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Es ist kurz vor Weihnachten, als ein Verlag ein Werk entdeckt, das eine vielversprechende Idee bietet und auf ein profitables Unterfangen hoffen lässt. Es handelt sich um eine Kinderbibel, die im Stil von Disneyfilmen illustriert ist. Tiere nehmen darin die Rollen von biblischen Personen ein. Der Verlag entscheidet sich dazu, das innovative Projekt auch in Deutschland auf den Markt zu bringen. Die Promotion auf verschiedenen Websites, Social Media sowie auf Messen ist im vollem Gange, doch von verschiedenen Seiten kommen kritische Stimmen auf. Die Folge: Der Verlag sieht sich gezwungen, das Werk zu depublizieren.
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Der beschriebene Fall betrifft das Werk *„Der Löwe von Juda“*, das im Dezember 2025 von der Deutschen Bibelgesellschaft wieder vom Markt genommen wurde. In ihrer [Mitteilung](https://www.die-bibel.de/bibel-in-der-praxis/bibel-fuer-kinder/kinderbibelwelten/loewe-von-juda) zur Depublikation steht:
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Der beschriebene Fall betrifft das Werk *„der Löwe von Juda“*, das im Dezember 2025 von der Deutschen Bibelgesellschaft wieder vom Markt genommen wurde, zu. In ihrer [Mitteilung](https://www.die-bibel.de/bibel-in-der-praxis/bibel-fuer-kinder/kinderbibelwelten/loewe-von-juda) zur Depublikation steht:
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> »Bestimmte Passagen zeigten sich als problematisch im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog. Dazu kam Kritik an der stereotypen Darstellung von Geschlechterrollen und der Visualisierung von Gewalt.«
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Dieser Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten problematischen Passagen und zieht im Anschluss ein Resümee. Die Ausführungen werden zudem in den Kontext von Chancen in Hinblick auf OER gestellt. Grundsätzlich zeigt das Beispiel, dass Kritik von Individuen (besser: Einzelnen?), aus der Wissenschaft und aus den Communities, produktiv angenommen werden kann. Denn durch Kommentare, Anregungen und Widerspruch ist man überhaupt zu diesem Schritt gekommen. Diesen möchte ich auch nicht als ein Einknicken aufgrund von Kritik interpretieren, sondern als das Ernstnehmen von berechtigter Kritik sowie die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen.
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Dieser Blogartikel widmet sich exemplarisch den hier genannten problematischen Passagen und zieht im Anschluss ein Resümee. Die Ausführungen werden zudem in den Kontext von Chancen in Hinblick auf OER gestellt. Grundsätzlich zeigt dieses Beispiel, dass die Kritik von Einzelnen sowie der Wissenschaft und aus den Communities, produktiv angenommen werden kann. Denn durch Kommentare, Anregungen und Widerspruch ist man überhaupt zu diesem Schritt gekommen. Diesen möchte ich auch nicht als ein Einknicken aufgrund von Kritik interpretieren, sondern als das Ernstnehmen von berechtigter Kritik sowie die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen.
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Die folgende, in den theologischen Diskurs gestellte Erörterung bezieht sich im Wesentlichen auf diese Kernkritikpunkte:
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@ -81,7 +81,7 @@ Die folgende, in den theologischen Diskurs gestellte Erörterung bezieht sich im
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[Zum Instagram-Beitrag der Deutschen Bibelgesellschaft](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/)
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Dies wurde bei der Veröffentlichung von „der Löwe von Juda” der Instagramseite der Deutschen Bibelgesellschaft gepostet [Statement](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/). Dabei ist vor allem folgende Sätze für die Auseinandersetzung mit dem Werk wichtig:
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Dies wurde bei der Veröffentlichung von „der Löwe von Juda” der Instagramseite der Deutschen Bibelgesellschaft gepostet [Statement](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/). Dabei sind vor allem folgende Sätze für die Auseinandersetzung mit dem Werk wichtig:
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> »Diese Darstellungen sind nicht willkürlich, sondern symbolisch aufgeladen und medienpädagogisch fundiert. Sie ermöglichen Kindern, sich mit den Figuren zu identifizieren, ohne durch kulturelle und soziale Merkmale ausgeschlossen zu werden.«
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@ -89,11 +89,11 @@ Dieses Zitat ist für die weiterführende Auseinandersetzung mit der Kinderbibel
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## Kritikpunkt 1: Das ‘schwere’ Gesetz
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Die erste *Problematik* im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog zeigt sich beispielhaft (besser exemplarisch?) an den Zehn Geboten.
