# 🖼️ OER und das vermeintliche Bildlizenz-Dilemma Die Erstellung von Open Educational Resources (OER) sollte eigentlich niedrigschwellig, kreativ und unkompliziert sein. Doch sobald Bilder ins Spiel kommen, wird es für viele kompliziert: Unsicherheit bei Lizenzen, Angst vor Abmahnungen und die Sorge, etwas falsch zu machen. Das Ergebnis ist oft paradox: Materialien werden gar nicht erst veröffentlicht oder nur stark eingeschränkt genutzt, obwohl OER eigentlich genau das Gegenteil ermöglichen soll. ## Die Bildlizenzproblematik ist nicht OER-spezifisch Ein zentraler Punkt, der häufig übersehen wird: Das Urheberrecht gilt immer, unabhängig davon, ob es ein OER-Material ist oder nicht! Das bedeutet: Auch klassische Unterrichtsmaterialien ohne CC-Lizenz können urheberrechtlich problematisch sein. Auch „normale“ Blogbeiträge, Präsentationen oder Websites können Rechte verletzen, denn die Online-Verfügbarkeit bedeutet nicht automatisch Nutzungsrecht. Ein Bild aus einer Google-Suche oder von einer beliebigen Website zu übernehmen ist also nicht „neutraler“ oder „sicherer“, nur weil es kein OER ist, ganz im Gegenteil: Oft ist unklarer, was erlaubt ist und das Risiko der Verletzung von Bildrechten ist sogar größer. ⚠️ **Achtung**: - Auch Coverbilder, Logos, Screenshots o.Ä. stehen unter Copyright und dürfen nicht einfach ohne schriftliche Genehmigung verwendet werden. - Auch Marken- und Personenrechte müssen beachtet werden und erfordern ggf. zusätzliche Genehmigungen wie Fotofreigaben. Insbesondere, wenn Minderjährige abgebildet sind, braucht es die Zustimmung der Eltern! - Selbst wenn ihr eigene Fotos verwendet, solltet ihr kritisch prüfen, was oder wer abgebildet ist. Sind Personen nicht erkennbar, dürft ihr das Bild auch ohne Freigabe verwenden! - Auch KI-generierte Bilder sind nicht automatisch gemeinfrei und sollten ausgewiesen werden. Beachtet immer die Bedingungen der jeweiligen Anbieter! - Ausnahme: [Die 15%-Regel aus § 60a für Unterricht und Lehre](https://open-educational-resources.de/ausnahmen-vom-urheberrecht/). Das gilt auch für [Wissenschaft und Forschung](https://www.uni-bremen.de/urheberrecht/wissensplattform/6-sonderfall-wissenschaftliche-forschung). Das heißt ihr dürft z.B. wissenschaftliche Abbildungen verwenden, aber auch diese müssen korrekt ausgewiesen werden! Mehr dazu auch vom [Deutschen Bibliotheksverband](https://www.bibliotheksverband.de/sites/default/files/2024-08/Urheberrecht_Bildung_Wissenschaft_Kultur.pdf) sowie [irights.info](https://irights.info/artikel/cc-lizenz-und-gesetzliche-nutzungserlaubnisse/32561). 💡 **Tipp**: Alternativen suchen und Bilder ggf. ersetzen, z.B. durch eigene Zeichnungen oder Bilder unter freier Lizenz verwenden oder wenn möglich Link zum Bild statt Bilddatei verwenden! Mehr dazu 👉 https://oer.community/oer-und-oep/lernmodul/ ## OER als Chance: Rechtssicherheit durch klare Lizenzen Hier liegt der eigentliche Vorteil von OER im Bildkontext: OER basiert auf klar definierten offenen Lizenzen, z.B. von [Creative Commons](https://creativecommons.org/). Wenn diese korrekt angewendet werden, entsteht ein hoher Grad an Rechtssicherheit: - Nutzung ist erlaubt - Bearbeitung ist erlaubt (je nach Lizenz) - Weitergabe ist