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![Ein Biber, ein Löwe und ein Nilpferd im Stile der Charaktere aus der Kinderbibel der Löwe von Juda KI generiert](Gemini_Generated_Image_k0cbmok0cbmok0cb.png) <br>*Bildquelle: Gemini*</br>
Es ist kurz vor Weihnachten, als ein Verlag ein Werk entdeckt, das eine vielversprechende Idee bietet und auf ein profitables Unterfangen hoffen lässt. Es handelt sich um eine Kinderbibel, die im Stil von Disneyfilmen illustriert ist. Tiere nehmen darin die Rollen von biblischen Personen ein. Der Verlag entscheidet sich dazu,, das innovative Projekt auch in Deutschland auf den Markt zu bringen. Die Promotion auf verschiedenen Websites, Social Media sowie auf Messen ist im vollem Gange, doch von verschiedenen Seiten kommen kritische Stimmen auf. Die Folge: Der Verlag sieht sich gezwungen, das Werk zu depublizieren.
Es ist kurz vor Weihnachten, als ein Verlag ein Werk entdeckt, das eine vielversprechende Idee bietet und auf ein profitables Unterfangen hoffen lässt. Es handelt sich um eine Kinderbibel, die im Stil von Disneyfilmen illustriert ist. Tiere nehmen darin die Rollen von biblischen Personen ein. Der Verlag entscheidet sich dazu, das innovative Projekt auch in Deutschland auf den Markt zu bringen. Die Promotion auf verschiedenen Websites, Social Media sowie auf Messen ist im vollem Gange, doch von verschiedenen Seiten kommen kritische Stimmen auf. Die Folge: Der Verlag sieht sich gezwungen, das Werk zu depublizieren.
Der beschriebene Fall betrifft das Werk *„Der Löwe von Juda“*, das im Dezember 2025 von der Deutschen Bibelgesellschaft wieder vom Markt genommen wurde. In ihrer [Mitteilung](https://www.die-bibel.de/bibel-in-der-praxis/bibel-fuer-kinder/kinderbibelwelten/loewe-von-juda) zur Depublikation steht:
> »Bestimmte Passagen zeigten sich als problematisch im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog. Dazu kam Kritik an der stereotypen Darstellung von Geschlechterrollen und der Visualisierung von Gewalt.«
Dieser Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten problematischen Passagen und zieht im Anschluss ein Resümee. Die Ausführungen werden zudem in den Kontext von Chancen in Hinblick für OER gestellt. Grundsätzlich zeigt der Vorfall, dass Kritik von Individuen, aus der Wissenschaft und aus den Communities produktiv angenommen werden kann. Denn durch Kommentare, Anregungen und Widerspruch ist man überhaupt zu diesem Schritt gekommen. Diesen möchte ich auch nicht als ein Einknicken aufgrund von Kritik interpretieren, sondern als das Ernstnehmen von berechtigter Kritik sowie die Bereitschaft aus fehlern zu lernen.
Dieser Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten problematischen Passagen und zieht im Anschluss ein Resümee. Die Ausführungen werden zudem in den Kontext von Chancen in Hinblick auf OER gestellt. Grundsätzlich zeigt das Beispiel, dass Kritik von Individuen (besser: Einzelnen?), aus der Wissenschaft und aus den Communities, produktiv angenommen werden kann. Denn durch Kommentare, Anregungen und Widerspruch ist man überhaupt zu diesem Schritt gekommen. Diesen möchte ich auch nicht als ein Einknicken aufgrund von Kritik interpretieren, sondern als das Ernstnehmen von berechtigter Kritik sowie die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen.
Die folgende, in den theologischen Diskurs gestellte Erörterung bezieht sich im Wesentlichen auf diese Kernkritikpunkte:
- Im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog ist vor allem die Bewertung des Gesetzes sowie die christozentrischen Deutung der hebräischen Bibel problematisch. Das Gesetz wird an einer Markanten, unten genauer thematisierten, Stelle als eine Last und nicht als eine Gnade dargestellt. Zudem wird die hebräische Bibel konsequent von Jesus Christus her gedeutet. Dies führt zu einer falschen Gegenüberstellung der hebräischen Bibel mit dem christlichen Neuen Testament.
- Im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog ist vor allem die Bewertung des Gesetzes sowie die christozentrischen Deutung der hebräischen Bibel problematisch. Das Gesetz wird an einer Markanten, unten genauer thematisierten, Stelle als eine Last und nicht als eine Gnade dargestellt. Zudem wird die hebräische Bibel konsequent von Jesus Christus her gedeutet. Dies führt zu einer falschen Gegenüberstellung von hebräischer Bibel und dem christlichen Neuen Testament.