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Zu sehen ist ein Bild eines [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), des Klippdachses, der durch die Kinderbibel führt. Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Dies alleine, könnte zu der Interpretation führen, dass mit dem ‚schwer‘ die steinernen Tafeln gemeint sind. Obwohl die Illustration die Tafeln im Vergleich zu Schafan sehr groß darstellen, wird in der Sprechblase das Wort **Gesetz** und nicht **Tafeln** verwendet. In der biblischen Erzählung von dem Goldenen Kalb hielt Mose die zwei steindernden Tafeln in einer Hand, als er zum Volk kam ([Exodus 32](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.32)). Die Bildsprache sowie die Sprechblase liefern somit eine Interpretation, welche über die Schwere der Tafeln hinaus geht. Zudem lassen sich innerhalb der gesamten Kinderbibel Hinweise auf Christus (siehe den zweiten Teil dieses Kritikpunkts) in Schrift und Bild finden. Durch verschiedene Bilder, die das Kreuz beinhalten, sowie die Aussage, das Gesetz sei schwer, wird eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert (besser: verkürzend?) übernommen. Eine solche (Kommentar: weil 'diese' auf Luthers Theologie bezogen werden könnte) Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber; zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei. Demgegenüber gilt:
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Die erste *Problematik* im Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog zeigt sich exemplarisch an den Zehn Geboten.
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Zu sehen ist ein Bild eines Klippdachses Namens [Schafan](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schafan), der durch die Kinderbibel führt. Schafan versucht zwei große steinerne Tafeln, auf denen die Zehn Gebote geschrieben stehen, zu bewegen. Dabei sagt er: »Puh, das Gesetz ist furchtbar schwer!«. Dies alleine, könnte zu der Interpretation führen, dass mit dem ‚schwer‘ die steinernen Tafeln gemeint sind. Wenngleich die Illustration die Tafeln im Vergleich zu Schafan sehr groß darstellen, wird in der Sprechblase das Wort **Gesetz** und nicht **Tafeln** verwendet. In der biblischen Erzählung von dem Goldenen Kalb hielt Mose die zwei steindernden Tafeln in einer Hand, als er zum Volk kam ([Exodus 32](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.32)). Die Bildsprache sowie die Sprechblase liefern somit eine Interpretation, welche über die Schwere der Tafeln hinaus geht. Zudem lassen sich innerhalb der gesamten Kinderbibel Hinweise auf Christus (siehe den zweiten Teil dieses Kritikpunkts) in Schrift und Bild finden. Durch verschiedene Bilder, die das Kreuz beinhalten, sowie die Aussage, das Gesetz sei schwer, wird eine Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium, welche Luther stark machte, unreflektiert verkürzend übernommen. Eine solch Unterscheidung stellt die hebräische Bibel und das Neue Testament dualistisch gegenüber; zudem wird das Gesetz als etwas Erdrückendes und nicht als etwas Wegweisendes dargestellt ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)). Das Aufzeigen von der Schwere des Gesetzes impliziert »falsche gnadentheologische Oppositionsfiguren« von Evangelium und Gesetz ([Hailer 2025](https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/164233)). Es wird bei ihrer Einführung impliziert, dass Menschen sich nicht daran halten könnten, da es so schwer sei. Demgegenüber gilt:
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> »Das Gesetz Gottes halten zu dürfen, das ist die Gnade der Erwählung, die das Judentum in seinen Festen feiert und die in das Leben der jüdischen Gemeinde ausstrahlt.« ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 63](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)).
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(Satzstreichung wg. Wiederholung) Durch die in der Kinderbibel vorgenommene Akzentuierung der Zehn Gebote wird die Bedeutung der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)).
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Durch die in der Kinderbibel vorgenommene Akzentuierung der Zehn Gebote wird die Bedeutung der Tora stark verkürzt und der jüdische Glauben als eine Gesetzesreligion bzw. als eine Religion der Werkgerechtigkeit reduziert ([Boschki & Schlag 2016](https://doi.org/10.23768/wirelex.Gesetz_und_Evangelium_Evangelium_und_Thora.100171)).
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Die zweite *Problematik* liegt in der Christianisierung der hebräischen Texte. Theologische Grundlagenwerke wie beispielsweise Härles *Dogmatik*, Leonhardts *Grundinformationen Dogmatik* sowie Joest und Lüpkes *Dogmatik I* weisen alle auf einen wichtigen Aspekt hin: **Die hebräische Bibel, das Alte Testament, hat ihre Autorität in sich.**.
