diff --git a/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md b/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md index c92ed40..113b446 100644 --- a/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md +++ b/Website/content/posts/2025-12-23-Loewe-Juda/index.md @@ -22,8 +22,6 @@ Dieses Zitat ist für die weiterführende Auseinandersetzung mit der Kinderbibel
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-{{< instagram DQB3hZZjKqV >}} - [Zum Instagram-Beitrag der Deutschen Bibelgesellschaft](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/) ## Das 'schwere' Gesetz @@ -62,32 +60,38 @@ Die Darstellung von Josua und Kaleb und die Landeinnahme sprechen eine interessa In der Löwe von Juda findet keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt statt, gerade der innerbiblische Konflikt lädt religionspädagogisch dazu ein ([Theuer 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.400013)). ## Weitere theologische Schwierigkeiten -Ein weiteres Problem welches in der Stellungnahme nur implinzit in der Mitteilung erwähnt wird, ist, dass in der Löwe von Juda **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden. + +Ein weiteres Problem, welches in der Stellungnahme nur implinzit in der Mitteilung erwähnt wird, ist, dass in "Der Löwe von Juda" **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden. ### Dualistisches Weltbild -Der Löwe von Juda ist von einem dualismus von Gut und Böse durchzogen. Die Schlange taucht an mehreren Stellen als die inkarnation des Bösen auf und wird mit dem Satan gleichgesetzt. Dies ist eine geniun christliche Interpretation. Dabei wird diese innerhalb der 2. Schöpfungsgeschichte nicht als böse, sondern als listig betitelt ([Gen. 3, 1](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.3)). Zudem werden die moralischen Grautöne welche in den biblischen Geschichten existieren, von einer klaren normativen Einteilung, welche Textfremd ist, überstrahlt. Beispielsweise, dass Abraham vor dem Pharao verheimlicht, dass Sara seine Frau sei ([Gen 12, 10-20](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.12)). Es ist selbstredend, dass bei einer Kinderbibel es zu einer didaktischen Reduktion kommen muss. Jedoch kann auch diese das einfache *gut* gegen *böse* Schema kindgerecht durchbrechen. + +Der Löwe von Juda ist von einem Dualismus von Gut und Böse durchzogen. Die Schlange taucht an mehreren Stellen als die Inkarnation des Bösen auf und wird mit dem Satan gleichgesetzt. Dies ist eine genuin christliche Interpretation. Dabei wird diese innerhalb der zweiten Schöpfungsgeschichte nicht als böse, sondern als listig betitelt ([Gen. 3, 1](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.3)). Zudem werden die moralischen Grautöne, welche in den biblischen Geschichten existieren, von einer klaren normativen Einteilung, welche textfremd ist, überstrahlt. Beispielsweise, dass Abraham vor dem Pharao verheimlicht, dass Sara seine Frau sei ([Gen 12, 10-20](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.12)). Es ist selbstredend, dass es bei einer Kinderbibel zu einer didaktischen Reduktion kommen muss. Jedoch kann auch diese das einfache *gut* gegen *böse* Schema kindgerecht durchbrechen. ### Gottesbild -Die verschiedenen Gottesbilder der hebräischen Bibel werden aufgegeben, für ein klares Gottesbild, der von Beginn einen Plan über das gesamte Weltgeschehen hat. -So heißt es in der Löwe von Juda, nach der Vertreibung aus dem Paradis: + +Die verschiedenen Gottesbilder der hebräischen Bibel werden aufgegeben für ein klares Gottesbild von einem Gott, der von Beginn einen Plan über das gesamte Weltgeschehen hat. +So heißt es in "Der Löwe von Juda", nach der Vertreibung aus dem Paradies: > »Doch Gott gab seine Geschöpfe nicht auf. Er hatte sie doch selbst geschaffen! Daher wollte er sie vor Sünde und Tod retten.« Dies ist nicht nur ein weiterer Beleg von der Christianiserung der hebräischen Bibel, sondern auch eine Reduktion des Gottesbildes. Das Gott beispielsweise Reue zeigt ([Gen. 6](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.6)) oder Menschen mit Gott diskutieren können ([Gen. 18, 16-33](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.18)). ## Resümee und Bedeutung für OER -Leider verfehlt der Löwe von Juda aus den oben genannten Gründen, das selbst gewählte Ziel der Deutschen Bibelgesellschaft: + +Leider verfehlt "Der Löwe von Juda" aus den oben genannten Gründen das selbst gewählte Ziel der Deutschen Bibelgesellschaft: > »Als Deutsche Bibelgesellschaft ist es unser Ziel, Menschen eine Begegnung mit der Bibel zu ermöglichen, die theologisch verantwortet und dialogfähig ist.« -Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk, ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoch anzurechnen, dass kurz vor Weihnachten, der Vertrieb dieser Kinderbibel eingestellt wurde. Am Beispiel von der Veröffentlichung und Depublizierung von *der Löwe von Juda* kann man über Haltung reflektieren sowie über die Bewertung von Eingeständnissen. +Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoch anzurechnen, dass kurz vor Weihnachten der Vertrieb dieser Kinderbibel eingestellt wurde. Am Beispiel von der Veröffentlichung und Depublizierung von *Der Löwe von Juda* kann man über Haltung reflektieren sowie über die Bewertung von Eingeständnissen. ### Haltung -Es ist nicht selbstverständlich, dass die Deutsche Bibelgesellschaft so mit der Kritik umgeht und an einem Prozess des Austausches mit ihren Kritiker:innen teilnimmt. Sie hätte auch eine anderen Wegeinschlagen können und auf den weiteren Verkauf der Kinderbibel beharren. Es zeigt sich aber, an der Kritik die wohl von verschiedenen Seiten kamen, dass selbst Expert:innen in ihrer Einschätzung fehler machen. Der Openness Gedanke geht grundsätzlich davon aus, dass Material und Resourcen nicht perfekt sind und ständiger Kommentierung und Weiterverarbeitung bedarf. Dabei wird die Hoffnung auf Schwarmintelligenz als redaktionelle Schleife gelegt. Openness ist eine Haltung ([Mößle & Gregorio, 2025](https://oer.community/open-ist-eine-haltung/)), welche in OER und OEP normativ gesetzt wird ([Interview mit Daniel Otto, 2025](https://oer.community/interview-daniel-otto/)). -
