fOERbico/Website/content/de/posts/2026-03-05-OER-Plattformen/index.md

21 KiB
Raw Blame History

@context creativeWorkStatus type name description license id creator creator creator inLanguage about learningResourceType educationalLevel datePublished author title cover summary url tags
https://schema.org/ Published LearningResource 'Offen und doch wenig sichtbar? OER-Plattformen für religionspädagogische Bildungsmaterialien' Plattformen spielen eine wichtige, bisher jedoch wenig beachtete Rolle bei der Nutzung und Verbreitung von OER. Im Internet gibt es zahlreiche Plattformen zur Distribution von Materialien, die jedoch nicht immer als OER gekennzeichnet sind und nicht durchgehend Inhalte für das Fach Religion anbieten. Der Beitrag gibt einen exemplarischen Überblick über Plattformen mit religionspädagogischen Bildungsmaterialien und ordnet diese hinsichtlich fachlicher Eignung und Zielgruppen ein. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de https://oer.community/oer-plattformen
givenName familyName id type affiliation
Paula Xue Paschke https://orcid.org/0009-0003-1857-2883 Person
name id type
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt https://ror.org/04cvxnb49 Organization
givenName familyName id type affiliation
Ruth Peschers Person
name id type
Universität Duisburg-Essen Organization
givenName familyName id type affiliation
Laura Mößle Person
name id type
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt https://ror.org/04cvxnb49 Organization
de
https://w3id.org/kim/hochschulfaechersystematik/n02
https://w3id.org/kim/hochschulfaechersystematik/n03
https://w3id.org/kim/hcrt/text
https://w3id.org/kim/hcrt/web_page
https://w3id.org/kim/educationalLevel/level_A
2026-03-05
Paula Xue Paschke
Ruth Peschers
Laura Mößle
Offen und doch wenig sichtbar? OER-Plattformen für religionspädagogische Bildungsmaterialien
relative image hiddenInSingle
true OER-Erstellung.png false
Plattformen sind zentral für die Verbreitung von OER, wurden bisher jedoch wenig beachtet. Der Beitrag gibt einen exemplarischen Überblick über Plattformen mit religionspädagogischen Materialien und bewertet deren fachliche Eignung sowie Zielgruppen. oer-plattformen
Open Educational Resources (OER)
Open Educational Practices (OEP)
Bildungsmedien
Plattformen
OER-Ökosystem
Metadaten

Open Educational Resources (OER) und Open Educational Practices (OEP) stehen für das Anliegen, öffentlich finanzierte Bildungsangebote im formalen Bildungssystem breiter zugänglich zu machen und Bildungsprozesse strukturell zu öffnen (vgl. UNESCO 2019, 7). Mit diesem Anspruch verbinden sich zugleich diverse Erwartungen: Offene Bildungsmaterialien sollen nicht nur frei verfügbar, sondern auch rechtlich transparent nutzbar sein. Trotz dieser bildungspolitischen Bedeutung stellt sich in der Praxis häufig eine sehr grundlegende Frage: Wo lassen sich OER überhaupt finden? Gerade für Religionslehrkräfte, Multiplikator:innen und weitere Praktiker:innen ist die Orientierung in der digitalen Materiallandschaft nicht immer einfach. Eine zentrale, bislang jedoch vergleichsweise wenig beachtete Rolle spielen dabei die Plattformen, über die OER bereitgestellt, gesucht und verbreitet werden. Im Internet existiert eine Vielzahl solcher Plattformen mit unterschiedlichen technischen Strukturen, Zugangslogiken und Formen der Qualitätssicherung. Nicht alle Materialien sind eindeutig als OER gekennzeichnet, und nicht auf allen Plattformen finden sich Ressourcen mit spezifischer fachlicher Passung für den Religionsunterricht. Der vorliegende Beitrag gibt einen exemplarischen Überblick über zentrale Plattformen für religionspädagogische Bildungsmaterialien. Ziel ist es, ihre jeweiligen Funktionen, Strukturen und Zielgruppen sichtbar zu machen und damit eine erste Orientierung in der heterogenen Plattformlandschaft offener Bildungsressourcen zu ermöglichen

1. OER finden: Plattformen und ihre Logiken

Wer nach OER im Internet sucht, bewegt sich durch ein vielschichtiges digitales Ökosystem. Offene Bildungsmaterialien verteilen sich auf Suchmaschinen, Repositorien und communitybasierte Plattformen jede mit eigener Logik, eigenen Zugangswegen und unterschiedlichen Formen der Qualitätssicherung.