- Die stereotype Darstellung der Geschlechter zeigt sich darin, dass Frauen, bzw. weiblich zu lesende Tiere, entweder als Verführerin oder als sorgende Mütter abgebildet werden. Während die Männer meist muskulös, groß und kämpferisch illustriert sind. Relevante weibliche Figuren der hebräischen Bibel (z. B. Miriam) werden gar nicht erwähnt.
- Die stereotype Darstellung der Geschlechter zeigt sich darin, dass Frauen, bzw. weiblich zu lesende Tiere, entweder als Verführerin oder als sorgende Mütter abgebildet werden, während die Männer meist muskulös, groß und kämpferisch illustriert sind. Relevante weibliche Figuren der hebräischen Bibel (z. B. Miriam) werden gar nicht erwähnt.
- Gewalt wird in „der Löwe von Juda” durchgehend in einen heroischen Kontext gestellt. Die guten Männer Gottes kämpfen kriegerisch gegen die Feinde der Hebräer bzw. Gottes. Dabei wird die kritische Auseinandersetzung mit Gewalt innerhalb der hebräischen Bibel nicht erwähnt.
@ -89,28 +89,28 @@ Dieses Zitat ist für die weiterführende Auseinandersetzung mit der Kinderbibel
## Kritikpunkt 1: Das schwere Gesetz
Die erste *Problematik* im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog zeigt sich beispielhaft an den Zehn Geboten.
Zu sehen ist ein Bild auf dem ein [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), der Klippdachs, der durch die Kinderbibel führt. Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Dies alleine, könnte zu der Interpretation führen, dass mit dem schwer die steinernen Tafeln gemeint sind. Obwohl die Illustration die Tafeln im Vergleich zu Schafan sehr groß darstellen, wird in der Sprechblase das Wort **Gesetz** und nicht **Tafeln** verwendet. In der biblischen Erzählung von dem Goldenen Kalb hielt Mose die zwei steindernden Tafeln in einer Hand als er zum Volk kam ([Exodus 32](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.32)). Die Bildsprache sowie die Sprechblase liefern somit eine Interpretation, welche über die schwere der Tafeln hinaus geht. Zudem lassen sich innerhalb der Gesamten Kinderbibel Hinweise auf Christus (siehe den zweiten Teil dieses Kritikpunkts), in Schrift und Bild, finden. Durch verschiedene Bilder die das Kreuz beinhalten sowie die Aussage, dass Gesetz sei schwer, wird in eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert übernommen. Diese Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber und zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei.
Die erste *Problematik* im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog zeigt sich beispielhaft (besser exemplarisch?) an den Zehn Geboten.
Zu sehen ist ein Bild eines [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), des Klippdachses, der durch die Kinderbibel führt. Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Dies alleine, könnte zu der Interpretation führen, dass mit dem schwer die steinernen Tafeln gemeint sind. Obwohl die Illustration die Tafeln im Vergleich zu Schafan sehr groß darstellen, wird in der Sprechblase das Wort **Gesetz** und nicht **Tafeln** verwendet. In der biblischen Erzählung von dem Goldenen Kalb hielt Mose die zwei steindernden Tafeln in einer Hand, als er zum Volk kam ([Exodus 32](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.32)). Die Bildsprache sowie die Sprechblase liefern somit eine Interpretation, welche über die Schwere der Tafeln hinaus geht. Zudem lassen sich innerhalb der gesamten Kinderbibel Hinweise auf Christus (siehe den zweiten Teil dieses Kritikpunkts) in Schrift und Bild finden. Durch verschiedene Bilder, die das Kreuz beinhalten, sowie die Aussage, das Gesetz sei schwer, wird eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert (besser: verkürzend?) übernommen. Eine solche (Kommentar: weil 'diese' auf Luthers Theologie bezogen werden könnte) Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber; zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei. Demgegenüber gilt:
> »Das Gesetz Gottes halten zu dürfen, das ist die Gnade der Erwählung, die das Judentum in seinen Festen feiert und die in das Leben der jüdischen Gemeinde ausstrahlt.« ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 63](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)).
Jedoch wird das Gesetz in diesem Beispiel nicht als Gnade, sondern im Bild als Last beschrieben. Zugleich wird durch die Akzentuierung der Zehn Gebote die Bedeutung der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)).
(Satzstreichung wg. Wiederholung) Durch die in der Kinderbibel vorgenommene Akzentuierung der Zehn Gebote wird die Bedeutung der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)).
Die zweite *Problematik* liegt in der Christianisierung der hebräischen Texte. Theologische Grundlagenwerke wie beispielsweise Härles *Dogmatik*, Leonhardts *Grundinformationen Dogmatik* sowie Joest und Lüpkes *Dogmatik I* weisen alle auf einen wichtigen Aspekt hin: **Die hebräische Bibel, das Alte Testament, hat ihre Autorität in sich.**.
