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@ -63,6 +63,44 @@ Unser FOERBICO Team nimmt diese Lücke in den Blick: Seit August 2024 erforschen
Am 24. und 25. Februar 2026 möchten wir in Nürnberg unsere Ergebnisse vorstellen und gemeinsam mit euch diskutieren.
## Tagungsprogramm
**Dienstag, 24. Februar**
| Uhrzeit | Programmpunkt | Referent:innen / Hinweise |
| :-----: | ----------------------------------------------------------------------------------------- | ------------------------- |
| 13:30 | **Begrüßung** | |
| 14:00 | **Zwischenergebnisse aus FOERBICO ein Überblick** | |
| | • Zentrale Einsichten aus dem Forschungsstand | |
| | • Ergebnisse aus den Interviews der Begleitforschung | |
| | • Aktueller Stand der OER-Communities und ihrer Vernetzungen (Community-Hub) | |
| | • Aktueller Stand der Entwicklung von Qualitätskriterien | |
| 15:30 | ☕ **Kaffee-Pause** | |
| 16:00 | **Aktuelle Herausforderungen und Perspektiven für OER und OEP** | Prof. Dr. Daniel Otto |
| 17:15 | 🧭 **Wegfindungs-Pause** | |
| 17:30 | **Thematische Workshops** | |
| | • Community Hub | |
| | • Qualitätskriterien | |
| | • Community of Praxis | |
| 19:00 | 🍽️ **Abendessen** | |
| 20:00 | **Abend der Begegnung**: Gelegenheit, eigene Projekte vorzustellen und sich auszutauschen | |
**Mittwoch, 25. Februar**
| Uhrzeit | Programmpunkt | Referent:innen / Hinweise |
| :-----: | ------------------------------------------------- | -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- |
| 09:00 | **Begrüßung** | |
| 09:15 | **Community-Workshops** | |
| | • relilab | |
| | • reliGlobal | |
| | • RELImentar | |
| 10:45 | ☕ **Kaffee-Pause** | |
| 11:45 | **Critical Friends (Kommentierungen und Podium)** | Dr. Susanne Friz, Dr. Alexandra Habicher, Prof. Dr. Ilona Nord, Prof. Dr. Franco Rau - **Moderation:** Prof. Dr. Manfred Pirner |
| 12:45 | **Ende der Tagung** | |
## Warum teilnehmen? Erste Einblicke in die Black Box der (religionsbezogenen) OER-Communities!
OER-Communities wirken für Außenstehende oder Interessierte oft wie eine Black Box: Obwohl sie offen zugänglich sind, ist meist nicht ersichtlich, wie gearbeitet wird. Was bedeutet es also Material gemeinsam zu erstellen und wie kann die Kollaboration im digitalen Raum gelingen? Bei der Tagung möchten wir Einblicke in die Innenperspektive von OER-Communities vorstellen: Wie wird kooperiert, kommuniziert und produziert?

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id: https://oer.community/offenheit-ist-kein-gegensatz-zu-qualität
name: Offenheit ist kein Gegensatz zu Qualität. Religionspädagogische Qualitätskriterien für OER
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OER werden in der Religionspädagogik als zukunftsweisendes Instrument offener Bildungspraktiken gesehen. Immer drängender stellt sich damit die Frage nach ihrer Qualität: Woran lassen sich gute OER erkennen? Um Lehrenden dabei Orientierung zu geben, hat das FOERBICO-Team eine Handreichung mit OER-Qualitätskriterien erarbeitet, die sowohl bei der Bewertung als auch bei der Erstellung von OER unterstützen kann.
inLanguage: de
license: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
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- givenName: Laura
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- Laura Mößle
title: Offenheit ist kein Gegensatz zu Qualität. Religionspädagogische Qualitätskriterien für OER
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alt: 'Wandkunst mit Text über Qualität und Frische von Adhitya Sibikumar (@adhitya_2505)(Quelle: Unsplash, Unsplash-Lizenz)'
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OER werden in der Religionspädagogik als zukunftsweisendes Instrument offener Bildungspraktiken gesehen. Immer drängender stellt sich damit die Frage nach ihrer Qualität: Woran lassen sich gute OER erkennen? Um Lehrenden dabei Orientierung zu geben, hat das FOERBICO-Team eine Handreichung mit OER-Qualitätskriterien erarbeitet, die sowohl bei der Bewertung als auch bei der Erstellung von OER unterstützen kann.
tags:
- Qualitätskriterien
- Hochschuldidaktik
- Religionspädagogik
- Theologie
- Medienpädagogik
- Open Educational Resources (OER)
---
Open Educational Resources (OER) werden häufig mit großen bildungspolitischen Erwartungen verknüpft: Sie sollen Chancengleichheit fördern, Teilhabe ermöglichen, digitale Kompetenzen stärken und Bildungsprozesse demokratisieren. Auch in der Religionspädagogik werden OER zunehmend als Hoffnungsträger für eine gerechtere und innovativere Bildungslandschaft ([vgl. Mößle/Pirker 2024](https://www.theo-web.de/ausgaben/2023/22-jahrgang-2023-heft-1/news/open-educational-practices-als-wissenstransfer-welche-potenziale-hat-die-religionspaedagogik-auf-dem-weg-ins-open); [Angelina/ Mößle 2025](https://y-nachten.de/2025/03/oer-und-die-third-mission/)) diskutiert. Doch verbunden mit der Zugänglichkeit stellt sich immer dringlicher die Frage nach der Qualität: Was macht gute, nachhaltig nutzbare und qualitative OER eigentlich aus? Wie lässt sich die Qualität von OER bewerten? Und worauf gilt es zu achten, wenn man qualitative OER erstellen möchte?
## OER-Qualität im diskursiven Horizont
Die freie Nutzbarkeit und Weiterverbreitung von OER wirft zentrale Fragen nach ihrer **Qualität** auf. Neben Unsicherheiten im Urheberrecht zählt die Qualität von OER zu den am intensivsten diskutierten Themen im OER-Umfeld [(vgl. Ehlers 2015)](https://www.researchgate.net/publication/327393832_Qualitatsentwicklung_fur_OER_-_viel_besprochen_wenig_realisiert). Qualität gilt aus Sicht der Nutzer:innen als entscheidender Faktor für die Akzeptanz und den Erfolg offener Bildungsressourcen [(vgl. Pirker & Pirner 2025)](https://doi.org/10.58069/theow.2025.1.51).
Mit dem rasanten Anstieg frei verfügbarer Materialien, nicht zuletzt durch KI-gestützte Entwicklungen, wird die Identifikation qualitativ hochwertiger OER zunehmend komplex.
Nutzer:innen bewerten Qualität meist auf Basis individueller Bedürfnisse, was zu stark divergierenden Qualitätsvorstellungen führt. Die prozesshafte Natur von OER, die fortwährend verändert und adaptiert werden, erschwert statische Qualitätssicherungsprozesse zusätzlich [(vgl. Ehlers 2015)](https://www.researchgate.net/publication/327393832_Qualitatsentwicklung_fur_OER_-_viel_besprochen_wenig_realisiert).
Um dennoch Vertrauen in offene Bildungsressourcen zu stärken, braucht es Orientierung für OER-Qualität. Qualität ist kein feststehendes Attribut, sondern Ergebnis eines **dialogischen Aushandlungsprozesses**. [Baas et al. (2022)](https://oda.oslomet.no/oda-xmlui/bitstream/handle/11250/3063763/Baas%2bet%2bal.%2b%25282022%2529.pdf?sequence=1&isAllowed=y) zeigen, dass Lehrende ihre Qualitätswahrnehmung nicht isoliert, sondern im Austausch mit Kolleg:innen und innerhalb institutioneller Rahmenbedingungen entwickeln. Qualität entsteht folglich dort, wo OER **inhaltlich relevant**, **didaktisch tragfähig**, **praktisch nutzbar** und **anschlussfähig** für die eigene Lehre gestaltet werden.
## Verfahren zur Qualitätssicherung von OER
Im Kontext der Qualitätssicherung OER existieren mittlerweile mehrere erprobte Verfahren, die sowohl im schulischen als auch im hochschulischen Bereich Anwendung finden und unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Ein prominentes Instrument ist das **[Augsburger Analyse- und Evaluationsraster (AAER)](https://digillab.uni-augsburg.de/onlinedienste/das-augsburger-analyse-und-evaluationsraster-aaer/)**. Es ermöglicht eine systematische Bewertung analoger und digitaler Lehr-Lern-Materialien auf Grundlage von acht definierten Qualitätsdimensionen:
1. Lehrplan- und Bildungsstandards
2. Diskursive Positionierung
3. Makrodidaktische und bildungstheoretische Fundierung
4. Mikrodidaktische Fundierung und Umsetzung
5. Kognitive Strukturierung
6. Bild- und Textgestaltung
7. Aufgabenstellung
8. Anwendungstransparenz
Dieses Raster macht Stärken und Schwächen von Bildungsmedien sichtbar und unterstützt Lehrkräfte bei fundierten Entscheidungen über deren Einsatz.
Das niedersächsische OER-Portal [**Twillo**](https://www.twillo.de) verfolgt einen dezidiert partizipativen Ansatz. Die Qualitätssicherung erfolgt vor allem über eine Selbsteinschätzung der Ersteller:innen, unterstützt durch den **OER-Qualitätscheck**, der durch sieben zentrale Prüfdimensionen führt:
1. Inhaltliche Wiederverwendbarkeit
2. Design und Lesbarkeit
3. Struktur und Orientierung
4. Fachwissenschaftliche Fundierung
5. Didaktisches Design / Motivation
6. Hilfestellung und Support
7. Anwendung und Transfer
Damit fördert Twillo nicht nur die Reflexion über die Qualität von OER, sondern bietet ergänzend praxisorientierte Hilfestellungen.