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<br>Jede Form der Gegenüberstellung der beiden biblischen Bücher oder auch christologische Deutungen der hebräischen Bibel sind konstruiert (Härle 2012, 124-127; Leonhardt 2009, 192; Joest & Lüpke, 71). Die Autoren des Neuen Testaments bauen zwar auf der hebräischen Bibel auf und deuten dies zum Teil auf Christus hin (Joest & Lüpke 2010, 67). In „der Löwe von Juda” sieht man jedoch beim ersten [Pessach](https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/p/pessach) ein Kreuz auf einer Tür gemalt. Auch in der Geschichte, in der Abraham sein Sohn Isaak opfern soll, wird Isaaks Schatten am Boden als Kreuz gezeichnet. Innerhalb der hebräischen Bibel hat dieses Kreuz noch keine Bedeutung, außer es wird implizit mitgelesen. Somit werden die Geschichten jenseits ihres ursprünglichen Kontextes auf Christus hin gedeutet. Dabei wird die jüdische Tradition in ihrer Einzigartigkeit weder gesehen noch gewürdigt, sondern immer in einem bestimmten Heilsgeschehen als eine Vorstufe zum Christentum dargestellt. Im Neuen Testament selbst findet sich bereits die Spannung, dass die Texte der hebräischen Bibel unterschiedlich von den christlichen und jüdischen Gemeinden gedeutet wurden ([Evangelische Kirche in Deutschland 2015, 68](https://www.ekd.de/pm101_2015_grundlagentext_religioese_vielfalt.htm)). In der Religionsgeschichte führte dieser Gedanke zur Substitutionsthese, die besagt, dass der Bund Gottes mit Israels aufgehoben wurde und die Kirche den Platz des jüdischen Volkes eingenommen habe. Dieses theologische Bild hat seine Mitverantwortung an [Pogromen](https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/was-heisst-antisemitismus/glossar-antisemitismus/559894/pogrom/) bis hin zur [Shoa](https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/shoah-holocaust-churban-was-ist-damit-gemeint) und wird explizit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vertreten ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 67f.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)):
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<br>Das Herabwürdigen der Gesetze als „schwer" und das gemalte Kreuz beim ersten Pessach – als implizite Vorbereitung auf einen Erlöser, der in Jesus Christus erscheinen wird (in „der Löwe von Juda”) – ist eine falsche Gegenüberstellung, welche aus einer antijüdischen Auslegungstradition stammt ([Evangelische Kirche in Deutschland 2002, 70ff.](https://www.ekd.de/christen_und_juden_i_bis_iii.htm)).
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@ -110,7 +110,7 @@ Auf einer Seite der Kinderbibel, die die Folgen der Sünde thematisiert und dabe
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<br>Es gibt anscheinend in der Welt von „der Löwe von Juda” nur zwei Arten von Weiblichkeit. Diese verkürzte Sicht von Frauen reproduziert patriarchale Strukturen, welche unterdrücken, und nimmt wichtige Impulse aus der feministischen Theologie nicht wahr ([Jäger 2025](https://doi.org/10.15496/publikation-114126)). Zugleich widerspricht diese verkürzte Darstellung einigen Geschichten von Frauen aus den ersten Büchern der hebräischen Bibel, dem [Pentateuch](https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/pentateuch), vehement.
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Männer wiederrum werden groß, muskulös und körperlich stark dargestellt. Hierbei bildet der junge Josef eine Ausnahme, der jedoch im Laufe der Geschichte an Kraft zunimmt. Noah, der als Biber dargestellt wird, erscheint derart muskulös, dass er gegen Schauspieler Jason Momoa beim Armdrücken bestehen könnte. Mose, als Nilpferd visualisiert, tritt dem Pharao aggressiv entgegen und fordert lautstark die Freilassung seines Volkes, wodurch das biblische Motiv der „schweren Zunge“ ([Exodus 4, 10](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/EXO.4)) weitgehend entfällt. Josua, als bunter Wolf, und der kanaanäische Hund Kaleb kämpfen sich wie die Marvel-Avengers durch Horden von Feinden und Monstern, die für sie keinerlei ernsthafte Bedrohung darstellen.
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Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden oder an John Wayne (John Wayne würde ich eher streichen, Superhelden reichen m.E.) als an die Urväter in der Bibel.
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Die männlichen Charaktere erinnern stärker an Superhelden als an die Urväter in der Bibel.