<br>Jede Form der Gegenüberstellung der beiden biblischen Bücher oder auch christologische Deutungen der hebräischen Bibel sind konstruiert (Härle 2012, 124-127; Leonhardt 2009, 192; Joest & Lüpke, 71). Die Autoren des Neuen Testaments bauen zwar auf der hebräischen Bibel auf und deuten dies zum Teil auf Christus hin (Joest & Lüpke 2010, 67). In „der Löwe von Juda” sieht man jedoch beim ersten [Pessach](https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach) ein Kreuz auf einer Tür gemalt. Auch in der Geschichte, in der Abraham sein Sohn Isaak opfern soll, wird Isaaks Schatten am Boden als Kreuz gezeichnet. Innerhalb der hebräischen Bibel hat dieses Kreuz noch keine Bedeutung, außer es wird implizit mitgelesen, somit werden die Geschichten aus ihrem Ursprünglichen Kontext beispielsweise das erste Pessach auf Christus hin gedeutet. Dabei wird die jüdische Tradition in ihrer Einzigartigkeit weder gesehen noch gewürdigt, sondern immer in einem bestimmten Heilsgeschehen als eine Vorstufe zum Christentum dargestellt. Im Neuen Testament selbst findet sich bereits die Spannung, dass die Texte der hebräischen Bibel unterschiedlich von den christlichen und jüdischen Gemeinden gedeutet wurden ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 68](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). In der Religionsgeschichte führte dieser Gedanke zur Substitutionsthese, also, dass der Bund Gottes mit Israels aufgehoben wurde und die Kirche den Platz des jüdischen Volkes eingenommen hat. Dieses theologische Bild hat seine Mitverantwortung an [Pogromen](https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559894/pogrom/) bis hin zur [Shoa](https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/shoah-holocaust-churban-was-ist-damit-gemeint) und wird explizit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vertreten ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 67f.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)):
<br>Jede Form der Gegenüberstellung der beiden biblischen Bücher oder auch christologische Deutungen der hebräischen Bibel sind konstruiert (Härle 2012, 124-127; Leonhardt 2009, 192; Joest & Lüpke, 71). Die Autoren des Neuen Testaments bauen zwar auf der hebräischen Bibel auf und deuten dies zum Teil auf Christus hin (Joest & Lüpke 2010, 67). In „der Löwe von Juda” sieht man jedoch beim ersten [Pessach](https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach) ein Kreuz auf einer Tür gemalt. Auch in der Geschichte, in der Abraham sein Sohn Isaak opfern soll, wird Isaaks Schatten am Boden als Kreuz gezeichnet. Innerhalb der hebräischen Bibel hat dieses Kreuz noch keine Bedeutung, außer es wird implizit mitgelesen. Somit werden die Geschichten jenseits ihres ursprünglichen Kontextes auf Christus hin gedeutet. Dabei wird die jüdische Tradition in ihrer Einzigartigkeit weder gesehen noch gewürdigt, sondern immer in einem bestimmten Heilsgeschehen als eine Vorstufe zum Christentum dargestellt. Im Neuen Testament selbst findet sich bereits die Spannung, dass die Texte der hebräischen Bibel unterschiedlich von den christlichen und jüdischen Gemeinden gedeutet wurden ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 68](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). In der Religionsgeschichte führte dieser Gedanke zur Substitutionsthese, die besagt, dass der Bund Gottes mit Israels aufgehoben wurde und die Kirche den Platz des jüdischen Volkes eingenommen habe. Dieses theologische Bild hat seine Mitverantwortung an [Pogromen](https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559894/pogrom/) bis hin zur [Shoa](https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/shoah-holocaust-churban-was-ist-damit-gemeint) und wird explizit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vertreten ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 67f.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)):
<br>Das Herabwürdigen der Gesetze als „schwer" und das gemalte Kreuz beim ersten Pessach als implizite Vorbereitung auf einen Erlöser, der in Jesus Christus erscheinen wird (in „der Löwe von Juda”) ist eine falsche Gegenüberstellung, welche aus einer antijüdischen Auslegungstradition stammt ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 70ff.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)).
## Kritikpunkt 2: Die weiblichen Frauen und die männlichen Männer
Neben der Problematik des Bezugs von jüdischer Tradition und christlicher Interpretation ist die Darstellung von *stereotypen Geschlechterrollen* vor allem in den Hauptcharakteren zu sehen. Diese repräsentieren ein Idealbild. Im Kontext von Repräsentation stellt sich dabei die Frage, „wer spricht wie, wo und wann für wen?“ ([Winkler 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164615)).