Die **[Hamburg Open Online University (HOOU)](https://portal.hoou.de/)** hat sich mit einem eigenen Qualitätssicherungsmodell im Hochschulkontext positioniert. Das beratende Evaluationsverfahren konzentriert sich auf pädagogisch-didaktische und technische Qualität, während die inhaltliche Verantwortung bewusst bei den Autor:innen verbleibt [(vgl. Friz, 2019)](https://open-educational-resources.de/wp-content/uploads/GMK_M%C3%BCnchen.pdf).
Aufbauend auf diesem Verfahren entwickelt die HOOU einen umfassenden Kriterienkatalog, der inhaltliche, didaktische, technische und nutzungsorientierte Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Perspektivisch soll mit dem HOOU-Label ein markenspezifisches Qualitätssiegel etabliert werden, das als Vertrauensmerkmal für hochwertige OER fungiert [(vgl. Zawacki-Richter et al., 2017)](https://www.synergie.uni-hamburg.de/media/sonderbaende/qualitaetsentwicklung-von-oer-2018.pdf).
Die genannten Verfahren zur Qualitätssicherung von OER zeigen die Bandbreite, wie Qualität entwickelt werden kann, von detaillierten Kriterienrastern (AAER), partizipative Selbstbewertung (Twillo) bis hin zu eher beratenden Verfahren mit institutionellen Qualitätslabels (HOOU).
## Qualität im religionspädagogischen Kontext
„Die Frage nach Unterrichtsqualität ist zu einer Schlüsselfrage geworden, nicht nur für den schulischen Alltag, sondern für die schul- und bildungspolitische Diskussion insgesamt“ (Schweitzer, 2008, S. 11).
Die Frage nach der Qualität religiöser Bildungsprozesse wird bereits seit geraumer Zeit von allgemein didaktischen Grundsatzüberlegungen bis hin zur Analyse und Bewertung konkreter Lehrmaterialien diskutiert. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage, wie sich guter Religionsunterricht jenseits abstrakter Konzeptionen bestimmen lässt. Es ist also für den Religionsunterricht geboten, präzise auszuweisen, „was und wie in diesem Fach gelernt werden soll“ (Schweitzer, 2020, S. 15).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass es **den** guten Unterricht nicht gibt (vgl. Gojny; Lenhard & Zimmermann, 2022, S. 164). Mit Helmke (2017) ist vielmehr zu fragen: Gut wofür, gut für wen, gemessen an welchen Bedingungen, aus welcher Perspektive und für welchen Zeitraum? Qualität erweist sich daher als vielschichtiges und kontextabhängiges Kriterium, das je nach Bildungsziel, Lerngruppe, institutionellem Rahmen oder Zeitpunkt unterschiedlich bestimmt wird (vgl. Adam & Rothgangel, 2012).
Auch die verschiedenen Anspruchsgruppen wie Lehrpersonen, Schüler:innen, Eltern, Kirche, Öffentlichkeit oder Bildungspolitik verbinden jeweils eigene Erwartungen mit dem Religionsunterricht (vgl. Gojny; Lenhard & Zimmermann, 2022, S. 164). Qualitätsfragen dürfen daher nicht eindimensional beantwortet werden, sondern müssen stets im Spannungsfeld verschiedener Perspektiven reflektiert werden.
So plädiert [Rothgangel (2021)](https://doi.org/10.1007/s42010-021-00107-w) für einen mehrdimensionalen Qualitätsbegriff, der fachübergreifende und fachspezifische Kriterien integriert.
Er verweist darauf, dass Religionsunterricht einerseits denselben allgemeinen Standards guten Unterrichts folgen muss wie andere Fächer, etwa hinsichtlich Strukturierung, Klassenführung, kognitiver Aktivierung und einer wertschätzenden Lernatmosphäre.
Andererseits muss sich Religionsunterricht an Maßstäben orientieren, die aus den Bezugswissenschaften Theologie und Religionswissenschaft sowie aus der Religionsdidaktik selbst hervorgehen. Diese betreffen spezifische Kompetenzen religiöser Bildung wie das Wahrnehmen religiöser Phänomene, das Verstehen und Verwenden religiöser Sprache oder das begründete Urteilen in Glaubensfragen.
Auch Englert (2006) betont, dass die Bestimmung von Qualität im Religionsunterricht nur unter Einbezug genuin fachspezifischer Kategorien gelingen kann. In diesem Sinne erfordern z.B. kooperative Formate eine Didaktik, die Perspektivenwechsel und Dialogfähigkeit systematisch fördert ([vgl. Käbisch und Woppowa 2022)](https://rpb-journal.de/index.php/rpb/article/view/193).
Eine bloße Auflistung von Qualitätskriterien kann allerdings nicht als Garantie für gelingenden Unterricht gelten. Wie die Unterrichtsforschung zeigt, ergibt sich Qualität nicht aus der Summe einzelner Merkmale, sondern aus deren Zusammenspiel (vgl. Helmke, 2017).
Die Qualitätsdebatte reicht bis in die Schulbuchforschung ([vgl. Henningsen, 2023](https://bibelwissenschaft.de/stichwort/201081/])), wo Fragen nach inhaltlicher Richtigkeit mit Sensibilität für Repräsentationen, didaktischer Struktur und ideologiekritischer Reflexion verbunden werden. Auffällig ist jedoch, dass digitale Bildungsmedien bislang nur am Rande berücksichtigt werden und belastbare Kriterien für deren systematische Bewertung fehlen.
## Entstehungsprozess eines Kriterienkatalogs für religionsbezogene Bildung
Vor diesem Hintergrund entwickelte das FOERBICO-Team einen Kriterienkatalog zur OER-Qualität für schulische, außerschulische und hochschulische Kontexte. Ausgangspunkt war die Analyse bestehender Qualitätssicherungsansätze in OER-Communities, die mit aktuellen religionspädagogischen Forschungsdiskursen abgeglichen und in Expert:inneninterviews sowie praktischen Erprobungen iterativ weiterentwickelt wurden.
Parallel wurden Projekte der Professur für Religionspädagogik und Mediendidaktik der Goethe Universität Frankfurt mit Hilfe der im FOERBICO Projekt entwickelten Handreichung auf ihre Qualität hin überprüft und entsprechend [für die Publikation überarbeitet](https://oer.community/oer-beratung-und-qualit%C3%A4tskriterien/). Auch diese Erkenntnisse flossen in die Überarbeitung der Kritieren ein.
So entstand eine Handreichung, die wissenschaftliche, praxisbezogene und communitybasierte Perspektiven integriert und im Format einer Checkliste zugänglich macht.
Die Handreichung versteht Qualität nicht als normatives Prüfschema oder als Garantie guter OER und damit guter religiöser Bildungsprozesse. Sie ist vielmehr als **reflexives Instrument** konzipiert, das die Vielschichtigkeit religionspädagogischer Qualitätsdebatten aufgreift und Lehrenden und Materialerstellenden eine **Orientierung** bietet, ohne in reduktionistische 'Abhak-Logik' zu verfallen.
Qualität wird als Ergebnis eines fortlaufenden Aushandlungsprozesses verstanden, der sich sowohl in der Erstellung als auch in der Nutzung und Weiterentwicklung von OER vollzieht
## Qualitätskriterien: Die FOERBICO-Checkliste im Detail
Die im Projekt FOERBICO entwickelte Handreichung zu Qualitätskriterien setzt an einem dynamischen Qualitätsverständnis an. Qualität soll als Ergebnis eines reflexiven Aushandlungsprozesses innerhalb einer Community betrachtet werden, die sowohl in der Erstellung als auch in der Nutzung und Weiterentwicklung von OER wirksam wird. Ziel der Handreichung ist es, ein Qualitätsverständnis zu fördern, das sowohl die strukturellen Anforderungen digitaler Bildungsressourcen als auch die inhaltlich-didaktischen Besonderheiten religiöser Bildungsprozesse integriert.
Die entwickelte Handreichung bietet damit ein praxisnahes Instrumentarium, um OER religionspädagogisch fundiert zu erstellen, bereits vorhandene OER auf ihre Qualität hin zu bewerten und weiterzuentwickeln.
Die Handreichung ist aufgrund einer Bedarfsanalyse als Checkliste aufgebaut und basiert in Teilen auf den Qualitätsmerkmalen von [Mayrberger, Zawacki-Richter und Müskens (2017)](https://www.synergie.uni-hamburg.de/media/sonderbaende/qualitaetsentwicklung-von-oer-2018.pdf) sowie auf [Kobusch & Halm (2022)](https://www.hsbi.de/publikationsserver/download/2761/3626/FH%20Bielefeld%202022%2C%20Checkliste%20OER%20v1.1.pdf). Sie erweitert bestehende Qualitätsmodelle um eine dezidiert religionspädagogische Perspektive.
Die Handreichung ist in vier Dimensionen untergliedert:
### Die vier Dimensionen im Überblick
**1. Rechtliche Qualität:**
Um OER rechtssicher zu veröffentlichen, müssen **urheberrechtliche Vorgaben** zwingend beachtet werden, insbesondere bei der Nutzung externer Inhalte wie Bilder, Grafiken oder Textausschnitte.
Idealerweise bestehen OER ausschließlich aus selbst erstelltem, offen lizenziertem Material.
Inhalte von Dritten gelten grundsätzlich als urheberrechtlich geschützt, auch ohne ausdrücklichen Hinweis. Eine Nutzung von Inhalten als OER ist daher nur dann zulässig, wenn eine ausdrückliche Erlaubnis, etwa durch Creative Commons-Lizenzen, vorliegt. Auch KI-generierte Inhalte sind nicht automatisch frei verwendbar; hier sind die Lizenzbedingungen der jeweiligen Plattformen sorgfältig zu prüfen. Transparente Lizenzierung, korrekte Quellenangaben und ein bewusster Umgang mit geschütztem Material sind daher zentrale Qualitätsanforderungen.
Exemplarisch für die rechtliche Dimension sieht die Checkliste also folgende Items vor:
* Das Material ersetzt geschützte Elemente (Bilder, Grafiken, Videos, Karten, Audio, Schrift oder Logos), sofern möglich, durch offen lizenzierte Alternativen.