Manche Angebote bündeln Materialien redaktionell, andere setzen auf algorithmische Auffindbarkeit oder kollektive Kuratierung durch Nutzer:innen. Entscheidend ist, die jeweiligen Plattformtypen zu kennen, ihre Logik zu verstehen und ihre Potenziale wie auch ihre Grenzen bei der Suche einschätzen zu können. Grundsätzlich kann im Feld der Plattformen zwischen zwei Konzeptionen unterschieden werden:

Repositorien (Speicher- und Veröffentlichungsplattformen)

Repositorien ermöglichen das Hochladen eigener Materialien, bei denen die OER dauerhaft gespeichert, archiviert und zitierfähig gemacht werden. Je nach Plattformen können interaktive Elemente zur Gestaltung der Materialien genutzt werden.

Referatorium (Referenz- und Verzeichnisplattformen)

Diese Plattformen fungieren in erster Linie als Aggregatoren. Sie verlinken auf bereits extern veröffentlichte Materialien, ohne selbst Hosting-Strukturen bereitzustellen. In solchen Fällen muss das Material zuvor auf einer anderen Plattform bzw. einem Repositorium veröffentlicht werden.

2. Allgemeine Suchforen: Hohe Reichweite, geringe Strukturierung

Plattformen wie YouTube und Google sind für viele Lehrende der erste Anlaufpunkt bei der Materialsuche. Sie bieten eine große Vielfalt an Bildungsinhalten und ermöglichen über Creative-Commons-Filter auch die gezielte Suche nach offen lizenzierten Materialien. Gleichzeitig sind sie keine spezifischen OER-Infrastrukturen. Ihre Logik orientiert sich an Reichweite und Sichtbarkeit, nicht an pädagogischen und fachdidaktischen Standards oder konsistenter Lizenztransparenz. Entsprechend eignen sie sich vor allem zur Inspiration und ersten Orientierung, erfordern jedoch eine sorgfältige rechtliche, fachliche und didaktische Prüfung der gefundenen Materialien.

3. OER-Suchmaschinen: Materialien vernetzen und auffindbar machen

Spezialisierte OER-Suchmaschinen bündeln frei zugängliche Materialien aus unterschiedlichen Quellen. Dabei reicht das Spektrum von reinen Suchinstrumenten bis hin zu kuratierten Plattformen mit Community-Elementen. Z.B. liefert Openverse etwa die Möglichkeit, die gezielte Suche nach frei lizenzierten Bildern und Audiodateien, differenziert nach Lizenztyp, Nutzungsmöglichkeiten und Quelle.

WirLernenOnline verbindet Funktionen einer OER-Suchmaschine mit Elementen einer Community-Plattform. Materialien lassen sich differenziert nach Fächern und Bildungsstufen recherchieren und werden durch Fachredaktionen kuratiert, die eine erste fachliche und didaktische

Qualitätsorientierung bieten. Getragen wird das Projekt von Wikimedia Deutschland und edu-sharing.net e.V. Die Plattform richtet sich an eine breite Bildungslandschaft vom Elementarbereich über Schule und berufliche Bildung bis hin zur Hochschule und Erwachsenenbildung. Strukturell kombiniert sie repositoryartige und referatorische Funktionen: Materialien können sowohl vorgeschlagen als auch eigene OER über Beteiligungsfunktionen veröffentlicht werden. Neben offen lizenzierten Materialien finden sich jedoch auch frei zugängliche Ressourcen ohne offene Lizenz. Für das Fach Religion weist die Plattform mit über 16.000 Materialien eine hohe fachliche Passung auf; eingereichte Inhalte werden vor der Veröffentlichung durch eine Fachredaktion geprüft.

ELIXIER fungiert als metasuchbasierte Infrastruktur der Bildungsserver der Länder. Die Plattform aggregiert redaktionell ausgewählte Bildungsmedien, erschließt sie über standardisierte Metadaten und erlaubt eine gezielte OER-Filterung. Zugleich bleibt sie ein Nachweissystem: Die didaktische Angemessenheit und kontextuelle Passung müssen von den Nutzer:innen selbst geprüft werden. Gerade im religionspädagogischen Kontext setzt die Arbeit mit OER daher eine reflektierte pädagogische Urteilskraft voraus.

