheliegend, die Depublizierung von Der Löwe von Juda zum Anlass zu nehmen, aus einer OER-Perspektive grundsätzlich Kritik am Verlagswesen zu üben. Eine solche pauschale Haltung widerspräche jedoch dem Openness-Gedanken. Die im vorliegenden Fall gemachten Fehler wurden kritisch benannt; zugleich wurde der Schritt der Deutschen Bibelgesellschaft als verantwortungsbewusstes Handeln anerkannt. Es war und ist bestimmt kein einfacher Prozess eine solche Entscheidung zu treffen. Meines Erachtnes nach scheint ist eine Haltung des Hörens und das Eingestehen von Fehlern kein Zeichen von Schwäche, sondern erfordert Mut und Stärke. Zudem können wir dies auch als eine Lernmöglichkeit sehen. *Fehler* als eine Lernmöglichkeit zu sehen, ist ein Grundgedanke von OER und OEP. - ## Literatur Angelina, Phillip, Buchwald-Chassée, Gina, Gregorio Rodrigo, Paula, Mößle, Laura & Ullmann, Corinna. 2025. Open Educational Resources in der Religionspädagogik erstellen: Rechtliche, technische, pädagogisch-didaktische und religionspädagogische Qualitätskriterien. FOERBICO-Handreichung. https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md