* Das Material verwendet eine ausgewählte CC-Lizenz, die den Veröffentlichungswünschen entspricht (siehe CC-Lizenzen).
* Im Material wurde kenntlich gemacht, ob durch das verwendete KI-Tool urheberrechtliche Einschränkungen bestehen (z. B. bei Canva oder MidJourney)
**2. Technische Qualität:**
Die technische Qualität von OER ist zentral für ihre **Auffindbarkeit und Wiederverwendbarkeit**. Materialien sollten in offenen, verbreiteten Dateiformaten bereitgestellt und mit Metadaten versehen sein, um Zugänglichkeit und Verbreitung zu sichern.
Offene Dateiformate erhöhen die Nutzbarkeit in unterschiedlichen Kontexten. Zudem ist Barrierefreiheit zu beachten, bspw. durch Alternativtexte oder barrierearme Farbgestaltung, um eine inklusive Nutzung zu ermöglichen.
Exemplarisch für die technische Dimension sieht die Checkliste folgende Items vor:
* Das Material wird in offenen und weit verbreiteten Dateiformaten bereitgestellt (z. B. .txt, .odt, .pdf, .png, .jpg, .svg, .mp3, .ogg, .mp4, .webm).
* Es gibt einen hohen Kontrast zwischen Text und Hintergrund (z. B. schwarze Schrift auf weißem Hintergrund) wird im Material berücksichtigt.
* Alternativtexte für Bilder und visuelle Inhalte wurden bereitgestellt, damit Screenreader diese erfassen können.
**3. Pädagogisch-didaktische Qualität:**
OER sollen breit nutzbar, anpassbar und flexibel auf **Zielgruppen, Lehrkontexte und Lernniveaus** zugeschnitten sein. Ihre nachhaltige Weiternutzung hängt maßgeblich von ihrer pädagogisch-didaktischen Qualität ab.
Hilfestellungen, klar strukturierte Lernaktivitäten und interaktive Elemente erleichtern Lehrkräften die Anpassung an die eigenen Unterrichtskonzepte. Besonders wertvoll sind OER, die ergänzendes Begleitmaterial, Übungsaufgaben oder Vorlagen bereitstellen.
Die genannten Qualitätsmerkmale sind dabei keine Pflichtvorgaben, sondern Anregungen zur Qualitätssteigerung.
Exemplarisch für die pädagogisch-didaktische Dimension sieht die Checkliste folgende Items vor:
* Lernprozesse können durch angemessene Differenzierung auf verschiedenen Niveaus initiiert werden.
* Das Material und die genutzten Plattformen fördern den aktiven Austausch zwischen Lernenden, z.B. durch Diskussionsanlässe, reflexive Fragen oder integrierte Foren.
* Die Lernenden werden dazu angeregt, selbstständig Lösungsansätze zu entwickeln und Gelerntes auf neue Kontexte anzuwenden.
**4. Religionspädagogische Qualität:**
Die religionspädagogische Qualität bemisst sich an einem breiten Spektrum **etablierter religionsdidaktischer Konzepte** wie Subjektorientierung, Korrelation und Elementarisierung.
Auch fundierte Lernwege, etwa biblisches oder ästhetisches Lernen, bilden zentrale Qualitätsmerkmale für die Gestaltung religiöser Bildung.
OER stellen insofern eine Besonderheit dar, als sie sich den kirchlichen Genehmigungsverfahren schulischer Lernmedien entziehen. Während Schulbücher geprüft werden, müssen für OER alternative Qualitätssicherungsmechanismen, etwa über Repositorien oder Empfehlungen durch Kirchen und Religionsgemeinschaften, entwickelt werden.
Neben grundlegenden religionspädagogischen Prinzipien werden auch spezifische Qualitätsmerkmale der jeweiligen Lernwege beschrieben.
Exemplarisch für die religionspädagogische Dimension sieht die Checkliste folgende Items vor:
* Das Material ermöglicht es den Lernenden, religiöse Präsenz im Alltag zu entdecken (z. B. Glaube, Institutionen, Symbole) und sich damit auseinanderzusetzen.
* Das Material legt seine konfessionelle oder religiöse Perspektive offen und ermöglicht eine reflektierte Auseinandersetzung damit
* Das Material ermöglicht Lernenden, unterschiedliche religiös-weltanschauliche Deutungen der Wirklichkeit wahrzunehmen und in einem multiperspektvischen Kontext zu reflektieren.
> **[Vollständige OER-Qualitätskriterien](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)**
> Die OER-Qualitätskriterien stehen als offen zugängliche Markdown-Datei unter CC BY 4.0 Lizenz zur Verfügung.
> Die Handreichung versteht sich als lebendiges Dokument, das kontinuierlich weiterentwickelt, angepasst und erprobt wird.
> Die OER-Qualitätskriterien bieten Lehrenden eine praxisnahe und flexible Grundlage, um OER zu bewerten, zu gestalten und weiterzuentwickeln.
Die Qualitätskriterien bieten Orientierung zur Erstellung und Bewertung von OER im Bereich der Religionspädagogik. Sie bieten keine rechtsverbindliche Auskunft und ersetzten nicht die eigenverantwortliche Prüfung der Materialien.
### Qualität als reflexiver Aushandlungsprozess
Die FOERBICO-Checkliste versteht sich als reflexives Instrument, das Lehrende dabei unterstützt, Qualitätsfragen nicht nur normativ zu beantworten, sondern in einem **dialogischen Aushandlungsprozess** mit Kolleg:innen, Lernenden und der OER-Community weiterzuentwickeln.
Die Checkliste stellt kein pauschales Bewertungssystem bereit, sondern bietet eine fundierte Orientierung, wie Qualität im spezifischen Kontext religionspädagogischer Bildungsarbeit differenziert gestaltet werden kann.
Qualitätssicherung bedeutet dabei Offenheit als Chance für gemeinsames Lernen und kollektive Qualitätsentwicklung zu begreifen. In einer digitalen Bildungslandschaft, die zunehmend von offenen Materialien und KI-gestützten Tools geprägt ist, bleibt die Frage nach fachlicher und didaktischer Verantwortung überaus zentral.
## Literaturangaben
* Adam, G. & Rothgangel, M. (2012). Was ist guter Religionsunterricht? In: Rothgangel, M./Adam, G./Lachmann, R. (Hg.), Religionspädagogisches Kompendium, Göttingen, 7. Aufl., 416433.
* Angelina, P., & Mößle, L. (2025). [Fürchtet euch nicht. OER und Third Mission](https://y-nachten.de/2025/03/oer-und-die-third-mission/).
* Angelina, P., Buchwald-Chassée, G., Gregorio Rodrigo, P., Mößle, L., & Ullmann, C. (2025). [Open Educational Resources in der Religionspädagogik erstellen: Rechtliche, technische, pädagogisch-didaktische und religionspädagogische Qualitätskriterien](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md). FOERBICO-Handreichung.
* Baas, M., van der Rijst, R., Huizinga, T., & van den Berg, E. (2022). [Would you use them? A qualitative study on teachers' assessments of open educational resources in higher education](https://oda.oslomet.no/oda-xmlui/bitstream/handle/11250/3063763/Baas%2bet%2bal.%2b%25282022%2529.pdf?sequence=1&isAllowed=y). The Internet and Higher Education, 54, 100848, 114.
* Ehlers, U.-D. (2015). [Qualitätsentwicklung für OER viel besprochen, wenig realisiert!](https://www.researchgate.net/publication/327393832_Qualitatsentwicklung_fur_OER_-_viel_besprochen_wenig_realisiert) Wikimedia Deutschland.
* Englert, R. (2006). Die Diskussion über Unterrichtsqualität und was die Religionsdidaktik daraus lernen könnte. In: C. Bizer u.a. (Hg.), Was ist guter Religionsunterricht? (Jahrbuch der Religionspädagogik 22), Neukirchen-Vluyn, 5264.
* Fey, C.-C. (2017). Das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster für analoge und digitale Bildungsmedien, in: C.-C. Fey & E. Matthes (Hrsg.), Das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster für analoge und digitale Bildungsmedien (AAER). Grundlegung und Anwendungsbeispiele in interdisziplinärer Perspektive, Bad Heilbrunn, 1447.
* Friz, S. (2019). [Qualität und freie, digitale Bildungsmedien (OER) Wie passt das zusammen?](https://open-educational-resources.de/wp-content/uploads/GMK_M%C3%BCnchen.pdf) Vortrag auf dem 36. Forum Kommunikationskultur der GMK, München, 16.11.2019.
* Gojny, T., Lenhard, H., Zimmermann, M. (2022). Religionspädagogik in Anforderungssituationen. Fachdidaktische Grundlagen für Studium und Beruf, Göttingen.
* Helmke, A. (2017). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts, 7. Auflage, Seelze-Velber.
* Henningsen, J. (2023). [Schulbuchanalyse](https://bibelwissenschaft.de/stichwort/201081/), in: wirelex, das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon im Internet.
* Käbisch, D., Woppowa J. (2022). [Qualitätskriterien für kooperative Formate im Religionsunterricht](https://rpb-journal.de/index.php/rpb/article/view/193), RpB 45 (2), 3345.
* Kobusch, A., Halm, L. (2022). [Checkliste: Open Educational Resources erstellen](https://www.hsbi.de/publikationsserver/download/2761/3626/FH%20Bielefeld%202022%2C%20Checkliste%20OER%20v1.1.pdf), Bielefeld.
* Lübben, S., Müskens, W., & Zawacki-Richter, O. (2023). Quality of OER: Test Theoretical Development and Validation of an Assessment Tool. In: D. Otto, G. Scharnberg, M. Kerres & O. Zawacki-Richter (Hrsg.), Distributed Learning Ecosystems. Concepts, Resources, and Repositories, Wiesbaden, 139160.