4. Repositorien und OER-Plattformen: Strukturierung und Qualitätssicherung

Repositorien und spezialisierte OER-Plattformen bieten übersichtliche Sammlungen offen lizenzierter Materialien. Im Unterschied zu allgemeinen Plattformen arbeiten sie mit standardisierten Metadaten, differenzierten Filteroptionen sowie redaktionellen und/oder communitybasierten Qualitätssicherungsmechanismen. Dadurch wird OER nicht nur auffindbar, sondern auch fachlich einordnungsfähig.

Der Open Educational Resources Search Index OERSI ist eine Suchmaschine für offene Bildungsmaterialien im Hochschulbereich und wird seit 2020 gemeinsam vom Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen und der Technische Informationsbibliothek betrieben. Als Referatorium bündelt die Plattform nationale und internationale OER aus unterschiedlichen Repositorien und macht sie über standardisierte Metadaten zentral recherchierbar. Für theologische Inhalte ist die fachliche Passung derzeit mittel; während für katholische und evangelische Theologie jeweils nur wenige Dutzend Materialien verzeichnet sind, ist etwa die Philosophie deutlich stärker vertreten. Eine redaktionelle Prüfung der Inhalte erfolgt nicht.

[ORCA.nrw]https://www.orca.nrw/) der Open Resources Campus NRW verfolgt einen integrativen Ansatz: Neben der Veröffentlichung und Vernetzung von OER im Hochschulkontext integriert die Plattform die OERSI-Suche, bietet fachlich strukturierte Sammlungen (z. B. Fächerbibliotheken) und flankiert dies durch Beratungs- und Serviceangebote zur Qualitätssicherung und OER-Produktion.

Ähnlich verbindet twillo Materialbereitstellung mit rechtlicher Beratung und Unterstützungsangeboten zur Erstellung offener Bildungsressourcen. Die Plattform ist das niedersächsische Portal für Open Educational Resources in der Hochschullehre und richtet sich vor allem an Lehrende. Neben der Bereitstellung und Recherche von OER bietet sie Informationen zu rechtlichen Grundlagen, Vernetzungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote zur Erstellung offener Bildungsmaterialien. Strukturell verbindet twillo Repositoriums- und Referatoriumsfunktionen: Materialien können sowohl hochgeladen als auch als Verlinkungen vorgeschlagen werden. Für theologische Inhalte ist die fachliche Passung derzeit begrenzt, während angrenzende Disziplinen wie Philosophie deutlich stärker vertreten sind; eine redaktionelle Prüfung der eingereichten Materialien erfolgt nicht.

Das ZOERR das zentrale Repositorium für OER in Baden-Württemberg ermöglicht Publikation, Austausch und Bearbeitung von Materialien für die Hochschullehre; redaktionelle Prüfprozesse bieten eine erste Qualitätsorientierung.

Die Plattform ZUM-Unterrichten wird von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet betrieben und richtet sich vor allem an den schulischen Bereich der Sekundarstufen I und II. Ein Hochladen eigener Materialien ist nicht möglich, sondern User:innen können ausschließlich in der Wiki-Struktur bearbeiten und mitwirken. Für das Fach Religion ist die fachliche Passung derzeit begrenzt, da sich das Angebot auf den Bereich Katholische Religion und eine vergleichsweise kleine Zahl von Themenseiten konzentriert. Die Qualitätssicherung erfolgt communitybasiert: Nutzer:innen können Inhalte bearbeiten und weiterentwickeln; nach Angaben der Plattform wird der Bereich Katholische Religion gemeinsam mit rpp-katholisch verantwortet.

Die Plattform MUNDO wird als offene Bildungsmediathek der Bundesländer betrieben und durch das FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht realisiert. Sie richtet sich an unterschiedliche Bildungsstufen vom Elementarbereich bis zur beruflichen Bildung und kombiniert repositoryartige und referatorische Funktionen: Materialien können sowohl hochgeladen als auch als externe Ressourcen vorgeschlagen werden. Für das Fach Religion ist die fachliche Passung derzeit mittel; neben religionsbezogenen Materialien finden sich auch Inhalte aus Ethik und Philosophie. Eingereichte Materialien werden von der MUNDO-Redaktion geprüft und freigegeben, eine spezifische fachwissenschaftliche Begutachtung ist jedoch nicht ausgewiesen.