Zunächst ist festzuhalten, dass innerhalb dieser Kinderbibel vier weibliche biblische Figuren bildlich dargestellt werden: [Eva](https://www.bibelkommentare.de/lexikon/1393/eva), [Sara](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/sarai-sara), [Potifars Frau](https://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_und_Zulaicha) und die [Tochter des Pharaos](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/tochter-pharaos). Zwar nehmen Männer in den biblischen Texten insgesamt eine zentrale Rolle ein, dennoch ist von Bedeutung, wie weibliche biblische Figuren dargestellt werden oder an welchen Stellen sie fehlen. Auffällig ist insbesondere das Fehlen der Figuren Lea und Mirjam. Lea, die erste Frau Jakobs, wird damit angedeutet, dass Jakob Rahel nur durch eine List später heiraten konnte. Somit wird der tiefere Zusammenhang, warum Jakob seinen Sohn Josef mehr liebte als seine anderen Kinder, ausgeblendet ([Lux 2013](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/josef-josefsgeschichte)). Auch die Schwester von Mose Mirjam, deren Lobgesang für die Exodusgeschichte von Bedeutung ist, kommt nicht vor.
Zunächst ist festzuhalten, dass innerhalb dieser Kinderbibel vier weibliche biblische Figuren bildlich dargestellt werden: [Eva](https://www.bibelkommentare.de/lexikon/1393/eva), [Sara](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/sarai-sara), [Potifars Frau](https://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_und_Zulaicha) und die [Tochter des Pharaos](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/tochter-pharaos). Zwar nehmen Männer in den biblischen Texten insgesamt eine zentrale Rolle ein, dennoch ist von Bedeutung, wie weibliche biblische Figuren dargestellt werden oder an welchen Stellen sie fehlen. Auffällig ist insbesondere das Fehlen der Figuren Lea und Mirjam. Die Existenz von Lea, der ersten Frau Jakobs, wird damit angedeutet, dass Jakob Rahel nur durch eine List später heiraten konnte. Somit wird der tiefere Begründungszusammenhang, warum Jakob seinen Sohn Josef mehr liebte als seine anderen Kinder, ausgeblendet ([Lux 2013](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/josef-josefsgeschichte)). Auch Mirjam, die Schwester von Mose, deren Lobgesang für die Exodusgeschichte von Bedeutung ist, kommt nicht vor.
Die dargestellten Frauen sind in zwei Stereotype abgebildet: **Mutter oder Verführerin**.
Abrahams Frau Sara sowie die Tochter des Pharaos, die Mose aus dem Korb rettet, werden als fürsorgliche, mütterliche Figuren dargestellt. Demgegenüber erscheint die Frau des Potifar in einer lasziven Körperhaltung und wird mit den Worten „Komm her zu mir, Josef“ wiedergegeben. Diese Gegenüberstellung verstärkt eine dichotome Darstellung weiblicher Figuren.
Auf einer Seite, die die Folgen der Sünde thematisiert und dabei offenbar die Erbsündenlehre voraussetzt, werden verschiedene Tiere gezeigt, die sündiges Verhalten verkörpern. Auffällig ist, dass lediglich ein weiblich konnotiertes Tier dargestellt ist, das in einer lasziven Pose erscheint. Diese Darstellung ruft kulturell geprägte Assoziationen hervor, in denen Sexualität mit Sünde gleichgesetzt wird. Auf diese Weise vermittelt die Kinderbibel eine sexualmoralische Vorstellung, in der Sexualität überwiegend negativ konnotiert ist ([Schreiber 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-105145)).
Auf einer Seite der Kinderbibel, die die Folgen der Sünde thematisiert und dabei offenbar die Erbsündenlehre voraussetzt, werden verschiedene Tiere gezeigt, die sündiges Verhalten verkörpern. Auffällig ist, dass lediglich ein weiblich konnotiertes Tier dargestellt ist, das in einer lasziven Pose erscheint. Diese Darstellung ruft kulturell geprägte Assoziationen hervor, in denen Sexualität mit Sünde gleichgesetzt wird. Auf diese Weise vermittelt die Kinderbibel eine sexualmoralische Vorstellung, in der Sexualität überwiegend negativ und in dieser Negativität ausgehend von Frauen konnotiert ist ([Schreiber 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-105145)).
<br>Es gibt anscheinend in der Welt von „der Löwe von Juda” nur zwei Arten von Weiblichkeit. Diese verkürzte Sicht von Frauen reproduziert patriarchale Strukturen, welche unterdrücken, und nimmt wichtige Impulse aus der feministischen Theologie nicht wahr ([Jäger 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-114126)). Zugleich widerspricht diese verkürzte Darstellung einigen Geschichten von Frauen aus den ersten Büchern der hebräischen Bibel, dem [Pentateuch](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/pentateuch), vehement.