* Mößle, L., & Pirker, V. (2024). [Open Educational Practices als Wissenstransfer: Welche Potenziale hat die Religionspädagogik auf dem Weg ins „open“?](https://www.theo-web.de/ausgaben/2023/22-jahrgang-2023-heft-1/news/open-educational-practices-als-wissenstransfer-welche-potenziale-hat-die-religionspaedagogik-auf-dem-weg-ins-open), in: Theo-Web. Zeitschrift für Religionspädagogik, 23(2), 159170.
* Pirker, V., & Pirner, M. (2025). [Open Educational Resources und Open Educational Practices ein systematischer Literaturbericht im religionspädagogischen Horizont](https://doi.org/10.58069/theow.2025.1.51), in: Theo-Web, 24(1), 151185.
* Rothgangel, M. (2021). [Unterrichtsqualität in der Religionsdidaktik fachspezifische und fachübergreifende Aspekte](https://doi.org/10.1007/s42010-021-00107-w), in: Unterrichtswissenschaft. Journal of Teaching and Learning Sciences 49(2), 253260.
* Schweitzer, F. (2008). Elementarisierung und Kompetenz. Wie Schülerinnen und Schüler von „gutem Religionsunterricht“ profitieren, Neukirchen-Vluyn.
* Schweitzer, F. (2020). Religion noch besser unterrichten. Qualität und Qualitätsentwicklung im RU, Göttingen.
* Zawacki-Richter, O., Müskens, W., & Mayrberger, K. (Hrsg.) (2017). [Qualitätsentwicklung von OER. Vorschlag zur Erstellung eines Qualitätssicherungsinstruments für OER am Beispiel der Hamburg Open Online University](https://www.synergie.uni-hamburg.de/media/sonderbaende/qualitaetsentwicklung-von-oer-2018.pdf), Hamburg.

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Wertebildung ist ein Prozess der Selbst- und Welterschließung, der in der digitalen Lebenswelt Räume für Verantwortung und Empathie eröffnet. Das Projekt „Auf Martins Spuren“ zeigt, wie sich Tradition und Digitalität wirksam verbinden lassen.
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datePublished: '2025-11-10'
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author:
- Corinna Ullmann
- Simone Dinse de Salas
title: 'Wertebildung im digitalen Zeitalter - Auf den Spuren von Martin'
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image: Titelbild-Martin.png
summary: >-
Wertebildung bedeutet mehr als Tugenden zu vermitteln sie ist ein aktiver Prozess, in dem Lernende sich selbst und die Welt verstehen lernen. In einer digitalen Lebenswelt brauchen Schülerinnen und Schüler Räume, um über Verantwortung, Empathie und Gemeinschaft nachzudenken. Religionspädagog:innen zeigen, dass die Verbindung von Tradition und Digitalität besonders wirksam ist, wenn sie didaktisch gut umgesetzt wird. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Auf Martins Spuren ein Actionbound zum Thema St. Martin“, das klassische Wertebildung mit digitalen Medien verknüpft.
url: wertebildung
tags:
- Open Educational Resources (OER)
- Open Educational Practices (OEP)
- Religionspädagogik
- Bildungsmedien
---
Wertebildung ist mehr als das Vermitteln von Tugenden sie ist ein **Prozess der Selbst- und Welterschließung**.
Gerade in einer digitalen Lebenswelt, in der Schülerinnen und Schüler täglich mit sozialen Medien, Gaming und Online-Kommunikation konfrontiert sind, braucht es Lernräume, in denen sie über **Verantwortung, Empathie und Miteinander** nachdenken können.
Als Religionspädagoginnen (kath. und evang.), die in der Lehrer:innenfortbildung arbeiten, erleben wir immer wieder, wie stark die Verbindung von **Tradition und Digitalität** wirkt, wenn sie didaktisch gut gestaltet ist.
Ein Beispiel dafür ist das Projekt **„[Auf Martins Spuren ein Actionbound zum Thema St. Martin](https://de.actionbound.com/bound/mission-pausenhof---goldene-feder-und-zerbrochenes-schwert)“**, das klassische Wertebildung mit digitalen Medien verbindet.
## Didaktische Idee
**Wie können Schülerinnen und Schüler den Gedanken des Teilens und der Nächstenliebe in einer digitalen Welt erleben?**
Das Projekt **„Auf Martins Spuren“** nutzt die App *[Actionbound](https://de.actionbound.com/)*, um die Geschichte des heiligen Martin erfahrbar zu machen **digital, interaktiv und handlungsorientiert**.
So wird der traditionelle Martinstag in einen lernwirksamen, partizipativen Kontext überführt, der **Kopf, Herz und Hand** gleichermaßen anspricht.
Dieser Baustein kann direkt in Seminare, Fortbildungen oder Schulprojekte integriert werden etwa in den Fächern **Religionspädagogik, Ethik, Medienbildung** oder **Allgemeine Didaktik**.
---
## Vom Teilen zum Teilhaben Actionbound als Lernraum für Werte
*Actionbound* ist ein interaktives Lern- und Lehrwerkzeug, das sich hervorragend für Bildungseinrichtungen eignet.
Lehrende können damit eigene digitale Lernrouten („Bounds“) erstellen, die Elemente von **Storytelling, Spiel und Medienbildung** verbinden.
Lernende werden so nicht nur zu Konsument:innen, sondern zu **aktiv Beteiligten und Gestaltenden**.
Im Bound *„[Auf Martins Spuren](https://de.actionbound.com/bound/mission-pausenhof---goldene-feder-und-zerbrochenes-schwert)“* gehen Schülerinnen und Schüler mit **Smartphone, Herz und Verstand** auf eine Reise durch die Geschichte des heiligen Martin.
Sie lösen Rätsel, diskutieren moralische Dilemmata und gestalten eigene Beiträge etwa, indem sie das Wort *Frieden* mit Steinen legen oder einen *Ort der Stille* fotografieren.
![](Hinweis-Actionbound.png)
---
## Überblick: Aufbau des Bounds
Der Bound besteht aus **sechs Stationen**, die inhaltlich aufeinander aufbauen.
Jede Station kombiniert digitale Aufgaben, Reflexion und kreative Umsetzung im Raum Schule.
1. **Martin, der Junge Identität & Herkunft**
→ Bedeutung des eigenen Namens recherchieren
2. **Vom Soldat zum Friedensstifter Wandel & Verantwortung**
→ Miniquiz zum Thema Frieden
3. **Helfen und Hilfe annehmen Empathie**
→ Reflexionsfrage: „Wann habe ich Hilfe angenommen?“
4. **Der Feigling oder der Mutige? Zivilcourage**
→ Fallbeispiele (Cybermobbing, Gruppendruck) diskutieren
5. **Martin, der Mönch Ruhe & Spiritualität**
→ Ort der Stille aufsuchen und fotografieren
6. **Martin, der Bischof Verantwortung übernehmen**
→ Auf Gänsefeder schreiben: „Was könnte ich besser machen?“
![](Hinweis-Martin.png)
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## Lernen multimodal, erfahrungsbasiert und dialogisch
- **kognitiv** durch Quizfragen und Recherche
- **emotional** durch Reflexion und kreative Aufgaben
- **sozial** durch Teamarbeit und Austausch
- **digital** durch Nutzung eines datenschutzkonformen Tools
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## „Teilen verbindet“ Wertebildung als Open Educational Practice
Besonders spannend wird der Ansatz, wenn man ihn unter der Perspektive der **Open Educational Resources (OER)** betrachtet.
Denn: *Teilen* ist nicht nur das zentrale Motiv der Martinsgeschichte, sondern auch **Kern der OER-Bewegung**.
Lehrkräfte können Bounds wie diesen **teilen, anpassen und weiterentwickeln**.
Dadurch wird die Idee des Teilens zu einem **gelebten Prinzip der Unterrichtskultur** im digitalen wie im ethischen Sinn.
> „Wie können wir St. Martin heute leben?
> Geh mit uns auf Martins Weg digital, kreativ und mit offenem Herzen.
> **#teilenverbindet #martinslicht**“
Dieser Slogan verbindet pädagogische Haltung und digitale Praxis:
**Offene Bildung als Ausdruck von Solidarität und gemeinschaftlichem Lernen.**
---
## Didaktischer Mehrwert Lernen mit Kopf, Herz und Hand
In der Fortbildungspraxis erleben viele Kolleg:innen, dass digitale Tools oft dann Akzeptanz finden, wenn sie **nicht als Selbstzweck**, sondern als **didaktisch sinnvolle Erweiterung** erlebt werden.
Im St.-Martin-Bound wird diese Verbindung greifbar:
- **Kognitive Ebene:** Auseinandersetzung mit Martins Biografie und ethischen Fragestellungen
- **Emotionale Ebene:** Reflexion eigener Erfahrungen Mut, Feigheit, Hilfe annehmen
- **Gestalterische Ebene:** Umsetzung von Symbolen (Feder, Schwert, Licht) in kreative Medienprodukte
- **Spirituelle Ebene:** Nachdenken über Orte der Stille, Gemeinschaft und Verantwortung
---
## Bildung mit Herz, Kopf und Smartphone
Das Beispiel zeigt:
> **Digitalität kann Wertebildung nicht ersetzen, aber erweitern und vertiefen.**
Lernen wird **mehrperspektivisch**, wenn digitale Medien nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch **Wertorientierung** ermöglichen.
Die Figur des heiligen Martin wird zur **Brücke zwischen Tradition und Transformation**.
> „Digitale Wertebildung bedeutet, die Kultur des Teilens bewusst zu gestalten als pädagogische Haltung, nicht nur als technische Option.“
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## Anleitung: *Auf Martins Spuren ein Actionbound zur digitalen Wertebildung*
**Zielgruppe:** GS 3/4 oder Sekundarstufe 5/6
**Dauer:** ca. 60 Minuten (plus ggf. Verlängerung)
### Materialien
- Smartphones oder Tablets für die Lernenden
- Zugang zu einem digitalen Bound (z. B. über die App *Actionbound*)
- Stationen-Markierungen auf dem Schulgelände oder im Klassenraum
- Medien: Bilder, Reflexionsfragen, QR-Codes, ggf. Karte/Feder/Schwert-Symbolik
- Optional: Ausdrucke für Backup-Stationen, Papier und Stifte
---
### Schritt 1 Einstieg: *„Die goldene Feder und das zerbrochene Schwert“*
**Begrüßung:**
„Heute begeben wir uns auf den digitalen und realen Weg von St. Martin mit Smartphone, aber auch mit offenem Herzen.