Mit OER Commons existiert darüber hinaus eine internationale Plattform, die Recherche, Veröffentlichung und kollaborative Weiterentwicklung von OER vereint. Differenzierte Filter, strukturierte Metadaten und integrierte Werkzeuge zur gemeinsamen Bearbeitung machen deutlich: Qualität entsteht im Kontext offener Bildung nicht allein durch Prüfung, sondern auch durch Nutzung, Adaptation und Weiterentwicklung.

5. Netzwerke und Communitys: OER als soziale Praxis

Ein weiterer Zugang zu OER erschließt sich über Netzwerke und Communitys, die Austausch, Zusammenarbeit und strategische Entwicklung im Feld offener Bildung fördern. Im Unterschied zu klassischen Plattformen stehen hier vor allem Prozesse der Vernetzung, Professionalisierung und institutionellen Verankerung von OER im Vordergrund. Exemplarisch ist das Community College Consortium for Open Educational Resources (CCCOER) zu nennen, ein internationales Netzwerk, das insbesondere Community Colleges in den USA bei der Einführung und nachhaltigen Implementierung von OER unterstützt. Neben Leitlinien und politischer Interessenvertretung bietet CCCOER auch konkrete Recherchezugänge oder die OER World Map. Solche Strukturen verdeutlichen, dass OER ihr Potenzial vor allem durch Vernetzung, und institutioneller Verankerung und Förderung entwickeln.

6. Fachspezifische Plattformen: Religionspädagogische Materialien

Neben fachübergreifenden Infrastrukturen existieren Plattformen, die sich gezielt auf die Bereitstellung von OER innerhalb eines bestimmten Fachbereichs spezialisieren, so natürlich auch für das Fach Religion bzw. für außerschulische religiöse Bildung. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Anschlussfähigkeit von OER an spezifische Anforderungen religiöser Bildungsprozesse.

Eine zentrale Plattform im deutschsprachigen Raum ist rpi-virtuell. Der dortige Materialpool fungiert als Suchmaschine für Unterrichtsmaterialien, Praxisimpulse, Fachinformationen und digitale Ressourcen für Schule und Gemeinde. Die Materialien können differenziert nach Schulformen, Themen, Autor:innen und institutionellen Kontexten gefiltert werden. Die Plattform richtet sich insbesondere an Lehrkräfte, Multiplikator:innen sowie kirchliche Bildungsakteur:innen. Ein Teil der Materialien ist offen lizenziert und damit als OER nachnutzbar. Ergänzt wird das Angebot durch redaktionelle Auswahlprozesse, die eine erste Qualitätseinschätzung ermöglichen.

Auch rpi-loccum stellt über einen eigenen Materialpool eine Auswahl an Materialien für den Religionsunterricht bereit. Diese sind nach Themenfeldern, Altersstufen und didaktischen Zugängen strukturiert und richten sich vor allem an die schulische Praxis. Der Schwerpunkt liegt auf praxisorientierten Unterrichtskonzeptionen, die allerdings nur in Teilen unter offenen Lizenzen zugänglich sind. Die thematische Bündelung und redaktionelle Aufbereitung tragen dazu bei, die Materialien fachlich einzuordnen.

Mit RE:ONLINE existiert zudem eine internationale Plattform, die insbesondere im englischsprachigen Kontext eine wichtige Rolle spielt. Sie richtet sich an Lehrkräfte, Studierende und Forschende im Bereich Religious Education und verbindet fachwissenschaftliche Perspektiven mit didaktischen Materialien. Neben Unterrichtsressourcen stellt die Plattform auch Forschungsergebnisse und Hintergrundinformationen bereit, die zur Professionalisierung im Fach beitragen. Materialien können differenziert nach Religionen und Weltanschauungen, Themen, Altersstufen und Materialformaten gefiltert werden. Ein Teil der Inhalte ist offen lizenziert und somit als OER nutzbar. Gemeinsam ist diesen Plattformen, dass sie Materialien nicht nur aggregieren, sondern durch fachliche Strukturierung, redaktionelle Auswahl und teilweise auch communitybasierte Rückmeldungen kontextualisieren. Die Qualitätssicherung erfolgt dabei verstärkt über kuratierte Inhalte und communitybasierte Aushandlungsprozesse.

Fazit: Plattformlogiken und Herausforderungen

Die Übersicht über unterschiedliche OER-Plattformen macht deutlich, dass sich ein vielfältiges Spektrum an Plattformtypen unterscheiden lässt, über die offene Bildungsmaterialien recherchiert und verbreitet werden können. Diese Plattformen verfolgen jeweils unterschiedliche Zielsetzungen und Formen der Qualitätssicherung. Für eine reflektierte Nutzung im religionspädagogischen Kontext ist es daher notwendig, die Plattformlogiken zu kennen und ihre jeweiligen Potenziale sowie Grenzen mitzudenken.