Männer wiederrum werden groß, muskulös und körperlich stark dargestellt. Hierbei bildet der junge Josef eine Ausnahme, der jedoch im Laufe der Geschichte an Kraft zunimmt. Noah, der als Biber dargestellt wird, erscheint derart muskulös, dass er gegen Schauspieler Jason Momoa beim Armdrücken bestehen könnte. Mose, als Nilpferd visualisiert, tritt dem Pharao aggressiv entgegen und fordert lautstark die Freilassung seines Volkes, wodurch das biblische Motiv der „schweren Zunge“ ([Exodus 4, 10](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.4)) weitgehend entfällt. Josua, als bunter Wolf, und der kanaanäische Hund Kaleb kämpfen sich wie die Marvel-Avengers durch Horden von Feinden und Monstern, die ihnen keinerlei ernsthafte Bedrohung darstellen.
Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden oder an John Wayne als an die Urväter in der Bibel.
Männer wiederrum werden groß, muskulös und körperlich stark dargestellt. Hierbei bildet der junge Josef eine Ausnahme, der jedoch im Laufe der Geschichte an Kraft zunimmt. Noah, der als Biber dargestellt wird, erscheint derart muskulös, dass er gegen Schauspieler Jason Momoa beim Armdrücken bestehen könnte. Mose, als Nilpferd visualisiert, tritt dem Pharao aggressiv entgegen und fordert lautstark die Freilassung seines Volkes, wodurch das biblische Motiv der „schweren Zunge“ ([Exodus 4, 10](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.4)) weitgehend entfällt. Josua, als bunter Wolf, und der kanaanäische Hund Kaleb kämpfen sich wie die Marvel-Avengers durch Horden von Feinden und Monstern, die für sie keinerlei ernsthafte Bedrohung darstellen.
Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden oder an John Wayne (John Wayne würde ich eher streichen, Superhelden reichen m.E.) als an die Urväter in der Bibel.
## Kritikpunkt 3: Gewalt
@ -120,45 +120,45 @@ Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden oder an John Wayne a
Diese Superheldenlogik führt zum dritten kritischen Punkt: **die unkritische Darstellung von Gewalt**.
Gewalt ist ein ambivalentes menschliches Verhalten, jeder Mensch steht in der Gefahr Gewalt auszuüben und ihr ausgeliefert zu sein ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Die hebräische Bibel enthält viele Geschichten, in denen Gewalt vorkommt; dabei wäre es jedoch falsch, daraus abzuleiten, dass jegliche Form von Gewalt gutgeheißen wird. Beispielsweise der Brudermord von Kain an Abel zeigt auf, welche zerstörerische Kraft in menschlicher Gewalt liegt ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Diese zu Beginn des Pentateuchs so wichtige Geschichte ist eine, die in „der Löwe von Juda” nicht vorkommt. Dadurch werden jedwede Darstellungen von Gewalt in einen heroischen Kontext gesetzt, indem das Böse nur mit Gewalt zerstört werden kann.
Gewalt ist ein ambivalentes menschliches Verhalten. Jeder Mensch steht in der Gefahr Gewalt auszuüben und ihr ausgeliefert zu sein ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Die hebräische Bibel enthält viele Geschichten, in denen Gewalt vorkommt; dabei wäre es jedoch falsch, daraus abzuleiten, dass jegliche Form von Gewalt gutgeheißen wird. Beispielsweise der Brudermord von Kain an Abel zeigt auf, welche zerstörerische Kraft in menschlicher Gewalt liegt ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Diese zu Beginn des Pentateuchs so wichtige Geschichte ist eine, die in „der Löwe von Juda” nicht vorkommt. Dadurch werden jedwede Darstellungen von Gewalt in einen heroischen Kontext gesetzt, indem das Böse nur mit Gewalt zerstört werden kann.
Die Darstellung von Josua und Kaleb und die Landeinnahme sprechen eine interessante Bildsprache: Meist werden, der bunte Wolf Josua und der kanaanäische Hund Kaleb im Kampf recht groß und heldenhaft gezeigt, in Posen, die Stärke und Souveränität vermitteln. Zudem scheinen sie nie die Fassung zu verlieren und können jede Anzahl an Gegner selbstständig besiegen. Somit wird in „der Löwe von Juda” die Spannung von Gewalt und ihre Ambiguität, welche beispielsweise im Gesetzesbuch Deuteronomium ausgehandelt wird ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)), nicht reflektiert. Es muss dabei erwähnt werden, dass die Landeinnahme-Geschichte in der hebräischen Bibel sich von Gewaltgeschichten der altorientalischen Umwelt kaum unterscheiden ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Es werden jedoch die illegitimen Formen von Gewalt sowie ihre Auswirkungen für die Gemeinschaft in der Kinderbibel nicht thematisiert. Dass Gewalt Opfer hervorbringt ([Gronover 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.200591)), wird vor allem in der Darstellung der Josua Erzählung nicht deutlich, denn die Feinde, werden unter anderem als Monster oder Dinosaurier, also als die Inkarnation des Bösen abgebildet. Die Feinde werden *enttierlicht*.