Mission: Die goldene Feder und das zerbrochene Schwert entdecken und verstehen, was Teilen, Mut und Verantwortung heute bedeuten.“
Hinweis: Es gibt eine Stationen-Rallye (6 Stationen).
Verteile die Geräte und prüfe, ob alle die App starten können bzw. Zugang zum Bound haben.
---
### Schritt 2 Durchführung: Stationen im Bound
Führe die Lernenden einzeln oder in kleinen Teams durch die Stationen.
Jede Station verbindet digitale Aufgaben, die über die App *Actionbound* an die Lernenden gegeben werden.
Der Bound besteht aus **sechs Stationen**, die inhaltlich aufeinander aufbauen.
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### Schritt 3 Sicherung und Abschluss
Alle Teams/Einzelnen kommen zusammen.
**Präsentation:**
Jede Gruppe zeigt ein Highlight aus ihrem Bound (z. B. Foto, Idee, Reflexion).
**Plenumfrage:**
> „Was bedeutet Teilen heute in Schule, digital, im Alltag?“
**Hausaufgabe (optional):**
Erstelle dein eigenes kleines *„Martin-Mut-Mini-Bound“* mit 3 Stationen zu deinem Alltag.
Oder: Teile online ein Symbolfoto mit Hashtag **# teilenverbindet # martinslicht** (gemäß Datenschutz).
---
## Hinweise für Lehrende
- **Digitaltechnik prüfen:** WLAN, Geräteaufladung, App-Zugang vorher testen.
- **Datenschutz beachten:** Keine erkennbaren Gesichter posten ohne Einwilligung.
Fotografien anonym oder mit Symbolik nutzen.
- **Private Endgeräte:** Thematisiere deren Grenzen.
---
## Warum dieses Format?
Dieses Format verbindet **digitale Medien** mit **realem Erleben** und **Wertebildung** also **Kopf, Herz und Hand**.
Der Einsatz von Symbolen (Feder, Schwert) macht abstrakte Werte erfahrbar.
Durch Reflexion und Handlung wird Wertebildung **aktiv statt passiv**.
Der digitale Bound erlaubt individuelle Zugänge und motiviert durch spielerische Elemente.
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## Datenschutz und OER-Qualität
*Actionbound* (Ampel: Grün/Gelb) ist bei Schullizenzen **datenschutzkonform** einsetzbar.
Fotos und Videos nur mit **Einwilligung der Eltern** oder anonym (z. B. Symbole, Objekte).
Hinweise im Bound auf **anonyme Bildernutzung** sind integriert.
Offen gestaltete Materialien (Aufgaben, Texte, Objekte) sind als **OER adaptierbar**.
→ Arbeitsaufträge, Reflexionsfragen und Bound-Struktur können frei weiterentwickelt werden.
Es kommt allerdings auf die jeweilige Actionbound-Lizenz an, hier ein Überblick:
![](Actionbound-Übersicht.png)
Zum [Bound](https://de.actionbound.com/bound/mission-pausenhof---goldene-feder-und-zerbrochenes-schwert)
Zur dazugehörigen [TaskCard](https://www.taskcards.de/#/board/dcf7aef3-b39b-4329-a4a1-4fef791624de/view?token=4df396d0-9855-49c3-8f16-28ce65372a3f)
Zum [Instagram-Post](https://www.instagram.com/p/DQ4or3RjBbJ/?igsh=MTQzcTJwcjlrNmRl)
-> Der Bound ist unter [CC-by-SA-Lizenz](https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de) veröffentlicht, d.h. ihr dürft das Material weiterverwenden und bearbeiten (wenn ihr die entsprechende Actionbound-Lizenz habt), aber nur unter Namensnennung (Simone Dinse de Salas - RPK Rottenburg-Stuttgart) und unter derselben Lizenz wie das Original (also wieder unter CC-by-SA).
Weitere Informationen zu [Actionbound](https://fachstelle-medien.drs.de/medienpaedagogik/actionbound.html).
📅 **Veranstaltungshinweis:**
[Actionbound für Einsteiger](https://de.actionbound.com/events) am 26.11.2025 von 15:00 Uhr - 16:30 Uhr

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name: Instagram als religionspädagogischer Lernort
description: Lichtmomente im Advent- Digitale Erfahrungsräume als Schnittstelle von Religionspädagogik, Wissenschaft und Praxis gestaltet von Corinna Ullmann (Comenius-Institut) und Lara Gotthard (ETH - TU Dortmund) im Instagramformat.
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Erkenntnisse aus dem Gespräch von Corinna Ullmann (Comenius-Institut) und Lara Gotthard (ETH - TU Dortmund) über religiöse Kommunikation in digitalen Räumen.
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- Open Educational Practices (OEP)
- Religionspädagogik
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## #LichtMomente im Advent
Digitale Erfahrungsräume als Schnittstelle von Religionspädagogik, Wissenschaft und Praxis.
Im Advent suchen Menschen traditionell nach Momenten, die Wärme, Orientierung und Hoffnung vermitteln, sie suchen nach Licht. Diese Suchbewegung vollzieht sich heute jedoch nicht mehr ausschließlich in analogen Raum. Dies zeigt sich auch in der Recherche nach Unterrichtsmaterialien. Gerade im digitalen Raum greifen Lehrkräfte zunehmend auf Impulse zurück, die ihnen theologisch fundierte und zugleich praxisnahe Anregungen bieten. Plattformen wie Instagram, Blogs oder kurze audiovisuelle Formate eröffnen dabei neue Zugänge für religiöse Bildungsprozesse.
Mit der Reihe #Lichtmomente entwickeln rpi-virtuell, das NT Dortmund und religlobal drei kompakte Adventsimpulse im Instagram-Format. Die Impulse begegnen dieser Suche und bieten zudem didaktische Reduktion, ästhetische Zugänge und digitale Narration.
Somit wird *LichtMomente im Advent* zu einem exemplarischen Ort des Transfers:
zwischen wissenschaftlicher Reflexion und schulischer Praxis,
zwischen biblischer Tradition und gegenwärtigen Medienformen,
zwischen religiöser Kompetenzentwicklung und ästhetischem Lernen im digitalen Raum.
## Warum digitale Räume für Religionspädagogik wichtig sind
Religionspädagogische Ideen verbreiten sich heute nicht mehr nur analog, sondern hybrid:
Texte, Methoden und Beiträge wandern zwischen Präsenzunterricht, digitalen Sammlungen, Materialplattformen und sozialen Medien. Sie werden in der Wissenschaft und Praxis digital gespeichert, bearbeitet und geteilt.
rpi-virtuell bietet dafür seit Jahren eine verlässliche Struktur:
- offen zugängliche Materialien
- theologische Inhalte
- didaktische Unterstützungen
- Austausch und Community
Es ist ein digitaler Ort, an dem Fachwissen geteilt, weitergedacht und gemeinsam gestaltet werden kann gerade im Advent, wenn viele Lehrkräfte schnell nach Ideen greifen, die zugleich fachlich belastbar und ästhetisch ansprechend sind.
Lara Gotthard zeigt mit dem Account @nt.evangelisch_tudortmund: Der digitale Raum kann Lernort sein, ästhetische Werkstatt, spiritueller Impuls und Austauschfeld zugleich.
Mehr dazu im Blogbeitrag [Instagram als Lernort](https://oer.community/instagram-als-lernort).
[religlobal](https://religlobal.org) macht exemplarisch sichtbar, welches Potenzial offene Bildungsangebote (OEP) für einen zeitgemäßen Religionsunterricht besitzen. Das digitale Baukastensystem zeigt praxisnah, wie Materialien transparent, zugänglich und zugleich global ausgerichtet bereitgestellt werden können. So wird die Dimension des Globalen Lernens im Religionsunterricht nicht nur theoretisch greifbar, sondern konkret erfahrbar für Lehrkräfte wie für Schüler:innen gleichermaßen.
## Drei Posts Drei #LichtMomente
Die Reihe umfasst drei kurze Instagram-Impulse, die jeweils ein klassisches Advent-/Weihnachtsthema aufgreifen und als kreative, offene Lernanregung gestaltet sind.
Jeder Post funktioniert als Story-Starter:
ein Element, das Funken schlägt — und das Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene weiterdenken, remixen, kommentieren oder im Unterricht aufgreifen können.
Die Reihe umfasst drei Impulse:
1. einen Poetry-Slam zu [Jes 9,16](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/ISA.9)
![Dunkelheit](10.jpg) <br>*mit Canva erstellt*</br>
2. eine Bibel-Spurensuche in [Mt 2](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/MAT.2) und [Lk 2](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/LUK.2)
![Lupe](1.jpg) <br>*mit Canva erstellt*</br>
3. einen globalen Weihnachtsimpuls zu [Joh 8,12](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/JHN.8)
![Weihnachten](Weihnachtenglobal.jpg) <br>*mit Canva erstellt*</br>
## **Lichtmoment 1**: Jesaja 9,16 Wenn Dunkel spricht, schweigt Gott nicht
Der erste Impuls beginnt mit einem für die Adventszeit zentralen Text: [Jes 9,16](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/ISA.9).
Der Prophet spricht in eine Zeit politischer Unsicherheit, sozialer Spannungen und kollektiver Angst hinein. Die Menschen, an die er sich richtet, „wandeln im Finstern“.
Aus diesem Grund entfaltet seine Verheißung eine besondere Kraft:
„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein helles Licht.“
![Bibeltext](17.jpg) <br>*mit Canva erstellt*</br>
Diese Zusage ist kein Vertröstungsversprechen, sondern eine theologische Gegenrede zur Erfahrung von Bedrängnis. Sie markiert den Beginn einer Hoffnung, die nicht von stabilen äußeren Bedingungen ausgeht, sondern von Gottes Zuwendung.