Gerade auf Seiten von Verlagen wird die Qualität von OER in Zweifel gezogen, da es dem Material an einer instituionalisierten Redaktion fehle. Mit diesen Gedanken wurden wir von FOERBICO bei der Erstellung der Qualtätskriterien konfrontiert. Es ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht Ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen verhandelt werden ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)). -
Es zeigt sich aber an diesem Prominenten Beispiel, etwas worüber Lehrkräfte im Lehrerzimmer gerne reden: *Nur weil es im Schulbuch ist, heißt es nicht das es gut ist*. Redaktionelle Prüfung ist wichtig, doch an den aufgelisteten Kritikpunkten in diesem Beispiel zeigt sich, dass jede Lehrende Person selber Material prüfen sollte und dass die Redaktion durch Communities auch ein redaktioneller Weg sein kann. + +Es ist nicht selbstverständlich, dass die Deutsche Bibelgesellschaft in dieser Weise mit der Kritik umgeht und an einem Prozess des Austausches mit ihren Kritiker:innen teilnimmt. Sie hätte auch eine anderen Weg einschlagen und auf den weiteren Verkauf der Kinderbibel beharren können. An der Kritik von verschiedenen Seiten zeigt sich aber, dass selbst Expert:innen in ihrer Einschätzung Fehler machen. Der Openness-Gedanke geht grundsätzlich davon aus, dass Material und Ressourcen nicht perfekt sind und ständiger Kommentierung und Weiterverarbeitung bedarf. Dabei wird die Hoffnung auf Schwarmintelligenz als redaktionelle Schleife gelegt. Openness ist eine Haltung ([Mößle & Gregorio, 2025](https://oer.community/open-ist-eine-haltung/)), welche in OER und OEP normativ gesetzt wird ([Interview mit Daniel Otto, 2025](https://oer.community/interview-daniel-otto/)). +
Gerade auf Seiten von Verlagen wird die Qualität von OER in Zweifel gezogen, da es dem Material an einer institutionalisierten Redaktion fehle. Mit diesen Gedanken wurden wir von FOERBICO bei der Erstellung der Qualitätskriterien konfrontiert. Es ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen verhandelt werden ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)). +
An diesem prominenten Beispiel wird ein Aspekt deutlich, der auch im schulischen Alltag von Lehrkräften regelmäßig diskutiert wird: *Nur weil es im Schulbuch steht, heißt es nicht, dass es gut ist*. Redaktionelle Prüfung ist wichtig, doch an den aufgelisteten Kritikpunkten in diesem Beispiel zeigt sich, dass jede lehrende Person selber Material prüfen sollte und dass die Redaktion durch Communities auch ein redaktioneller Weg sein kann. ### Bewertung von Eingeständnissen -Es wäre jetzt ein leichtes auf die Depublizierung von der Löwe von Juda zu zeigen und aus der OER Perspektive über das Verlagswesen herzuziehen. Dies widerspricht jedoch den Openness Gedanken zutiefst. Die Fehler die gemacht worden sind, sind zu kritisieren. Zugleich kann hier eine Chance liegen, den Schritt der Deutschen Bibelgesellschaft zu loben. Es war und ist bestimmt kein einfacher Prozess so eine Entscheidung zu treffen. Es scheint, dass eine Haltung des Hörens und das eingestehen von Fehlern dem winkenden ökonomischen Vorteil überwogen hat. Dies ist kein Zeichen von Schwäche sondern erfordert Mut und Stärke. Zudem können wir dies auch als eine Lernmöglichkeit sehen. -
*Fehler* als eine Lernmöglichkeit zu sehen, ist ein Grundgedanke von OER und OEP. Es ist auch zu wünschen im Sinne von Openness, dass Communities in dem Aufarbeitungsprozess mit einsteigen können und dass die Deutsche Bibelgesellschaft diesen auch transparent mache. Dadurch könnten alle aus den begangenen Fehlern lernen. + +Es wäre naheliegend, die Depublizierung von Der Löwe von Juda zum Anlass zu nehmen, aus einer OER-Perspektive grundsätzlich Kritik am Verlagswesen zu üben. Eine solche pauschale Haltung widerspräche jedoch dem Openness-Gedanken. Die im vorliegenden Fall gemachten Fehler sind kritisch zu benennen; zugleich eröffnet sich die Möglichkeit, den Schritt der Deutschen Bibelgesellschaft als verantwortungsbewusstes Handeln anzuerkennen. Es war und ist bestimmt kein einfacher Prozess eine solche Entscheidung zu treffen. Es scheint, dass eine Haltung des Hörens und das Eingestehen von Fehlern dem winkenden ökonomischen Vorteil überwogen hat. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern erfordert Mut und Stärke. Zudem können wir dies auch als eine Lernmöglichkeit sehen. +
*Fehler* als eine Lernmöglichkeit zu sehen, ist ein Grundgedanke von OER und OEP. Vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert, dass fachliche Communities in den Aufarbeitungsprozess einbezogen werden und dieser transparent gestaltet wird. Auf diese Weise könnte ein gemeinsamer Lernprozess entstehen, von dem alle Beteiligten profitieren. ## Literatur