Dabei zeigt sich ein zentrales Strukturproblem der OER-Landschaft: Weniger der Mangel an Materialien stellt derzeit die größte Herausforderung dar als vielmehr ihre begrenzte Sichtbarkeit und in manchen Fällen ihre fachliche und curriculare Passung. Zwar ist das Angebot an offenen Bildungsmaterialien in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, zugleich ist die Landschaft jedoch stark fragmentiert und vielen Lehrenden sowie Praktiker:innen nur begrenzt bekannt. Repositorien entstehen häufig dezentral an Hochschulen, in Bundesländern oder in projektförmigen Kontexten. Sie nutzen unterschiedliche Metadatenstandards und sind technisch nur eingeschränkt interoperabel. Dadurch verbleiben viele offen lizenzierte Materialien in isolierten Silos und sind außerhalb ihres jeweiligen Ursprungsökosystems nur schwer auffindbar (vgl. Otto/Kerres 2022)

Offenheit im lizenzrechtlichen Sinne garantiert daher noch keine strukturelle Offenheit im digitalen Raum. Plattformen fungieren vielmehr als eigenständige infrastrukturelle Akteure, die durch technische und organisatorische Entscheidungen maßgeblich beeinflussen, welche Inhalte sichtbar werden. Fehlende Schnittstellen oder uneinheitliche Metadaten können als Schließmechanismen wirken und die Reichweite von OER begrenzen selbst dann, wenn diese formal frei zugänglich sind.

Für religionspädagogische Bildungsmaterialien zeigt sich darüber hinaus eine besonders heterogene Plattformlandschaft. Zwischen Repositorien und Referatorien, schulischen Mediatheken, fachlich spezialisierten Plattformen und hochschulbezogenen Suchmaschinen existieren unterschiedliche Organisationslogiken, Zugangsmodelle und Formen der Qualitätssicherung. Nicht alle Plattformen arbeiten ausschließlich mit offen lizenzierten Materialien, nicht alle verfügen über fachliche Redaktionen, und die quantitative Verfügbarkeit von Materialien für das Fach Religion variiert deutlich.

Für Nutzer:innen bedeutet dies, dass die Auswahl geeigneter OER weiterhin eine reflektierte pädagogische und fachliche Urteilskraft erfordert. Neben der fachlichen Passung spielen dabei der Lizenzstatus, der Veröffentlichungsmodus (Hosting oder Verlinkung), redaktionelle Prüfverfahren sowie die Zielgruppenorientierung der Materialien eine wichtige Rolle. Orientierung können hierbei auch religionspädagogische Qualitätskriterien für OER bieten.

Gleichzeitig legt der Überblick nahe, dass die Weiterentwicklung der OER-Landschaft weniger im Aufbau immer neuer Repositorien liegen sollte als vielmehr in der stärkeren Vernetzung bestehender Strukturen. Verteilte Lernökosysteme, gemeinsame Metadatenstandards und interoperable Schnittstellen könnten dazu beitragen, die Sichtbarkeit und Nutzbarkeit offener Bildungsressourcen deutlich zu erhöhen. Davon würden auch religionspädagogische Bildungsmedien profitieren. Erst wenn Plattformen ihre Inhalte technisch durchlässig machen und stärker miteinander verbinden, kann das Potenzial offener Bildungsressourcen für die Praxis religiöser Bildung tatsächlich ausgeschöpft werden.

Literatur

UNESCO & Commonwealth of Learning (Hrsg.). (2019). Guidelines on the development of open educational resources policies. Verfügbar unter: https://www.unesco.de/sites/default/files/2020-01/Guidelines_on_the_Development_of_OER_Policies_2019.pdf

Otto, D., & Kerres, M. (2022).Increasing Sustainability in Open Learning: Prospects of a Distributed Learning Ecosystem for Open Educational Resources. Front. Educ. 7:866917.doi: 10.3389/feduc.2022.866917, S. 1-11.

Pirker, Viera & Pirner, Manfred L.: Open Educational Resources und Open Educational Practices. Ein systematischer Literaturbericht im religionspädagogischen Horizont - In: Theo-Web: Zeitschrift für Religionspädagogik 24 1, S. 151-185. https://doi.org/10.25656/01:34322