In der religionspädagogischen Umsetzung wird der Text zum Ausgangspunkt für einen Poetry-Slam als [PDF-Datei](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/add-blogpost-lichtmomente-NEU/Website/content/2025-12-08-Lichtmomente/PoetrySlamArbeitsauftrag.pdf):
Der Text Jesaja 9,1ff. spricht genau in solche Situationen hinein.
Die Adressaten des Propheten erleben politische Bedrängnis und gesellschaftliche Unsicherheit.
Die Zusage eines „hellen Lichts“ steht als Gegenbild zu Angst und Finsternis. Für die Schüler:innen wird deutlich:
Die biblische Hoffnung entsteht nicht abseits der Realität, sondern inmitten einer dunklen Situation. Sie eröffnet Perspektiven von Befreiung, Gerechtigkeit und Frieden Themen, die für Jugendliche im Übergang zur Adoleszenz von hoher emotionaler Relevanz sind.
Schau dir den ganzen Stundenentwurf auf Instagram an bei rpi-virtuell an [Dunkelheit](https://www.instagram.com/p/DR7db9WjI2J/?igsh=MTNvNm85d2Rianlhcg%3D%3D).
## **Lichtmoment 2**: Bibel-Spurensuche Dem Licht auf der Spur in [Mt 2,1-12](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/MAT.2) und [Lk 2,1-20](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/LUK.2)
![Zielgruppe](2.jpg) <br>*mit Canva erstellt*</br>
Im zweiten Impuls begeben sich die Lernenden bewusst auf Spurensuche: Wo taucht Licht in den Weihnachtsgeschichten auf und welche Funktion hat es dort?
Dafür werden zwei Textausschnitte gegenübergestellt und in Einzelarbeit in zwei Gruppen (A und B) erarbeitet.
Mit der Methode der Bibel-Spurensuche markieren die Lernenden zunächst ihren jeweiligen „Lichtmoment“ im Text.
Mt 2,9-11; LUT 2017
Lk 2, 9; LUT 2017
Anschließend füllen sie in Partnerarbeit die LICHTSPUR-KARTE als [PDF-Datei](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/add-blogpost-lichtmomente-NEU/Website/content/2025-12-08-Lichtmomente/Dokument%20Lichtspur-Karte.pdf) aus:
- Wo taucht das Licht auf?
- Was bedeutet das Licht?
- Welche Rolle spielt das Licht heute?
Es erfolgt ein weiterer Austausch zwischen einem Pärchen aus Gruppe A und einem Pärchen aus Gruppe B.
![Arbeitsblatt](6.jpg) <br>*mit Canva erstellt*</br>
Schau dir den ganzen Stundenentwurf auf Instagram an bei nt.evangelisch_tudortmund [Spurensuche](https://www.instagram.com/p/DR_5C55jVfB/?igsh=MW1mNGV6aWV4OWU4cw%3D%3D).
## **Lichtmoment 3**:„Ich bin das Licht der Welt“ Weihnachten global denken (Joh 8,12)
![GlobalesLernen](GlobalesLernen.jpg) <br>*mit Canva erstellt*</br>
Der dritte Impuls „Ich bin das Licht der Welt.“ ([Joh 8,12](https://www.die-bibel.de/bibel/LU12/JHN.8)) soll den Lernenden verdeutlichen, Weihnachten ist kein lokales Ereignis, sondern ein globales Lichtgeschehen.
Die Lernenden betrachten eine Weltkarte analog (Kontinente im Raum auslegen) oder digital (Whiteboard) ![digital](https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/dd/World%2C_administrative_divisions_-_de_-_colored_%28all_countries%29.svg/1600px-World%2C_administrative_divisions_-_de_-_colored_%28all_countries%29.svg.png?20121218085416oder)und markieren Orte, an denen heute Licht aufscheint:
**Initiativen für Frieden**
**Orte, an denen Menschen für Gerechtigkeit eintreten**
**internationale Gemeinden, die Weihnachten unter schwierigen Bedingungen feiern**
**persönliche Bezüge (Herkunft, Reisen, Begegnungen), die „Lichtmomente“ tragen**
In kurzen Stichworten benennen sie, warum dieser Ort für sie ein Lichtpunkt ist:
Mut, Zusammenhalt, Trost, Hoffnung, Würde, Schutz …
Anschließend werden diese Markierungen in ein gemeinsames Ritual überführt.
In kurzen Fürbitten oder Segenssätzen bringen die Lernenden ihre Lichtworte zur Sprache:
- „Wir denken an die Menschen in …“
- „Schenke Licht, wo Dunkelheit ist.“
- „Christus, Licht der Welt leuchte in diese Welt.“
So entsteht ein globales Bild von Weihnachten:
**Licht, das Menschen verbindet.**
**Licht, das Grenzen überschreitet.**
**Licht, das im Sinne Jesu allen gilt nicht nur einem Ort, einer Kultur oder einer Zeit.**
Weitere Materialien zu Jesus Christus Global findest du hier [religlobal](https://religlobal.org/unit/jesus-christus-global)
## Zwischen Tradition und medialer Kultur
Die Reihe #LichtMomente zeigt, wie digitale Medien ein theologisches Thema nicht oberflächlich verkürzen, sondern didaktisch und ästhetisch vertiefen können. Instagram wird zum Lernort, der Bilder, Worte und Symbole zusammenführt. Die Verbindung von biblischer Tradition, wissenschaftlicher Theologie, didaktischer Reduktion und digitaler Narration eröffnet neue Wege für religionspädagogische Prozesse.
Was hier sichtbar wird, ist ein exemplarischer Transferraum:
Wissenschaftliche Inhalte werden für die Praxis aufbereitet, ohne inhaltliche Tiefe einzubüßen. Lehrkräfte erhalten Impulse, die sie unmittelbar in ihren Lerngruppen einsetzen können. Und Lernende erfahren religiöse Sprache in einer Form, die ihre Lebenswelt ernst nimmt.
## Toolinfo: Audio mit Schüler:innen aufnehmen
Audioaufnahmen bieten eine kreative Möglichkeit, Unterricht lebendig zu gestalten: Podcasts, Hörspiele, Interviews oder Reflexionen lassen sich schnell produzieren und machen Lerninhalte nachhaltig erlebbar. Gleichzeitig müssen Lehrkräfte beim Umgang mit Schülerdaten die DSGVO beachten und Tools mit klaren Lizenzbedingungen einsetzen.
| Tool | Plattform | Lizenz / Kosten | Besonderheiten |
| ------------------------------------- | ------------------- | --------------------- | ---------------------------------------------------------- |
| **Audacity** | Windows, Mac | Open Source (GPL) | Offline, umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten |
| **GarageBand** | Mac, iOS | Kostenlos | Multitrack, einfache Bedienung, nur Apple-Geräte |
| **Smartphone-Recorder / Sprachmemo** | iOS / Android | Kostenlos | Schnell & unkompliziert für kurze Audioaufnahmen
Eine kleine Arbeitshilfe ist es, wenn die Aufnahmen mit einem Handy gemacht werden, um im Anschluss diese dann in **Audacity** nachträglich bearbeiten. Für eine kleine Einführung in Audicity siehe diesen [Artikel](https://www.medien-in-die-schule.de/werkzeugkaesten/werkzeugkasten-freie-software/werkzeugportraits-freie-software/freie-software-im-portrait-audacity/) und diese [Video-Reihe](https://vimeo.com/showcase/45014).
Weitere Möglichkeiten:
| Tool | Plattform / Geräte | Zielgruppe / Einsatz | Audiofunktion | Vorteile | Datenschutz / DSGVO |
| ---------------- | -------------------------- | -------------------------------------------------- | ---------------------------------------------------- | ---------------------------------------------------------------- | -------------------------------------------------------------------------------------------------- |
| **TaskCards** | Browserbasiert, PC, Tablet | Gruppenarbeit, Lernstationen, ältere Schüler:innen | Audio-Dateien hochladen / aufnehmen (je nach Lizenz) | Kollaborativ, interaktive Lernboards, Links/QR-Codes für Audio | Inhalte bleiben im geschützten Raum, Zugriff kontrollierbar, DSGVO-konform bei geschützter Nutzung |
| **ChatterPix** | iOS / Android App | Grundschule, kreative Projekte, Storytelling | Direktaufnahme über App, Mundbewegung animieren | Spielerisch, motivierend, ideal für Storytelling / Fremdsprachen | Audio lokal auf Gerät gespeichert (30 Sekunden), Einwilligung erforderlich für Teilen/Veröffentlichung |
| **Book Creator** | Browser, iOS / Android App | Alle Altersgruppen, Projektarbeit, E-Portfolios | Direktaufnahme in Buch / Seite einfügen | Multimedial, individuelles Portfolio, Feedback möglich | Speicherung lokal oder schulinterne Cloud → DSGVO-konform; Veröffentlichung nur mit Einwilligung |
## Good to know für Lehrende
**Datenschutz & DSGVO: Was Lehrkräfte wissen müssen**
- Stimmen gelten als personenbezogene Daten.
- Einwilligung der Schüler:innen bzw. Erziehungsberechtigten ist erforderlich.
- Aufnahmen dürfen nur für den angegebenen Zweck verwendet werden.
- Speicherung muss sicher und begrenzt erfolgen.
- Zugriffsrechte müssen klar geregelt sein.
**Praxis-Tipps:**
- Einwilligung einholen (schriftlich oder digital).
- Zweck und Nutzung klar kommunizieren.
- Aufbewahrungsdauer festlegen.
- Dateien sicher ablegen (z.B. schulischer Server oder DSGVO-konforme Cloud).
- Veröffentlichung regeln: Nur mit erneuter Zustimmung.
Audioaufnahmen sind ein kraftvolles Werkzeug im Unterricht, um Kreativität, Sprache und Reflexion zu fördern. Mit den richtigen Tools, klaren Regeln und Beachtung der DSGVO können Lehrkräfte Projekte sicher und datenschutzkonform durchführen.