<br>Der Gewaltverzicht Gottes in der Urgeschichte ([Theuer 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.400013)) kommt in der Geschichte der Vertreibung Adam und Evas aus dem Garten zwar vor, jedoch wird dies beiläufig erwähnt.
In der Löwe von Juda findet keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt statt, gerade der innerbiblische Konflikt lädt religionspädagogisch dazu ein ([Theuer 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.400013)).
Die Darstellung von Josua und Kaleb und die Landeinnahme sprechen eine interessante Bildsprache: Meist werden der bunte Wolf Josua und der kanaanäische Hund Kaleb im Kampf recht groß und heldenhaft gezeigt, in Posen, die Stärke und Souveränität vermitteln. Zudem scheinen sie nie die Fassung zu verlieren und können jede Anzahl an Gegner selbstständig besiegen. Somit wird in „der Löwe von Juda” die Spannung von Gewalt und ihre Ambiguität, welche beispielsweise im Gesetzesbuch Deuteronomium ausgehandelt wird ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)), nicht reflektiert. Es muss dabei erwähnt werden, dass die Landeinnahme-Geschichte in der hebräischen Bibel sich von Gewaltgeschichten der altorientalischen Umwelt kaum unterscheiden ([Bezold 2021](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/gewalt-at)). Es werden jedoch die illegitimen Formen von Gewalt sowie ihre Auswirkungen für die Gemeinschaft in der Kinderbibel nicht thematisiert. Dass Gewalt Opfer hervorbringt ([Gronover 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.200591)), wird vor allem in der Darstellung der Josua Erzählung nicht deutlich, denn die Feinde werden unter anderem als Monster oder Dinosaurier und damit als eine Inkarnation des Bösen abgebildet. Die Feinde werden *enttierlicht*.
<br>Der Gewaltverzicht Gottes in der Urgeschichte ([Theuer 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.400013)) kommt in der Geschichte der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten zwar vor, jedoch wird dies eher beiläufig erwähnt.
In der Löwe von Juda findet keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt statt, obwohl doch gerade der innerbiblische Konflikt religionspädagogisch dazu einlädt ([Theuer 2024](https://doi.org/10.23768/wirelex.400013)).
## Weitere theologische Schwierigkeiten
Ein weiteres Problem, welches in der Stellungnahme nur implizit in der Mitteilung erwähnt wird, ist, dass in „der Löwe von Juda” **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden.
Ein weiteres Problem, welches in der Stellungnahme (der Bibelgesellschaft?) nur implizit erwähnt wird, liegt darin, dass in „der Löwe von Juda” **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden.
### Dualistisches Weltbild
Der Löwe von Juda ist von einem Dualismus von Gut und Böse durchzogen. Die Schlange taucht an mehreren Stellen als die Inkarnation des Bösen auf und wird mit dem Satan gleichgesetzt. Dies ist eine genuin christliche Interpretation. Dabei wird diese innerhalb der zweiten Schöpfungsgeschichte nicht als böse, sondern als listig betitelt ([Gen. 3, 1](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.3)). Zudem werden die moralischen Grautöne, welche in den biblischen Geschichten existieren, von einer klaren normativen Einteilung, welche textfremd ist, überstrahlt. Beispielsweise, dass Abraham vor dem Pharao verheimlicht, dass Sara seine Frau sei ([Gen 12, 10-20](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.12)). Es ist selbstredend, dass es bei einer Kinderbibel zu einer didaktischen Reduktion kommen muss. Jedoch kann auch diese das einfache *gut* gegen *böse* Schema kindgerecht durchbrechen.
Der Löwe von Juda ist von einem Dualismus von Gut und Böse durchzogen. Die Schlange taucht an mehreren Stellen als die Inkarnation des Bösen auf und wird mit dem Satan gleichgesetzt. Dies ist eine genuin christliche Interpretation. Dabei wird diese innerhalb der zweiten Schöpfungsgeschichte nicht als böse, sondern als listig betitelt ([Gen. 3, 1](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.3)). Zudem werden die moralischen Grautöne, welche in den biblischen Geschichten existieren, von einer klaren normativen Einteilung, welche textfremd ist, überstrahlt. Beispielsweise, dass Abraham vor dem Pharao verheimlicht, dass Sara seine Frau ist ([Gen 12, 10-20](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.12)). Es ist selbstredend, dass es bei einer Kinderbibel zu einer didaktischen Reduktion kommen muss. Jedoch kann auch diese das einfache *gut* gegen *böse* Schema kindgerecht durchbrechen.
### Gottesbild
Die verschiedenen Gottesbilder der hebräischen Bibel werden aufgegeben für ein klares Gottesbild von einem Gott, der von Beginn einen Plan über das gesamte Weltgeschehen hat.