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## Kritikpunkt 3: Gewalt
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@ -128,7 +128,7 @@ In der Löwe von Juda findet keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Ge
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## Weitere theologische Schwierigkeiten
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Ein weiteres Problem, welches in der Stellungnahme (der Bibelgesellschaft?) nur implizit erwähnt wird, liegt darin, dass in „der Löwe von Juda” **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden.
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Ein weiteres Problem, welches in der Stellungnahme der Bibelgesellschaft nur implizit erwähnt wird, liegt darin, dass in „der Löwe von Juda” **die Theologie** der Kinderbibel doch sehr einseitig ist. Diese soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden.
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### Dualistisches Weltbild
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@ -137,14 +137,14 @@ Der Löwe von Juda ist von einem Dualismus von Gut und Böse durchzogen. Die Sch
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### Gottesbild
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Die verschiedenen Gottesbilder der hebräischen Bibel werden aufgegeben für ein klares Gottesbild von einem Gott, der von Beginn an einen Plan über das gesamte Weltgeschehen hat.
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So heißt es in "Der Löwe von Juda" nach der Vertreibung aus dem Paradies:
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So heißt es in „der Löwe von Juda” nach der Vertreibung aus dem Paradies:
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> »Doch Gott gab seine Geschöpfe nicht auf. Er hatte sie doch selbst geschaffen! Daher wollte er sie vor Sünde und Tod retten.«
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Dies ist nicht nur ein weiterer Beleg von der Christianiserung der hebräischen Bibel, sondern auch eine Reduktion des Gottesbildes. Dass Gott beispielsweise Reue zeigt ([Gen. 6](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.6)) oder Menschen mit Gott diskutieren können ([Gen. 18, 16-33](https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.18)), wird nicht thematisiert.
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## Resümee und Bedeutung für OER
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Leider verfehlt "Der Löwe von Juda" aus den oben genannten Gründen das selbst gewählte Ziel der Deutschen Bibelgesellschaft:
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Leider verfehlt „der Löwe von Juda” aus den oben genannten Gründen das selbst gewählte Ziel der Deutschen Bibelgesellschaft:
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> »Als Deutsche Bibelgesellschaft ist es unser Ziel, Menschen eine Begegnung mit der Bibel zu ermöglichen, die theologisch verantwortet und dialogfähig ist.«
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Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoch anzurechnen, dass kurz vor Weihnachten der Vertrieb dieser Kinderbibel eingestellt wurde. Am Beispiel der Veröffentlichung und Depublizierung von „der Löwe von Juda” kann man über Umgang mit Kritik sowie über die Bewertung von Eingeständnissen reflektieren.
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@ -153,10 +153,10 @@ Trotz all dieser Kritikpunkte am Werk ist es der deutschen Bibelgesellschaft hoc
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Es ist nicht selbstverständlich, dass die Deutsche Bibelgesellschaft in dieser Weise mit der Kritik umgeht und an einem Prozess des Austausches mit ihren Kritiker:innen teilnimmt. Sie hätte auch einen anderen Weg einschlagen und auf den weiteren Verkauf der Kinderbibel beharren können. An der Kritik von verschiedenen Seiten zeigt sich aber, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit religiösen Texten ein komplexes Unterfangen ist. Hierzu kann OER aus zwei Perspektiven unterstützend sein.
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Erstens der Openness-Gedanke. Dieser geht grundsätzlich davon aus, dass Material und Ressourcen nicht perfekt sind und ständiger Kommentierung und Weiterverarbeitung bedarf. Dabei wird die Hoffnung auf Schwarmintelligenz als redaktionelle Schleife gelegt. Openness ist eine Haltung ([Mößle & Gregorio, 2025](https://oer.community/open-ist-eine-haltung/)), welche in OER und OEP normativ gesetzt wird ([Interview mit Daniel Otto, 2025](https://oer.community/interview-daniel-otto/)).
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<br>Die Qualitätssicherung findet bei OER nicht in klassisch einer institutionalisierten Redaktion statt, welche ihre Berechtigung hat. Vielmehr wird sie durch die Einladung zur Mitarbeit sowie eine Haltung der Openness ermöglicht. Zudem gibt es Ansätze, um Qualität redaktionell zu sichern. Einen Baustein dafür können die Qualitätskriterien, welche das FOERBICO Team erstellt hat, bilden. Die Komplexität der religiösen Bildung ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen explizit verhandelt wird ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)).