## Ausblick
Die drei Lichtmomente laden dazu ein, sowohl biblische Texte als auch ästhetische Lernformen neu zu entdecken.
Ob in poetischen Sprachen, in visueller Spurensuche oder in liturgischen Symbolhandlungen das Lichtmotiv des Advents erweist sich als besonders geeignet, die Frage nach Hoffnung, Orientierung und Deutungskraft religiöser Tradition in die Gegenwart zu übertragen.
Der Account [@nt.evangelisch_tudortmund](https://www.instagram.com/nt.evangelisch_tudortmund/) zeigt beispielhaft, wie Theologie digital sichtbar wird - niedrigschwellig, inspirierend, partizipativ.
Das Projekt religlobal schärft den blick auf Religion in Materialien des Globalen Lernens.
## Weiterführende Materialien
### Texte mit der Methode Poetry
**Poetry-Slam**
https://www.cornelsen.de/_Resources/Persistent/a/b/9/2/ab928cca676fa095db8f2bcde2f8d2f283319bca/0001100000220%20KEMNMI_190717_001_9783060976739_Magazin_Poetry-Slam.pdf
### Stimmaufnahme
**Audioaufnahmen**
https://digitale-lehre.fau.de/digital-lehren/umsetzen/lehrformate-digitalisieren/audio-aufnahme
**Audacity**
https://www.uni-hamburg.de/elearning/anleitungen/audacity.html
https://digileb.phbern.ch/medien-gestalten-und-nutzen/medien-gestalten/audio-bearbeiten
### Weitere Tools mit Audiofunktion
**Chatterpix**
https://www.medien-in-die-schule.de/tools/apps/chatterpix
**Book Creator**
https://lehrerfortbildung-bw.de/st_digital/medienwerkstatt/fortbildungen/lern2/2_werk/3_mmtext/book_creator_anleitung.pdf
https://www.biss-sprachbildung.de/btools/erstellen-von-e-books-z-b-mit-dem-book-creator
### Weihnachten global
**Brot für die Welt Weltkarte**
Actionbound https://www.brot-fuer-die-welt.de/material/projektbesuche-gerechtigkeit/
**Weltkarte Engagement global**
https://www.das-weltspiel.com/de/links-detail/weltkarte-perspektiven-wechseln/
**Weltverteilungsspiel**
https://bne-sachsen.de/app/uploads/2020/04/Weltverteilungsspiel_2020.pdf
**Friedenslicht**
https://www.friedenslicht.de/jahresthema
**Frieden**
https://www.frieden-fragen.de/entdecken/weltkarten.html

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'Open ist eine Haltung: Wie Lehrkräfte mit OER umgehen'
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OER verkörpern eine Vision von Offenheit, Kollaboration und Bildungsgerechtigkeit, stoßen in der Praxis jedoch häufig noch auf Widerstände. Lehrende suchen selten gezielt nach OER und teilen Materialien oft ohne rechtssichere Kennzeichnung. Wie lässt sich ein bildungskultureller Wandel vollziehen?
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- https://w3id.org/kim/educationalLevel/level_A
datePublished: '2025-12-12'
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- Laura Mößle
- Paula Gregorio
title: 'Open ist eine Haltung: Wie Lehrkräfte mit OER umgehen'
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OER verkörpern eine Vision von Offenheit, Kollaboration und Bildungsgerechtigkeit, stoßen in der Praxis jedoch häufig noch auf Widerstände. Lehrende suchen selten gezielt nach OER und teilen Materialien oft ohne rechtssichere Kennzeichnung. Wie lässt sich ein bildungskultureller Wandel vollziehen?
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tags:
- Open Educational Resources (OER)
- Open Educational Practices (OEP)
- Creative Commons
- Rechtsfragen
- Lizenzen
- Religionspädagogik
- Haltung
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# *Open* ist eine Haltung: Wie Lehrkräfte mit OER umgehen
OER versprechen weit mehr als den bloßen Zugang zu Unterrichtsmaterialien. Neben der unkomplizierten Verfügbarkeit von Arbeitsblättern, Präsentationen oder Schaubildern verkörpern sie eine bildungstheoretische Vision, die auf *Kollaboration*, *Offenheit* und *Bildungsgerechtigkeit* zielt.
Empirische Studien ([Baas et al. 2022](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub); [Buntins et al. 2024](https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2024.01.10.X); [Admiraal 2022](https://www.researchgate.net/publication/350954901_A_Typology_of_Educators_Using_Open_Educational_Resources_for_Teaching)) zeigen jedoch, dass zwischen diesem Anspruch und der Realität in der Praxis von Schulen und Hochschulen erhebliche Spannungen bestehen. Gerade diese Diskrepanz verweist auf das Potenzial von OER, einen *kulturellen Wandel* in der Bildung zu initiieren.
## Eine Frage der Ressourcen
Lehrpersonen und Hochschuldozierende greifen bei der Vorbereitung von Unterricht oder Seminaren überwiegend auf institutionell bereitgestellte Materialien oder Suchergebnisse aus dem Internet zurück. Eine gezielte Suche nach OER kommt nur selten vor und ist weniger Ausdruck bewusster Ablehnung als mangelnder Bekanntheit. Wird geeignetes Material gefunden, spielt die ausgewiesene Lizenz für sie meist nur eine untergeordnete Rolle.
Viele Lehrende teilen eigene, selbst erstellte Materialien zwar bereitwillig mit Dritten, jedoch ohne ausgewiesene Lizenz, sodass automatisch die Restriktionen des Urheberrechts greifen. Die damit verbundenen Implikationen sind den meisten Lehrenden in der Regel nicht bewusst ([vgl. Buntins et al. 2024](https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2024.01.10.X)).
[Admiraal (2022)](https://www.researchgate.net/publication/350954901_A_Typology_of_Educators_Using_Open_Educational_Resources_for_Teaching) spricht in diesem Zusammenhang von einer *verborgenen* Nutzung. Lehrkräfte greifen auf Materialien zurück, die sie online finden oder von Kolleg:innen erhalten, ohne sich genauer mit den rechtlichen Vorgaben für die Nutzung und Verbreitung auseinanderzusetzen.
Treffen sie zufällig auf OER, ist ihnen das meist gar nicht bewusst. In der Regel verbleibt die Nutzung im Bereich individuellen Konsums oder kleiner Anpassungen für eine unterrichtliche Anpassung. Der Schritt zur aktiven, öffentlichen Gestaltung und Weiterentwicklung von OER bleibt bei den meisten Lehrenden die Ausnahme, obgleich gerade hier das Potenzial für eine Veränderung der Lehr- und Lernkultur liegt ([vgl. Littlejohn & Hood 2017](https://doi.org/10.1016/j.compedu.2017.02.009)).
## Didaktische Passung als Schlüssel
Ob OER tatsächlich genutzt werden, hängt wesentlich von der Wahrnehmung ihrer *Qualität* im Verhältnis zum eigenen Unterricht ab. [Admiraal 2022](https://www.researchgate.net/publication/350954901_A_Typology_of_Educators_Using_Open_Educational_Resources_for_Teaching) hebt hervor, dass sich die zentralen Herausforderungen der Lehrkräfte bei der OER-Nutzung darauf beziehen, geeignete, qualitativ hochwertige und zugleich kontextrelevante Materialien zu finden.
Die Qualitätswahrnehmung erfolgt keineswegs abstrakt, sondern in enger Verbindung zum jeweiligen Schul- und Unterrichtskontext.
Materialien müssen anschlussfähig an den eigenen Unterrichtsstil und die spezifischen Lernziele sein. Insofern ist Qualität für Lehrpersonen weniger eine universale Eigenschaft der OER, sondern eine *relationale Kategorie*, die sich aus Passung, Aktualität und situativer Relevanz ergibt. Offenheit im Sinne der Lizenzierung ist dabei ein wesentlicher Ermöglichungsfaktor, sie wird jedoch nicht als Selbstzweck wahrgenommen, sondern tritt hinter die Frage zurück, ob ein Material didaktisch sinnvoll einsetzbar und für die konkrete Lerngruppe geeignet ist.
## Barrieren und blinde Flecken
Studien verweisen zunehmend auf strukturelle Hemmnisse als zentrale Ursache für die bislang eingeschränkte Nutzung von OER. [Baas et al. (2022)](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub) zeigen, dass Lehrende insbesondere mit der begrenzten Sichtbarkeit und Auffindbarkeit qualitativ geeigneter Materialien konfrontiert sind, da relevante und aktuelle Ressourcen häufig schwer zugänglich sind.
Darüber hinaus mangelt es weitestgehend noch immer an einer systematischen institutionellen Unterstützung. Fortbestehende rechtliche und technische Unsicherheiten, etwa im Hinblick auf offene Lizenzen und Fragen der Implementierung in bestehende Curricula, stellen eine Hürde für Lehrende dar. Diese Bedingungen hemmen nach wie vor die nachhaltige Integration offener Bildungsressourcen in den Schul- und Hochschulkontext. Selbst unter erfahrenen OER-Nutzenden herrschen noch immer Lizenzunsicherheiten vor (vgl. [Admiraal 2022](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub)).
## Von der Ressource zur offenen Praxis
OER entfalten ihr transformatives Potenzial erst, wenn sie nicht lediglich als konsumierbare Materialien verstanden, sondern in *offene Bildungspraktiken*, sog. *Open Educational Practices* (OEP), eingebettet werden. Damit sind z.B. Prozesse der Adaption, Weiterentwicklung, Veröffentlichung und kooperativen Gestaltung gemeint. Die Studien von [Buntins et al. (2024)](https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2024.01.10.X) und [Admiraal (2022)](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub) zeigen jedoch, dass Lehrkräfte OER bislang, wenn sie diese überhaupt nutzen, überwiegend adaptieren oder rezipieren, während eigenständige Produktion und kollaborative Entwicklung marginal bleiben. Insbesondere das Teilen erfolgt meist innerhalb vertrauter schulischer Netzwerke, während öffentliche Plattformen (aufgrund fehlender rechtlicher Kenntnisse) nur selten genutzt werden.