So heißt es in "Der Löwe von Juda", nach der Vertreibung aus dem Paradies:
Die verschiedenen Gottesbilder der hebräischen Bibel werden aufgegeben für ein klares Gottesbild von einem Gott, der von Beginn an einen Plan über das gesamte Weltgeschehen hat.
So heißt es in "Der Löwe von Juda" nach der Vertreibung aus dem Paradies:
> »Doch Gott gab seine Geschöpfe nicht auf. Er hatte sie doch selbst geschaffen! Daher wollte er sie vor Sünde und Tod retten.«
Dies ist nicht nur ein weiterer Beleg von der Christianiserung der hebräischen Bibel, sondern auch eine Reduktion des Gottesbildes. Dass Gott beispielsweise Reue zeigt ([Gen. 6](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.6)) oder Menschen mit Gott diskutieren können ([Gen. 18, 16-33](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.18)).
Dies ist nicht nur ein weiterer Beleg von der Christianiserung der hebräischen Bibel, sondern auch eine Reduktion des Gottesbildes. Dass Gott beispielsweise Reue zeigt ([Gen. 6](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.6)) oder Menschen mit Gott diskutieren können ([Gen. 18, 16-33](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.18)), wird nicht thematisiert.
## Resümee und Bedeutung für OER
Leider verfehlt "Der Löwe von Juda" aus den oben genannten Gründen das selbst gewählte Ziel der Deutschen Bibelgesellschaft:
> »Als Deutsche Bibelgesellschaft ist es unser Ziel, Menschen eine Begegnung mit der Bibel zu ermöglichen, die theologisch verantwortet und dialogfähig ist.«
Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoch anzurechnen, dass kurz vor Weihnachten der Vertrieb dieser Kinderbibel eingestellt wurde. Am Beispiel von der Veröffentlichung und Depublizierung von „der Löwe von Juda” kann man über Umgang mit Kritik sowie über die Bewertung von Eingeständnissen reflektieren.
Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoch anzurechnen, dass kurz vor Weihnachten der Vertrieb dieser Kinderbibel eingestellt wurde. Am Beispiel der Veröffentlichung und Depublizierung von „der Löwe von Juda” kann man über Umgang mit Kritik sowie über die Bewertung von Eingeständnissen reflektieren.
### Haltung
Es ist nicht selbstverständlich, dass die Deutsche Bibelgesellschaft in dieser Weise mit der Kritik umgeht und an einem Prozess des Austausches mit ihren Kritiker:innen teilnimmt. Sie hätte auch einen anderen Weg einschlagen und auf den weiteren Verkauf der Kinderbibel beharren können. An der Kritik von verschiedenen Seiten zeigt sich aber, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit religiösen Texten ein komplexes Unterfangen ist. Hierzu kann OER aus zwei Perspektiven unterstützend sein.
Erstens der Openness-Gedanke. Dieser geht grundsätzlich davon aus, dass Material und Ressourcen nicht perfekt sind und ständiger Kommentierung und Weiterverarbeitung bedarf. Dabei wird die Hoffnung auf Schwarmintelligenz als redaktionelle Schleife gelegt. Openness ist eine Haltung ([Mößle & Gregorio, 2025](https://oer.community/open-ist-eine-haltung/)), welche in OER und OEP normativ gesetzt wird ([Interview mit Daniel Otto, 2025](https://oer.community/interview-daniel-otto/)).
<br>Die Qualitätssicherung findet bei OER nicht in klassisch einer institutionalisierten Redaktion statt, welche ihre Berechtigung hat. Sondern wird durch die Einladung zur Mitarbeit sowie eine Haltung der Openness ermöglicht. Zudem gibt es Ansätze um Qualität redaktionell zu sichern. Einen Baustein können beispielsweise die Qualitätskriterien, welche das FOERBICO Team erstellt hat, bilden. Die Komplexität der religiösen Bildung ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen explizit verhandelt wird ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)).
<br>Die zweite Perspektive bilden die Communties of Practice. Innerhalb von OER können diese Communities fest organisierte Gruppen sein, oder auch Individuen die sich mit ihrer Fachexpertise für eine gewisse Zeit zusammen tun und einbringen. In diesem Fall kam die kritik von interessierten Individuen auf Instagram ([siehe die Kommentare unter den Post](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/)), sie kam aber auch von Communities of Practice sowie der Wissenschaft. Aus unserer Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit Communities, kann man resümieren, dass in diesen der Gedanke vorherrscht: **Zusammen können wir es besser machen**. Diese Grundhaltung fordert einerseits die Bereitschaft Kritik nicht als etwas zerstörerisches wahrzunehmen, sondern als Hilfestellung. Es wäre wünschenswert, dass der Aufarbeitungsprozess der Deutschen Bibelgesellschaft, nicht nur intern, sondern mit Communities gemeinsam geschieht. Zusätzlich wäre eine Transparenz in der Aufarbeitung spannend. Es gibt im Fall „der Löwe von Juda” viele Aspekte die einzelnen Personen nicht nachvollziehbar erscheinen, diese könnten für Menschen einsichtig werden, damit ein Dialog und gemeinsames Lernen ermöglicht wird.