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<br>Die Qualitätssicherung findet bei OER nicht in klassisch einer institutionalisierten Redaktion statt, welche ihre Berechtigung hat. Vielmehr wird sie durch die Einladung zur Mitarbeit sowie eine Haltung der Openness ermöglicht ([Mößle 2026](https://oer.community/autorisierte-schulbuecher-oder-offene-oer/)). Zudem gibt es Ansätze, um Qualität redaktionell zu sichern. Einen Baustein dafür können die Qualitätskriterien, welche das FOERBICO Team erstellt hat, bilden. Die Komplexität der religiösen Bildung ist unter anderem ein Grund, warum die Qualitätskriterien recht ausführlich geworden sind und das Thema von stereotypischer Darstellung und Replizierung von Vorurteilen explizit verhandelt wird ([Mößle, 2025](https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/) und [Angelina et al., 2025](https://git.rpi-virtuell.de/Comenius-Institut/FOERBICO_und_rpi-virtuell/src/branch/main/qualitaetskriterien/handreichung-qualitaetskriterien.md)).
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<br>Die zweite Perspektive bilden die Communties of Practice. Innerhalb von OER können diese Communities fest organisierte Gruppen sein, oder auch Individuen, die sich mit ihrer Fachexpertise für eine gewisse Zeit zusammen tun und einbringen. In diesem Fall kam die Kritik sowohl von interessierten Einzelnen auf Instagram ([siehe die Kommentare unter den Post](https://www.instagram.com/p/DQB3hZZjKqV/)), als auch von Communities of Practice sowie der Wissenschaft. Aus unserer Erfahrung im Rahmen der Zusammenarbeit mit Communities kann man resümieren, dass in diesen der Gedanke vorherrscht: **Zusammen können wir es besser machen**. Diese Grundhaltung fordert die Bereitschaft, Kritik nicht als etwas Zerstörerisches wahrzunehmen, sondern als Hilfestellung. Es wäre wünschenswert, dass der Aufarbeitungsprozess der Deutschen Bibelgesellschaft nicht nur intern, sondern mit Communities gemeinsam geschieht, so wie es gegenwärtig auch schon angebahnt ist. Zusätzlich wäre eine Transparenz in der Aufarbeitung spannend. Es gibt im Fall „der Löwe von Juda” viele Aspekte, die einzelnen Personen nicht nachvollziehbar erscheinen. Diese könnten für Menschen einsichtig werden und so ein Dialog und ein gemeinsames Lernen ermöglicht werden.
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### Bewertung von Eingeständnissen (Ich fände 'Fehler als Lernmöglichkeit' in der Überschrift klarer)
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### Fehler als Lernmöglichkeit
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Es wäre naheliegend, die Depublizierung von Der Löwe von Juda zum Anlass zu nehmen, aus einer OER-Perspektive grundsätzlich Kritik am Verlagswesen zu üben. Eine solche pauschale Haltung widerspräche jedoch dem Openness-Gedanken. Die im vorliegenden Fall problematischen Entscheidungen wurden kritisch benannt; zugleich wurde der Schritt der Deutschen Bibelgesellschaft als verantwortungsbewusstes Handeln anerkannt. Es war und ist bestimmt kein einfacher Prozess, eine solche Entscheidung zu treffen. Meines Erachtens nach ist eine Haltung des Hörens und das Eingestehen von Fehlern kein Zeichen von Schwäche, sondern erfordert Mut und Stärke. Zudem können wir dies auch als eine Lernmöglichkeit sehen. *Fehler* als eine Lernmöglichkeit zu sehen, ist ein Grundgedanke von OER und OEP.
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@ -204,6 +204,8 @@ Lux, Rüdiger. 2013. „Josef / Josefsgeschichte“. Das Wissenschaftliche Bibel
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Mößle, Laura. 2025. "Offenheit ist kein Gegensatz zu Qualität. Religionspädagogische Qualitätskriterien für OER". FOERBICO-Blog (oer.community). https://oer.community/qualitaetskriterien-checkliste/
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Mößle, Laura. 2026. "Autorisierte Schulbücher oder offene OER? - Eine Frage der Materialkultur". FOERBICO-Blog (oer.community). https://oer.community/autorisierte-schulbuecher-oder-offene-oer/
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Mößle, Laura & Gregorio Rodrigo, Paula. 2025. "Open ist eine Haltung: Wie Lehrkräfte mit OER umgehen". FOERBICO-Blog (oer.community). https://oer.community/open-ist-eine-haltung/
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Ruding, Thilo Alexander. 2012. „Schoah“. Das Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de). https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/schoah.
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