Gerade hierin liegt jedoch eine Chance. Werden Lehrkräfte in offenen Praktiken unterstützt, z.B. durch rechtliche Orientierung, niedrigschwellige technische Lösungen und kollaborative Formate, können OER zu *Motoren einer innovationsorientierten Bildungskultur* werden.
[Baas et al. (2022)](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub) betonen, dass kollaborative Prozesse nicht nur Materialien verbessern, sondern auch Perspektivenvielfalt integrieren und die gemeinsame Aushandlung von Qualitätsmaßstäben fördern. Dies verändert zugleich die professionelle Selbstwahrnehmung von Lehrkräften, von Materialnutzenden hin zu *Ko-Produzent:innen und Qualitätsgestalter:innen*.
## Offenheit als Kulturwandel: Religionspädagogische Perspektiven
Warum kann sich eine Auseinandersetzung mit OER - trotz der aufgezeigten Hindernisse - besonders für Lehrende lohnen? Was rechtfertigt den zusätzlichen Aufwand ihrer Erstellung für die Lehrpraxis? Aus *religionspädagogischer Sicht* bieten OER Chancen auf unterschiedlichen Ebenen. Sie eröffnen sowohl didaktische als auch strukturelle Handlungsräume, die über traditionelle Materialien hinausgehen und für die religionspädagogische Arbeit gewinnbringend sein können. Zum Beispiel:
1. **Kontextualisierte Materialien**: OER können passgenau auf die jeweilige Zielgruppe, den religiös pluralen Kontext und spezifische Lernbedarfe für schulische, außerschulische oder hochschulische Bildung zugeschnitten werden.
2. **Kollaborative Entwicklung**: Offene Plattformen wie das [relilab](https://relilab.org) ermöglichen die gemeinschaftliche Erstellung und Weiterentwicklung religionspädagogischer Materialien über Institutions- und Konfessionsgrenzen hinweg. Hier stehen niedrigschwellige Räume bereit, in denen Bildungsmaterialien ökumenisch und interreligiös entwickelt und im Austausch stetig verbessert werden können.
3. **Partizipative Lernprozesse**: Die aktive Einbindung von Lernenden in die Materialentwicklung setzt die zentrale religionsdidaktische Perspektve der Subjektorientierung ganz konkret um. Lernende werden nicht als Rezipient:innen, sondern als Gestaltende ihres eigenen Bildungsprozesses wahr- und ernstgenommen. Die Subjektorientierung als konstitutives Prinzip religiöser Bildung betrachtet Lernende als aktive Subjekte mit eigener Deutungs- und Handlungskompetenz. Durch partizipative Lernprozesse, die durch OEP unterstützt werden, werden Lernende in das Zentrum religiöser Bildungsprozesse gerückt.
4. **Machtsensible Gestaltung**: Das kollaborative Erstellen von OER eröffnet vielfältigen Stimmen Raum und trägt dazu bei, unterschiedliche Perspektiven auf einen religiösen Lerngegenstand sichtbar zu machen. Dies lässt sich fruchtbar mit ideologiekritischer Religionspädagogik verbinden, die Vielfalt ernst nimmt, Machtstrukturen kritisch reflektiert und religiöse Bildung als bewusst gestalteten Reflexionsprozess versteht. Offene Bildungspraktiken unterstützen Lernende dabei, Materialien kritisch zu hinterfragen und eigene, machtsensible Bildungsmaterialien einzubringen.
5. **Aktualität**: Durch ihre Offenheit lassen sich OER fortlaufend an neue Kontexte anpassen. Dies umfasst sowohl veränderte bildungstheoretische Ansätze und länderspezifische Lehrpläne als auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und kirchenpolitische Fragestellungen. So bleiben die Materialien relevant und anschlussfähig an gegenwärtige Diskurse.
Eine nachhaltige Integration von offenen Bildungspraktiken in die religionspädagogische Landschaft erfordert einen Paradigmenwechsel. Offenheit ist eine *Haltung*, die z.B. in Workshops und Fortbildungen erlernt und eingeübt werden kann. In diesem Sinn ist *open* keine rein technische oder rechtliche Kategorie, sondern eine *pädagogische Haltung* und damit ein Bekenntnis zu einer Bildungskultur, die Teilhabe nicht nur ermöglicht, sondern als grundlegendes Prinzip begreift.
Besonders in der Religionspädagogik knüpft diese Offenheit an das christliche Bildungsverständnis an. Wissen ist kein zu hütender Schatz, den man verbergen sollte, sondern etwas, das „überfließend“ geteilt werden darf, um andere zu unterstützen und in ihrer Entwicklung zu fördern.
Ein langfristiges Ziel in Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten muss es also sein, Lehrende darin zu unterstützen, offene Praktiken als Bestandteil ihrer Lehrpraxis und ihres Bildungsauftrags zu gestalten.
## Literaturangaben
* [Admiraal, W. (2022). *A typology of educators using Open Educational Resources for teaching*. International Journal on Studies in Education 4 (1), 123](https://www.researchgate.net/publication/350954901_A_Typology_of_Educators_Using_Open_Educational_Resources_for_Teaching).
* [Baas, M.; Van der Rijst, R.; Huizinga, T.; van der Berg, E.; Admiraal, W. (2022). *Would you use them? A qualitative study on teachers' assessments of open educational resources in higher education*. The Internet and Higher Education 54, 114](https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1096751622000136?via%3Dihub).
* [Buntins, K., Diekmann, D., Klar, M., Rittberger, M., Kerres, M. (2024). «Material teilen? Praktiken der Entwicklung und Nutzung digitaler Unterrichtsmaterialien von Lehrpersonen an Schulen in Deutschland». MedienPädagogik (Occasional Papers): 133](https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2024.01.10.X).
* [Littlejohn, A. & Hood, N. (2017). *How educators build knowledge and expand their practice: The case of open educational resources*. British Journal of Educational Technology 48 (2), 499510. doi:10.1111/bjet.12438](https://doi.org/10.1111/bjet.12438).

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## Zwischenfazit-Tagung 2026 in Nürnberg - „Mit OER zu einer Kultur des Teilens“
Die Bekanntheit von OER nimmt in den letzten Jahren langsam zu und entwächst der Nische, dennoch bleiben viele Fragen offen: Wie arbeiten OER-Communities eigentlich zusammen? Wie entstehen Materialien wirklich kollaborativ? Welche Strukturen, Motivationen und Herausforderungen prägen das gemeinsame Arbeiten? Und wie kann eine Kultur des Teilens konkret gelebt werden? Diesen Fragen widmet sich die FOERBICO Zwischenfazit Tagung 2026 in Nürnberg mit Impulsen aus der Forschung, Stimmen aus der Praxis und interaktiven Formaten.
Obwohl es zahlreiche Tagungen zu OER und Open Educational Practices (OEP) gibt, stehen meist technische Fragen oder die Materialerstellung sowie Vorteile von OER in der Bildungsarbeit im Vordergrund. Diese Veranstaltungen sind wichtig für die Stärkung offener Bildungspraktiken und die Förderung der OER-Produktion. Die Zusammenarbeit von OER-Communities selbst wird jedoch bislang kaum thematisiert.
Unser FOERBICO Team nimmt diese Lücke in den Blick: Seit August 2024 erforschen wir OER-Communities im religionsbezogenen Bildungsbereich mit einem besonderen Augenmerk auf die Zusammenarbeit, Dynamiken und Strukturen innerhalb dieser Gruppen.
Am 24. und 25. Februar 2026 möchten wir in Nürnberg unsere Ergebnisse vorstellen und gemeinsam diskutieren.
[![Anmeldebutton](/save-the-date/anmeldebutton.png)](https://www.evrel.phil.fau.de/foerbico-tagung-2026/)
## Tagungsprogramm
**Dienstag, 24. Februar**
| Uhrzeit | Programmpunkt | Referent:innen / Hinweise |
| :-----: | ----------------------------------------------------------------------------------------- | ------------------------- |
| 13:30 | **Begrüßung** | |
| 14:00 | **Zwischenergebnisse aus FOERBICO ein Überblick** | |
| | • Zentrale Einsichten aus dem Forschungsstand | |
| | • Ergebnisse aus den Interviews der Begleitforschung | |
| | • Aktueller Stand der OER-Communities und ihrer Vernetzungen (Community-Hub) | |
| | • Aktueller Stand der Entwicklung von Qualitätskriterien | |
| 15:30 | ☕ **Kaffee-Pause** | |
| 16:00 | **Aktuelle Herausforderungen und Perspektiven für OER und OEP** | Prof. Dr. Daniel Otto |
| 17:15 | 🧭 **Wegfindungs-Pause** | |
| 17:30 | **Thematische Workshops** | |
| | • Community Hub | |
| | • Qualitätskriterien | |
| | • Community of Praxis | |
| 19:00 | 🍽️ **Abendessen** | |
| 20:00 | **Abend der Begegnung**: Gelegenheit, eigene Projekte vorzustellen und sich auszutauschen | |
**Mittwoch, 25. Februar**
| Uhrzeit | Programmpunkt | Referent:innen / Hinweise |
| :-----: | ------------------------------------------------- | -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- |
| 09:00 | **Begrüßung** | |
| 09:15 | **Community-Workshops** | |
| | • relilab | |
| | • reliGlobal | |
| | • RELImentar | |
| 10:45 | ☕ **Kaffee-Pause** | |
| 11:45 | **Critical Friends (Kommentierungen und Podium)** | Dr. Susanne Friz, Dr. Alexandra Habicher, Prof. Dr. Ilona Nord, Prof. Dr. Franco Rau - **Moderation:** Prof. Dr. Manfred Pirner |
| 12:45 | **Ende der Tagung** | |
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## Abschluss-Tagung 2027 - Save-the-Date: 24. & 25.02.2027 an der Goethe-Universität Frankfurt
Weitere Infos folgen!

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