<br>Die Qualitätssicherung findet bei OER nicht in klassisch einer institutionalisierten Redaktion statt, welche ihre Berechtigung hat. Vielmehr wird sie durch die Einladung zur Mitarbeit sowie eine Haltung der Openness ermöglicht. Zudem gibt es Ansätze, um Qualität redaktionell zu sichern. Einen Baustein dafür können die Qualitätskriterien, welche das FOERBICO Team erstellt hat, bilden. Die Komplexität der religiösen Bildung ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen explizit verhandelt wird ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)).
<br>Die zweite Perspektive bilden die Communties of Practice. Innerhalb von OER können diese Communities fest organisierte Gruppen sein, oder auch Individuen, die sich mit ihrer Fachexpertise für eine gewisse Zeit zusammen tun und einbringen. In diesem Fall kam die Kritik sowohl von interessierten Einzelnen auf Instagram ([siehe die Kommentare unter den Post](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/)), als auch von Communities of Practice sowie der Wissenschaft. Aus unserer Erfahrung im Rahmen der Zusammenarbeit mit Communities kann man resümieren, dass in diesen der Gedanke vorherrscht: **Zusammen können wir es besser machen**. Diese Grundhaltung fordert die Bereitschaft, Kritik nicht als etwas Zerstörerisches wahrzunehmen, sondern als Hilfestellung. Es wäre wünschenswert, dass der Aufarbeitungsprozess der Deutschen Bibelgesellschaft nicht nur intern, sondern mit Communities gemeinsam geschieht, so wie es gegenwärtig auch schon angebahnt ist. Zusätzlich wäre eine Transparenz in der Aufarbeitung spannend. Es gibt im Fall „der Löwe von Juda” viele Aspekte, die einzelnen Personen nicht nachvollziehbar erscheinen. Diese könnten für Menschen einsichtig werden und so ein Dialog und ein gemeinsames Lernen ermöglicht werden.
### Bewertung von Eingeständnissen
### Bewertung von Eingeständnissen (Ich fände 'Fehler als Lernmöglichkeit' in der Überschrift klarer)
Es wäre naheliegend, die Depublizierung von Der Löwe von Juda zum Anlass zu nehmen, aus einer OER-Perspektive grundsätzlich Kritik am Verlagswesen zu üben. Eine solche pauschale Haltung widerspräche jedoch dem Openness-Gedanken. Die im vorliegenden Fall gemachten Fehler wurden kritisch benannt; zugleich wurde der Schritt der Deutschen Bibelgesellschaft als verantwortungsbewusstes Handeln anerkannt. Es war und ist bestimmt kein einfacher Prozess eine solche Entscheidung zu treffen. Meines Erachtnes nach scheint ist eine Haltung des Hörens und das Eingestehen von Fehlern kein Zeichen von Schwäche, sondern erfordert Mut und Stärke. Zudem können wir dies auch als eine Lernmöglichkeit sehen. *Fehler* als eine Lernmöglichkeit zu sehen, ist ein Grundgedanke von OER und OEP.
Es wäre naheliegend, die Depublizierung von Der Löwe von Juda zum Anlass zu nehmen, aus einer OER-Perspektive grundsätzlich Kritik am Verlagswesen zu üben. Eine solche pauschale Haltung widerspräche jedoch dem Openness-Gedanken. Die im vorliegenden Fall problematischen Entscheidungen wurden kritisch benannt; zugleich wurde der Schritt der Deutschen Bibelgesellschaft als verantwortungsbewusstes Handeln anerkannt. Es war und ist bestimmt kein einfacher Prozess, eine solche Entscheidung zu treffen. Meines Erachtens nach ist eine Haltung des Hörens und das Eingestehen von Fehlern kein Zeichen von Schwäche, sondern erfordert Mut und Stärke. Zudem können wir dies auch als eine Lernmöglichkeit sehen. *Fehler* als eine Lernmöglichkeit zu sehen, ist ein Grundgedanke von OER und OEP.
## Literatur
Angelina, Phillip, Buchwald-Chassée, Gina, Gregorio Rodrigo, Paula, Mößle, Laura & Ullmann, Corinna. 2025. Open Educational Resources in der Religionspädagogik erstellen: Rechtliche, technische, pädagogisch-didaktische und religionspädagogische Qualitätskriterien. FOERBICO-Handreichung. https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md