erlaubt - Bedingungen sind transparent (z.B. Namensnennung) Inzwischen gibt es auch viele **Bilddatenbanken** mit frei verfügbaren Bildern unter CC-Lizenz, z.B.: - [Openverse](https://openverse.org/) - [Wikimedia Commons](https://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page) - [Coco Material](https://cocomaterial.com/) - [Nappy.co](https://nappy.co/) - [pxhere](https://pxhere.com/) - [Public Domain Vectors](https://publicdomainvectors.org/) - [Humaans](https://humaaans.com/) - [StockSnap.io](https://stocksnap.io/) - [Skitterphoto](https://skitterphoto.com) - [Openclipart](https://openclipart.org/) Es gibt auch einige Sammlungen mit offenen Bilddatenbanken, z.B. von [ZUM](https://apps.zum.de/quellen), [ZOERR](https://www.zoerr.de/edu-sharing/components/render/30d941b7-c7b8-4cf0-9941-b7c7b88cf06d) oder [OER.info](https://open-educational-resources.de/oer_materialien/wo-finde-ich-kostenlose-bilder-eine-sammlung-von-quellen-fuer-frei-lizensierte-fotos-und-abbildungen/). 💡 **Tipp**: Auch in Suchmaschinen kann man in der Bildersuche über den Suchfilter nach Creative Commons Lizenzen filtern! ## Ampelsystem für Bildnutzung (Praxisbeispiel) Ein Ampelsystem funktioniert sehr gut für Blogs oder Präsentationen, weil es komplexe Lizenzfragen schnell verständlich macht: 🔴 **ROT – Finger weg:** - Bilder unter Copyright -> dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung verwendet werden und müssen ausgewiesen werden - Screenshots von Websites, Social Media oder Artikeln -> auch diese stehen unter Copyright - Bilder ohne erkennbare Lizenz oder Quelle -> „kein Copyright-Hinweis = frei“ gilt leider nicht 👉 Risiko: hohe Abmahngefahr, keine rechtliche Absicherung! 🟡 **GELB – eingeschränkt nutzbar:** - Bilder mit unklarer oder restriktiver Lizenz, z.B. CC BY-NC (nicht-kommerziell → problematisch falls monetärer Kontext) oder CC BY-ND (keine Bearbeitung → ungeeignet für viele OER-Szenarien) - gekaufte Bilder von iStock, GettyImages u.v.m. -> sollte ausgewiesen werden, nicht weiterverwendbar - Bilder aus Canva-Library, von Bilddatenbanken wie Unsplash, Pixabay & Co. -> stehen meistens unter der Anbieter-Lizenz, diese muss entsprechend ausgewiesen werden. Mehr dazu auch in unserem [Blogbeitrag "Canva für OER? Eine Entscheidungshilfe für Bildungsakteure"](https://oer.community/canva/). 👉 Lizenzbedingungen beachten, Weitergabe oder Anpassung ggf. nicht möglich! 🟢 **GRÜN – OER-konform und sicher nutzbar** - CC BY / CC BY-SA / CC0 Lizenzen -> die vollständige Attribution sollte vorhanden sein (Urheber, Lizenz, Quelle, ggf. Änderungen) 👉 Best Practice für OER und rechtssichere Nutzung ## Bildnachweis beachten -> aus ZOERR-Workshop! 💡 **Tipp**: Einige Tools wie der [Lizenzhinweisgenerator](https://lizenzhinweisgenerator.de/), der [CC-Stamper](https://ccstamper.edu-sharing.org/) oder der [Bildmetadatengenerator](https://joerglohrer.github.io/bildmetagenerator/bildlizenzgenerator.html) können euch beim Bildnachweis unterstützen! ## Fazit Das „Bildlizenz-Dilemma“ ist weniger ein Problem von OER selbst, sondern ein allgemeines Problem digitaler Mediennutzung. OER ist nicht die Einschränkung von Kreativität durch Regeln, sondern die Befreiung von Unsicherheit durch Klarheit.